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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

31.

Nach derselben Melodie.

1. Das Aussehen der Traurigkeit nahm bisweilen unser Schöpfer an, um seinen Geschöpfen einen Vorgeschmack seiner Barmherzigkeit zu geben; und während er ohne Sorge ist, trägt er doch in seiner Liebe Sorge, damit wir seine Güte bemerken. Denn jeder, der über etwas Betrübnis zeigt, dessen Sorge liefert einen Beweis seiner Liebe; darum bewies das Weinen unseres Erlösers seine Liebe zu Lazarus.

Kehrvers: Gepriesen sei der Unsichtbare [Verborgene], der unsere Gestalt anzog!

2. Wenn es einen andern Gott 1 gäbe – fern sei es, dass es so wäre –, so würde er sich wohl hüten, sich über seine verdorbenen Kinder zu betrüben; wenn er sich nämlich betrübte, wäre er wie jener [wahre Gott], von dem geschrieben steht, daß es ihm leid tat, und daß es ihn reute 2. Wenn nun jener erbarmungslose Gott sich über unsere Leiden nicht betrübt, dann wollen wir unsere Zuflucht zu unserm Gott nehmen, der Betrübnis zeigte, um uns den Wert seiner Erbarmung zu lehren.

3. Der Apostel sagt 3: „Betrübt den Heiligen Geist nicht!“ Er mußte sich ihnen gegenüber verkehrt ausdrücken, damit sie auf den rechten Weg gebracht würden. Fragen wir nun die Irrenden, was der Apostel zu den Zuhörern sagen wollte. Wollte er uns die Unvollkommenheit des Heiligen Geistes zeigen, oder suchte er nur eine Möglichkeit, zu ermahnen? Wenn es nicht zum Zwecke der Ermahnung geschehen wäre, dann hätte er uns eine Schwäche des Heiligen Geistes gezeigt.

4. Denn nicht gesund und rein ist ein Wesen, das einer Unvollkommenheit fähig ist. Wie könnte er rein sein, wenn er durch einen Schmerz in Unruhe versetzt werden könnte? Was sollen wir also erforschen, die Natur oder die Liebe des Heiligen Geistes? Wenn wir seine Natur suchen, wird sie hierin [in den Worten des Apostels] als schwach erfunden; wenn wir aber seine Liebe suchen, so ist sie sehr groß, da er durch seine Erniedrigung uns geehrt hat.

5. Er hat nämlich seine reine und heilige Natur [als der Schwäche fähig] bloßgestellt. Da sie nämlich überhaupt nicht durch Betrübnis beunruhigt werden kann, schrieb er [der Hl. Geist] an die Sterblichen, daß sie ihn nicht betrüben möchten, um uns durch sein weises Vorgehen Leben zu spenden, wie einer, der für sich besorgt ist, uns aber mit seiner Gnade beschenken wollte; denn durch die Affekte, die nicht in seiner Natur liegen, wollte er die Sünden verhindern, die in unserer Natur liegen.

6. Für einen, der unwissend ist, findet sich überall etwas zu tadeln, bei Gott aber kann nichts Tadelnswertes zutreffen. Er ist nämlich erhaben, und [nur] die Liebe erniedrigt ihn, und unsertwegen ward er klein, denn mit uns sprach er wie unseresgleichen. Da glaubt [dann] ein Tor, daß Gott wirklich so sei, und er beginnt [er wagt es], die Bilder und Veranstaltungen, die voller Hilfe sind, zu tadeln.

7. Wer kann wohl das Wesen der Gottheit ergründen? Wer kann den Reichtum der Königswürde ermessen? Wer kann die Tiefe seiner Majestät erforschen und ihre Geheimnisse erfassen? Warum stürzt du, der Schwachheit unterworfen, dich in dieses gewaltige Meer? Weil seine Wogen schön und anziehend sind, reißen sie dich in die Tiefe.

8. Wenn dich gelüstet, dieses Meer zu erforschen, und du dich einer einzigen kleinen und schwachen Welle näherst, wird sie dich zu einer großen fortreißen, ja, alle Wellen werden dich, eine in die andere, versenken, denn dieses Meer gehört ganz zusammen, vereint und gleich in Wesen und Einheit. Wenn du dich der äußersten Welle näherst, reißt sie dich in die innerste Tiefe.

9. Wenn du dir aber ein Schiff baust zum Handel und zum Gewinne und nicht zur Grübelei, dann ist es ein erhabenes Meer, das die Kaufleute bereichert, die Dreisten aber ersäuft; dein Kapital 4 aber wird hundertfältigen Ertrag bringen, denn seine Wogen werden dir Schiffsführer sein; alle Schätze wird es zutragen, es wird dich geleiten, und du wirst an seinem Ende in seinen Hafen gelangen.

1: D. h. einen Gott, wie sich ihn die Markioniten unter dem Schöpfergott vorstellten.
2: Vgl. Gen. 6,6.
3: Eph. 4,30.
4: Wörtlich: „Mine“.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger