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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

26.1.

Nach derselben Melodie.

1. Eine wichtige Frage ist es, über die Wege aller Leugner Nachforschungen anzustellen, ob sie von Anfang an bestehen. Den Pfad, auf dem Mani ging, hatte er erst vor kurzer Zeit gebahnt; von gestern sind die Lehren der Unkräuter, die da blühen und verdorren. Diebe, deren Pfade in ihre Hinterhalte ablenken, haben das durch den Diener gegebene Testament von dem des Sohnes losgetrennt. Schauen wir auf den Weg der Propheten, der auf jenem Weg der Apostel führte!

Kehrvers 2: Preis sei dir von den Rechtgläubigen!

2. Eine starke lebenspendende Quelle gibt es und eine Quelle 3 von Aussprüchen der Prophetie, auch einen Brunnen von Worten des Geistes. Schlangen stahlen von seinen Bächen, sie saugten ein Weniges und gaben ein Vieles von sich; sie waren Teiche [Sammelbecken] von tödlichem Gift. Und obgleich der Trank lebenspendend war, ward er doch, weil Drachengeschmack dabei war, dem Trinker zum Tode. Und wer da töricht ist, glaubt, daß dieser Strom süß und fremdartig ist; der Irrtum stahl nur vom Ausfluß aus der lauteren Quelle der Wahrheit.

3. Lerne den [rechten] Weg kennen und wandle also, damit dich nicht der andere Weg in die Gefangenschaft führe, denn der Trug äfft auch die Wahrheit nach. Wo die königlichen Meilensteine und die Herbergen und die Handelsleute sind, das ist der Weg des Königs und der Gesandten. Wo aber Wahrsagerei und Horoskop und Lästerung und schlimme Salben 4 sind, ist der Pfad des Irrtums und der Räuber. Und wo du schlimmes Tun findest, mach dich auf und fliehe von dort! Und wo du den geraden Werg gefunden hast, mache auch deine Seele gerade und wandle auf ihm!

4. Wegen der Frucht bahnte er den Weg, der sich vom Baum bis zum Kreuze, von einem Holze zum andern erstreckte, von Eden bis Sion und von Sion zur heiligen Kirche und von der Kirche bis ins Königreich hinein. Steigen wir ein wenig auf diesem Wege empor! Und siehe, er widerlegt die Leugner, denn wie und wo sie abwichen, zum Satan sind sie abgewichen; sie gingen dahin und zogen seinen Namen und seine Handlungsweise an. Unser Herr verglich sich selbst mit einem Wege 5; wohlan, wandeln wir auf ihm zu seinem Vater!

5. Es ist dies der große Weg der Gebote, der sowohl sehr breit als auch sehr eng ist, alt und auch neu. An seinem Anfange schritten die Unbeschnittenen und trugen Vorbilder unseres Herrn, denn ohne seine Vorbilder gelangt kein Mensch zum Leben. Dann kamen die Beschnittenen in die Mitte, die bekleidet waren mit den Vorbildern des Sohnes; und da [wie] er den ersten und den mittleren das Leben gab, gab er es durch sein Brot den letzten, und so hat er den Weg in drei Teile geteilt. Eins ist der Anfang und auch das Ende, und es wird beschlossen bei dem Herrn des Alls 6.

6. Die Ursache des Weges [der Erlösung] aber war Adam, nach [hinter] dem die Knechte seines Herrn auszogen und sich abmühten, um das verirrte Lamm zu suchen. Es waren aber die Unterhirten [Knechte des Hirten] nicht imstande, das verlorene zu finden und es in seine Hürde wieder zurückzubringen. Da zog der Sohn des Herrn [selbst] aus, es zu suchen; er ging einher auf dem Wege, den die Unterhirten dem Herrn der Herde gebahnt hatten. Er zog den Adam an und öffnete durch ihn die Pforte des Paradieses bei seinem Einzug. Wohlan, versehen wir uns mit Wegzehrung! und brechen wir von hier auf, denn gebahnt ist der Weg nach Eden.

7. Auf die Erde von Dornen und Fluch trieb er den Adam, da er gesündigt hatte, damit er sich abtöte und nach Eden zurückkehre. Im Gefängnisse gebar uns Eva, und es kam uns die Gefängniswohnung lieblicher vor als unser Wandel nach dem Paradiese. Groß ist die Vorliebe für die Gewohnheit [für das Gewohnte]; weil wir uns nämlich an die Finsternis gewöhnt hatten, erschien uns das Licht häßlich. Ein Gefesselter bittet wohl, daß man seine Fesseln löse, ein Gefangener ficht, daß er herauskomme; unser Gebet aber ist, wenn es erhört würde, daß wir auf der Dornenerde bleiben möchten.

8. Wie auf einem Schiffe sind wir zusammengedrängt und trauern über den, der aus den Wogen in den Hafen des Friedens eingegangen ist. Die Kette der Seele ist unsere Sorge, und siehe, ein jeder bringt sie an seinen Nacken heran, um sie ganz um ihn voll ständig zu legen. Und jeder Mensch quält, solange er lebt, seine Freunde, die mit ihm im Gefängnis und in unsichtbaren Fesseln sind. Über die Geburt der Kinder freuen wir uns, über ihren Tod trauern wir; wir freuen uns, daß sie an den Ort der Dornen kommen, und trauern, daß sie an den Ort des Lichtes gehen.

9. Unsern Herrn ermüden wir durch ein Doppeltes: daß er uns zu sich rufe, beweinen wir, daß er uns hier lasse, vergelten wir mit Unrecht. Der Gute sah, daß wir, wenn es möglich wäre, zahllose Geschenke geben würden, um nicht aus dem Gefängnisse herausgehen zu müssen nach dem [Himmel] -Reiche; darum schuf er den Tod, der weder Geschenke noch Überredung annimmt, damit wir ihn nicht überreden können und hier bleiben. Wenn nun der Barmherzige durch ein kurzes Ende den Menschen erlöst, dann herrscht Trauer, daß der Tod gekommen ist und die Myriaden Fesseln von unsern Gliedern gelöst hat.

11. In unsers Herrn Macht liegt beides, sowohl die Zeit, als ich eintrat in die Schöpfung, als auch, wann es gut sein wird, daß ich von ihr scheide. Auf dem Wege der Wahrheit wurde ich geboren, obwohl es meine Torheit nicht merkte; erwachsen machte ich mir sie zum Eigentum, als ich sie erkannte. Die verwirrten Pfade, die mir begegneten, verachtete mein Glaube, denn ihr Ende läuft nach links aus. Weil ich dich bekannt habe, bekenne mich; sei gnädig dem Sünder, der an dich glaubt! Denn obgleich er gesündigt, klopft er doch an deine Pforte, und wenn er auch schwach war, so wandelte er doch auf deinem Wege.

1: Eine metrische Übersetzung des Hymnus von Zingerle steht in der Innsbrucker Ausgabe, 4. Band, S. 296 – 300.
2: Der Kehrvers, der der gleiche ist wie in Hymnus 25, wird nur durch die Londoner Hs geboten.
3: Londoner Hs: „Fluß“.
4: Das syrische Wort šôp[h]â [šaupâ?] kann auch mit „Reiben, Feilen, Glätten“ übersetzt werden; es muß irgendein abergläubischer Brauch gemeint sein; vielleicht wirkt auch die Neigung zu Wortspielen bei der Wahl dieses Wortes mit, da im nächsten Satze die syrischen Worte für „gerade“ von einem ähnlich klingenden Stamm [šěp[h]a] genommen sind. Der von S. Fränkel, Zeitschrift für Assyriologie 17 [1902] S. 90 vorgeschlagenen Emendation widerspricht der Textbefund in beiden Handschriften.
5: Joh. 14,6. – „Zum Satan sind sie abgewichen“: Wortspiel, da „abweichen“ durch sěta gegeben ist.
6: Das Ende der 5. und der Anfang der 6. Strophe sind in der römischen Hs schwer lesbar; daher hat die Druckausgabe einen frei gestalteten Text. Dasselbe gilt für Strophe 8 u. 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger