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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

28.

Nach derselben Melodie.

1. Der Schatten ist, Geliebte, für sich gar nichts, sondern wird vermittelst eines Körpers hervorgebracht; ebenso ist auch das Böse dem Wesen nach nichts, denn es wird auch nur vermittels [durch Missbrauch] des Guten hervorgebracht. Die Ehe ist z. B. beides, sowohl rein und anständig, wenn nach dem Gesetze, unrein aber und schändlich, wenn ungesetzlich.

Gepriesen sei, der uns ein Beispiel gab, wodurch wir vieles verstehen!

2. Durch die Speisung des Körpers verwöhnt, führt der Wille Schwelgerei ein, und durch seine Tränkung Trunkenheit. Durch das Gute, das ihm von der Natur her zu Gebote steht, zieht er sich das Schlechte zu, das nicht von der Natur her so ist; denn das Böse ist es nicht der Wesenheit nach, sondern das Gute wird in das Böse verkehrt durch unsern Willen. Der Wille verdarb die [ursprünglichen] Anordnungen; die Freiheit verwirrte die Masse.

Gepriesen sei, der die geschaffenen Dinge ordnete, damit wir durch sie jegliche Ordnung lernten!

3. Wenn du die Natur betrachtest, so ist sie ganz schön von ihrem Schöpfer her; wenn du aber auf den Brauch [die Sitten, die Gewohnheit] achtest, so ist er ganz verdorben durch unsern Willen; er breitete die Schmutzflecken der Gewohnheit über die Natur, und es wird die schöne Natur verdorben von dem Häßlichen. Und wenn ein Mensch das ablegt, was zur Gewohnheit gehört, so zieht er verständigerweise das an, was zu der Natur gehört.

Es möge unser Mund die Lästerung ablegen und unsere Zunge sich mit Lobpreisung bekleiden!

4. Und wenn der Mensch einen zweiten Schmuck zum ersten hinzufügen will, so enthalte er sich [sogar] von dem, was zur Natur gehört, nicht weil er es für schmutzig und unrein ansieht, [sondern aus Selbstüberwindung]; die Natur kann nämlich Grundlage [Stoff] sein für Gutes und Böses, so daß der Mensch, wenn [er] ordnungsgemäß mit ihr umgeht, Nutzen von ihr hat, wenn er sie aber verwirrt, allen Schaden sich durch sie zuzieht.

Herr der Natur, verleihe uns, daß wir sie weise gebrauchen!

5. Zeugen mögen für die Natur sein die Ärzte mit ihren Waagen, denn nach Maß und Gewicht mischen sie bei den Arzneien die Heilmittel bei, und wenn ein Arzneibestandteil das Übergewicht über den anderen hat, so ist es zum Schaden. Der Arzt des Weltalls ist der, der die Geschöpfe abwog und ordnete. In Barmherzigkeit ordnete er die Natur, und im Zorn ließ er die Verwirrung der Einrichtungen [Sitten] zu.

Gepriesen sei, der durch die geschaffenen Dinge unserer Freiheit Ordnung lehrt!

6. Wenn das Haar und die Nägel am Körper zu groß werden, sind sie häßlich, ohne sie ist er aber entstellt, mit ihnen aber erscheint er geschmückt. Um wieviel mehr aber entstellen Mängel die Natur! Und nur, Wenn der Wein rein [gereinigt] ist, gefällt er. Durch den Willen sündigen die Sünder, durch die Sitten verwirren sie die Natur.

Gepriesen sei, der als schönes Gewand die reine Natur gab, die durch uns beschmutzt wird!

7. Wenn du die Natur suchst, suche sie nicht da, wo wir verwirrt haben! Zur Urquelle [Quellhaupt] müssen wir hinaufsteigen, die klar war vor dem Menschen; „denn es sah der Herr alles, und es gefiel ihm alles 1“. Und wenn es ein böses, widerstreitendes Wesen gab, so stritt es damals mit dem Schöpfer und nicht mit dem Schöpfungswerk.

Gepriesen sei, der sich uns zeigte als mächtig, weise und huldvoll!

8. Er zeigte seine Macht als Schöpfer, indem er aus dem Nichts alles schuf; er zeigte auch die Weisheit seines Reichtums, indem er alles schmückte, ordnete, zierte und krönte; er zeigte auch seine Güte, indem er umsonst die schönen Geschöpfe bildete, die er dem Adam übergab; denn bis auf Adam waren sie schön, und von da an wurden sie durch ihn verwirrt.

Bringe, o Herr, unsern Willen wieder zusammen, denn er irrte ab und verwirrte und ward verwirrt !

9. Das Wachstum der Dornen bezeugt das neue Aufwachsen der Sünden 2; denn es waren keine Dornen gewachsen, weil noch nicht die Sünden aufgekommen waren; als aber die verborgenen Sünden des freien Willens zum Vorschein kamen, sproßten auch die sichtbaren Dornen aus der Erde empor. Es stellte Gott die Sünden bildlich durch die Dornen dar, damit niemand die Gottheit schmähe.

Liebe den Herrn der Natur, die wir durch Sünden und Dornen häßlich gemacht haben!

10. Wenn auch die Spreu mit dem Weizen verwandt ist, so entstellt sie in dem Maße, wie sie [mit] auf dem Haufen liegt, ihn doch; um wieviel mehr entstellt die Gewohnheit [die Sitten] die Natur, der sie völlig fremd ist! Entfernen wir doch von der Natur die häßlichen Dinge, die von unserer Freiheit herrühren, und die Sünden und Schulden, die unser Wille erzeugt! Es möge der Getreidehaufen reingemacht werden von dem Unkraut und der Spreu unserer Gewohnheit!

Gepriesen sei der Schöpfer unserer Natur, der sie von Anbeginn rein erschuf!

11. Seht, wie Natur und Schrift vom Landmann [= Gott] an ein Joch gespannt sind! Die Natur haßt die Ehebrecher und die Zauberer und Mörder, und das Gesetz haßt ebendieselben. Und als Natur und Gesetz die Erde gereinigt hatten, säten sie neue Gebote in die Erde des Herzens, damit sie Früchte bringe.

Preis sei dem Herrn der Natur und Lobpreis dem Herrn der Schrift!

12. Es verachten die Unreinen, die Ehebrecher und mit ihnen die Irrlehrer die Natur, [und handeln,] als wäre es ihnen von Natur erlaubt, zu irren und zu huren. Da schrie die Natur auf, und es hörte sie der Stier, ihr Jochgenosse, jenes furchtbare Gesetz vom Berge Sinai; und weil das Gesetz des Moses versagte, stieg der Vollkommene herab, um sie [Natur und Gesetz] vollkommen zu machen.

Vollender, dir sei Preis, daß die Unvollkommenen durch dich erfüllt wurden!

13. Von dem hinfälligen Grübeln rette mich, das hart und weichlich und bitter und versteckt ist! Denn häßlich ist aller Streit, denn durch den Mund der Grübler haucht er den Tod aus, durch schwierige Fragen reizt er das Gehör und stiehlt durch schmeichelnde Überredungskünste die Vernunft weg; er wird bald hart, um zu unterjochen, bald demütig, um zu rauben. Reiße weg, Herr, die Vollkommenen von seinen beständigen Nachstellungen!

Erbarme dich der Ungläubigen, die mit der Natur, aus der sie geworden, sogar über sie lästern!

1: Gen. 1,31.
2: Wortspiel: Kôbê Dornen, haubê Sünden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger