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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

32.1.

Nach derselben Melodie.

1. Das Volk der Hebräer war krank infolge des Götzendienstes; die Heilmittel und die Veranstaltungen, die der Allheiler anordnete, machte Markion zur Ursache für seine Krankheit und vermehrte durch sie seine Leiden; durch den Verband der anderen brachte er sich selbst Verwundungen bei, und durch die Heilmittel fügte er sich Wunden zu, weil er die Ursache der Hilfsmittel nicht verstand; weil sie Gott tadelten, machten sie sich strafbar.

Kehrvers 2: Gepriesen sei, der jegliche Gestalt annahm, um uns Leben zu schenken!

2. An Stelle des gesunden und wahren Gesetzes goß und prägte er falsche Münze und führte die Einfalt irre; er gab sie [die falsche Münze, den Irrtum] heimlich aus, er bot sie umsonst an, er reichte sie listig dar. – Auch sie sind wie er, ihr Vater; in dessen Form sind ihre Worte gegossen, denn verkehrt [der Wahrheit widersprechend] legte er die Lehre dar, die wie eine Mauer die Einfältigen umschloß.

3. Mein Sohn, nur erborgte [uneigentliche] Bilder werden auf dem Spiegel ausgeprägt [wiedergegeben]; vollkommen ist er [der Spiegel mit seinem Bild] bei den Vollkommenen, schwach bei den Schwachen, er ißt mit den Essenden und nimmt diese Dinge auf, ohne daß sie in ihm sind. Ebenso ließ sich die Majestät, der die Opfer jenes Volkes wohlgefällig erschienen, zum Heile in jeder Weise zu den Toren herab, um das, was ihr gehörte, zur Höhe emporzuziehen.

4. Obwohl nämlich der Spiegel ohne Alter ist, nahm doch seine Fläche [sein Busen] das Bild des Alters an in dem geheimnisvollen Bilde von der Majestät, die Daniel mit dem Aussehen des Alters sah 3. Da der König schamlos war wie ein Tor, zog der König der Könige das Alter an wie ein ehrwürdiger Greis; er richtete die Gottlosen, die schamlos der Sünde frönten.

5. Er bekleidete sich mit dem Greisenalter des Wesens, das nicht altert, um durch Gleichnisse über seinen geliebten Sohn Belehrungen zu erteilen. Unter der Gestalt des Greisenalters zeigte er seine Vaterschaft, um zu zeigen, daß er einen Sohn habe, den Menschensohn, den Daniel vor dem Alten der Tage stehen sah 4, der den sterblichen Königen die Macht nahm und dem unsterblichen Königssohn die Herrschaft gab.

6. Wenn nur einer als sitzend bezeichnet wäre, wäre auch nur ein Thron dagewesen, aber statt eines Thrones sah er Throne 5; damit deutete er an, daß der Alte an Tagen einen Throngenossen und Sohn hatte. Die tausendmal Tausende, die Daniel sah, sah er nur stehend vor dem Throne; er setzte einen Thron für den Sohn, dem Dienst geleistet wird; er gab das Stehen den Engeln, die dienen.

7. Wenn nun der Spiegel sich mit jeder Gestalt bekleidet und jede Farbe auffängt, ohne daß seine Farbe aufgestrichen wird, und er Kleider anzieht, während er zu jeder Zeit blank [glatt] und schön ist, so hat doch seine Blankheit nichts Beschämendes, und er ist in [mit] seiner eigenen [natürlichen] Herrlichkeit bekleidet; in Licht nämlich hüllt sich der Spiegel, wie der Unsichtbare, dessen Gewand das Licht ist 6.

8. Doch betrachte die Majestät nicht wie einen Spiegel, dieser ist nur ein Fahrzeug der Bilder und Darstellungen, jener Majestät kann sich nichts ohne sie [ohne ihren Willen] nähern; denn sie wollte Gestalten annehmen, die bedürftig [mangelhaft] sind, zum Heile der Schwachen, sie schickte [sogar] ihren Sohn zu den Erdbewohnern, um die Irdischen mit den Überirdischen zu vereinen 7.

9. Die Majestät entschloß sich, jegliche Gestalt anzuziehen, die Menschheit aber wollte nicht mit deren Hilfe das Leben gewinnen; da schickte sie [die Majestät] ihren Geliebten, und anstatt der erborgten Gestalten, die sie angezogen hatte, zog der Erstgeborene wirkliche Glieder an und vermischte sich mit der Menschheit. Er gab das Seinige und nahm vom Unsrigen, damit seine Vermischung unserer Sterblichkeit Leben verleihe.

10. Es hörten aber die Leugner, die irren und in Irrtum führen, von den mannigfachen Formen; sie griffen nun die Majestät an, da sie meinten, daß es sich mit ihr [der Majestät Gottes] wirklich so verhielte, wie die erborgten Ausdrücke lauteten. Weil ihre Ohren an den preiswürdigen Worten der Propheten verwirrt waren, stellte sie [die Majestät Gottes] einen Spiegel vor ihnen hin, damit ihre Augen ihre Ohren zurechtwiesen.

11. Sie sahen nun im Spiegel, daß er [der Spiegel bzw. das Spiegelbild] in allem alles war, daß er in dem Bilde der Person des Sohnes den Sohn wiedergab, indem er sich mit seinem Aussehen bekleidete und indem er mit ihm klein war, – daß er [der Spiegel] ihn aber auch mit dem Aussehen der Majestät schmückte, die sich in ihrer Huld zu dem kindischen [unverständigen] Volke herabließ und sich in die Gestalt seiner Kindheit hüllte und sich ihm näherte, um seine Häßlichkeit zu schmücken.

12. Der Spiegel [das Spiegelbild] gibt ferner bei dem Manne, dessen Aussehen vollkommen ist, die Vollkommenheit durch das Bild der Person wieder, indem er sich mit dessen Aussehen bekleidet und sich mit seiner Gestalt umgibt. Um ihn nach der Art des Evangeliums, das von den seligen Aposteln und Jüngern aufgestellt wurde, zu schmücken, hat er [der Spiegel] mit den vollkommenen Gesetzen, die er uns gab, unsern innerlichen Menschen geschmückt.

13. Etwas Wunderbares ist der klare Beweis, der uns zuteil ward, beredt [logisch] ist er, der die Verständigen belehren will über jene Majestät, von der die Toren glauben, daß sie nicht vollkommen sei. Für uns ward sie klein, als sie klein war, für uns wuchs sie auch, als sie wuchs; und obwohl sie jederzeit sich selbst gleichblieb, bekleidete sie sich in ihrer Huld mit jeder Gestalt.

14. Die Natur ihrer Wesenheit ward niemals kleiner oder größer, denn sie ist nicht ein Wagen, der zum Wechsel kommt [der von Station zur Station gewechselt wird]; einer ist, der nicht kleiner wird, einer ist, der nicht größer wird, dessen Ganzes das Ganze füllt; kein Raum ist in ihm, in den er noch eintreten könnte, kein Platz außerhalb von ihm, in den er noch hinaustreten könnte. Wo sollte er sich ausbreiten oder wachsen? Oder wo sich zusammenziehen oder kleiner werden?

15. Der Wille der [göttlichen] Wesenheit ist nämlich nicht ihr Gegner noch ihr Feind, so daß er die Majestät nötige oder bekämpfe, um sie dahin zu bringen, daß sie kleiner werde und sich verändere; denn wir dürfen nicht den Willen und die Natur des [göttlichen] Wesens als im Kampfe befindlich uns vorstellen; ein Wille nur ist in ihrer Person, die niemals kleiner oder größer wird.

16. Denn wenn dieser Spiegel der Natur nach an sich selbst unveränderlich ist, nimmt er uns gegenüber Veränderungen an, indem er sich ganz in menschliche Gestalt kleidet; äußerlich nur hüllt er sich in Formen, sein Körper aber ist frei von unseren Bildern: uns nur erscheint er mit unserem Bilde, während er bleibt, wie er an sich ist.

17. Mein Sohn! In einem sichtbaren Spiegelbilde, das auch verborgen ist, stellte er sich dar, damit er darin gesehen werde; wir sehen ihn und sehen ihn nicht, das heißt, daß seine Gestalt ohne Gestalt ist. Es kann uns der Spiegel nicht vollkommen das Bild seiner Unsichtbarkeit zeichnen, er kann nicht einmal die sichtbaren Dinge leibhaftig [zeichnen], wie sollte er es bei den unsichtbaren können?

1: Zingerle hat S. 300 – 305 des 4. Bandes der Innsbrucker Ausgabe sogar versucht, eine metrische Übertragung [von Str. 3 ab] dieses schwierigen und philosophierenden Gedichtes zu geben.
2: Der Kehrvers findet sich nur in der vatikanischen Hs und auch hier nur am Rande zugefügt.
3: Vgl. Dan. 7,9; 22; 26. – Die 4. Strophe ist in der Druckausgabe sehr frei umgestaltet, da die Handschrift hier stark verwischt ist.
4: Vgl. Dan. 7,13.
5: Vgl. Dan. 7,9.
6: Vgl. Ps. 103,2.
7: Der Text der 8. Strophe ist in der römischen Ausgabe stark verändert, da die Handschrift schlecht leserlich ist; das gilt teilweise auch von den folgenden 3 Strophen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger