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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

24.1

Nach derselben Melodie.

1. Die Abgefallenen erfrechten sich, die Schriften auszutilgen, damit sie nicht widerlegt werden könnten; aber durch die eine, die sie gelassen haben, werden sie widerlegt; es genügt diese, und zwar in reichstem Maße. Unser Herr erhielt sie in seiner Bibel, und jene haben sie nicht wie die übrigen ausgetilgt. Werden sie sie jetzt etwa austilgen? Der Herr bewahre sie und auch mich, daß ich nicht die Ursache dafür werde.

Gepriesen sei, der meinen Glauben bewahrt!

2. Es gebot und ordnete an der Wahrhaftige, daß wir auf Erden niemand Meister nennen sollen 2. Der Apostel war ängstlich besorgt, die Herde nicht nach seinem Namen zu nennen. Wovor der Apostel sich fürchtete, dazu drängt sich zum Ersticken das Unkraut [der Ketzer]; ihr Beweggrund ist die Herrschsucht; darum streitet sich jeder, wer auf diesem Throne sitzen soll.

Gepriesen sei, dessen Kreuz uns Demut lehrte!

3. Der Herr versagte in seiner Weisheit die Throne den Söhnen des Zebedäus 3, damit wir nicht in verkehrter Weise dieses als Vorwand für uns nähmen. In seinen Fragen führte er sie behutsam von der Größe zur Niedrigkeit [Demut], damit unser Hochmut zurechtgewiesen würde; anstatt der Herrlichkeit gab er das Leiden als Zurechtweisung unseres Stolzes.

Gepriesen sei der Erhabene, der vor dem Gerichte stand!

4. O die treuen Brautwerber, die sich gegenüber dem Bräutigam nicht änderten, wenn auch die Herde sprach: „Ich bin des Kephas oder des Paulus oder des Apollo 4.“ O die Herde, die sich selbst mit dem Namen ihresgleichen bezeichnete! Die guten Knechte fürchteten sich und nahmen ihre Namen von der Herde weg und bezeichneten sie mit dem Namen ihres Herrn.

Gepriesen sei, der sich durch seine Apostel bezeichnete !

5. Die falschen Lehrer aber gleichen trügerischen Brautwerbern, die als getreu ausgeschickt wurden, sich aber in Betrüger verwandelten; für sich nämlich warben sie die Bräute Christi. Die Schönheit des Bräutigams suchten sie nachzumachen, um die Braut durch dessen Schönheit zu fangen; mit dessen Eigentum wappneten sie sich gegen ihn.

Gesegnet sei, durch dessen Prüfungsofen sie bloßgestellt wurden!

6. Auch Johannes, der Brautwerber, offenbarte sich, da er merkte, daß die Braut seines Herrn auf ihn wie als ihren Herrn schaute, als Diener, der [nur] Diener sei; er zeigte seine sterbliche Natur, zeigte seine niedrige Stufe; Herrlichkeit und Niedrigkeit zeigte er ihr [der Braut], daß er nicht würdig sei, den Schuhriemen des Bräutigams zu lösen 5.

Gepriesen sei, der ihn lehrte, sie [die Braut] zu überzeugen!

7. Die falschen Lehrer boten ihr eine erborgte Schönheit dar, die Spitzfindigkeit ihrer Worte. Denn wer die Braut seines erhabenen Herrn verführen will, putzt und schmückt sich. Und doch sind sie häßlich, so sehr sie sich auch herausputzen, denn die Niedrigkeit [Demut] Jesu ist sogar herrlicher als die Schönheit der Geschöpfe.

Gepriesen sei, dessen Schmach ein Lobpreis ist!

8. Seine Erhabenheit sahen die Griechen und die Perser und die Ägypter; da verleugnete ihr Mund die eigenen Götzenbilder und die Namen ihrer Götzen, Siehe, die Verdorbenen taten Buße und verleugneten den Namen ihrer Meister und bekannten den Herrn der Wahrheit 6. Das Unkraut aber nennt sich nach dem Namen von Menschen, die in Irrtum gefallen sind.
Gepriesen sei, der die Irrenden zurückführt!

9. Die Braut des Sohnes schändeten Leute [Irrlehrer] unter den Griechen; da auch ihre Schüler nach dem Namen ihrer Lehrer benannt wurden, bekleidete sich die Braut, deren Liebe ausschweifend wurde, mit dem Namen eines Knechtes. Da entbrannte von Eifer der mächtige Brautwerber, daß sie nicht völlig ausschweifend 7 und verdorben würde und tilgte ihre Namen weg.

Gepriesen sei, der ihr Eiferer gab!

10. Und wenn heute noch der Apostel leiblich gegenwärtig wäre, so würde er das Andenken der Betrüger auslöschen, wie das des Amaleq 8; wenn er nicht einmal gestattete, daß der Name des Simeon der Herde beigelegt wurde, um wieviel mehr würde er den Namen der Diebe austilgen, die sie [die Herde] zerrissen und wegführten und nach ihrem Namen nannten.

Gepriesen sei, der sie [die Herde] an seinen gepriesenen Namen fesselte!

11. Markion, der zuerst Lästerungen aussprach, war nicht imstande, seinem Namen zu entgehen; der Name ging von seiner Spaltung aus und die Benennung von seiner Trennung. Auch der Dieb will nicht nach seinem Handwerk genannt werden, er wird aber mit Notwendigkeit Dieb nach seinem Tun genannt. Unsere Taten verschaffen uns unsere Namen.

Gepriesen sei, mit dessen Namen wir bekleidet sind!

12. Die heilige Kirche aber flieht vor dem Namen von Menschen, meine Brüder; darum haben die Sabellianer und die Arianer und die übrigen Getrennten, da sie nicht nach dem Namen ihrer Meister genannt werden wollten, mit List versucht, ihr zu gefallen, da sie merkten, wo ihre [der Kirche] Liebe sei, daß sie nämlich ganz an Christus gebunden sei.

Gepriesen sei der Name, an den sie gebunden ist!

13. Sie haben nicht beim Apostel gelesen, der jenen tadelt, der sagt: „Ich bin des Kephas" und ein anderer: ,,des Paulus“ und „des Apollo“ 9. O, des großen Jammers, meine Brüder! Denn die Berufenen 10 waren so dreist, ihren Namen der Herde beizulegen, und die Rufenden erröteten nicht und die Hörer schämten sich nicht, daß sie sich nach dem Namen eines Menschen nannten.

Gepriesen sei der Name, nach dem wir genannt werden!

14. Kommet, lasset uns schauen, bei wem diese Lehre der Apostel ist, die die Braut des Sohnes nicht nach ihrem [eigenen] Namen nannten. Eines Lehrers Lehre, der seinen Namen der Herde beilegt, ist nämlich weit entfernt von der der Apostel; wer sie aber nach dem Namen seines Herrn nennt, bei dem ist die Wahrheit erhalten geblieben.

Gepriesen sei, der uns gezeigt hat, bei wem sie ist!

15. Auch bei den griechischen Weisen wurden und werden ihre Schüler nach dem Namen eines jeden benannt, meine Lieben! Menschen unterwarfen sich gegenseitig und ließen sich nach ihren Namen nennen. Gegen den Namen des Herrn und Gottes aber empörten sich die Leugner, die ihren Namen der Menschheit beilegen wollten.

Gepriesen sei, der seinen Namen uns gegeben!

16. Die eine garstige Lehre haben sie also mit dem Namen des abscheulichen Hundes bezeichnet 11; und die Wahnwitzigen schämen sich nicht, nach dem Namen des Hundes benannt zu werden, wie auch die Audianer nicht erröten, nach dem Namen der Nachteule 12 genannt zu werden, ebensowenig die Arianer und die Qûqiten; auch ihre Namen sind alle abscheulich, einer mehr als der andere.

Gepriesen sei der Name, mit dem wir geschmückt sind!

17. Den Namen von Wölfen haben sie Lämmern beigelegt, es bekleideten sich Tauben mit dem Namen von Habichten, es legte der Weizen seinen guten Namen ab und wurde mit dem Namen von Dornen bezeichnet. Es schalt der Apostel die Korinther, daß sie, obgleich der Herr für sie gekreuzigt wurde, sich doch nach dem Namen von Dienern nannten, nach dem der glorreichen Männer Petrus und Paulus; wieviel mehr würden ihn die Leugner zum Zorne gereizt haben!

Gepriesen sei der Name, den wir bekennen!

18. Viele Christusse werden gepredigt, einer, der in der Zeit des Mani erschien, ein anderer in den Tagen des Bardaisan, und zu Markions Zeit wieder ein anderer, Ein anderer Christus ist aber der, der in den Tagen der Apostel kam. Mehrere Christusse aber widersprechen einander; und wenn es nur einer ist, der unter sie verteilt ist, so streitet er in ihrem Munde mit sich selbst.

Gepriesen sei jener, der mit sich selbst übereinstimmt!

19. Auch die Zeit, in der diese Unkräuter emporschießen, ist abstoßend, Geliebte! Verwirrt nämlich sind ihre Zeiten und fremdartig ihre Lehren. Wenn sie sie aber [angeblich] von den Aposteln empfangen haben, wer empfing sie denn von ihnen? Etwa Arius, der von heute ist, oder Mani der gestern auftauchte? Oder Quamsû 13, den [die] Erde ausspie!

Gepriesen sei, der da lacht im Himmel 14!

20. Die Apostel haben jahrelang gepredigt, und nach ihnen andere, und es gab noch keine Unkräuter. Diese aber, die später aufstanden, mögen uns sagen, nach wessen Namen jene Lehre genannt war; die älteste [Lehre], die Simeon vortrug, ward nicht nach dem Namen des Kepha genannt, und das bezeugt auch Paulus und Apollo.

Gepriesen sei, durch dessen Zeugen sie widerlegt werden!

21. Die Kirche der [Heiden-] Völker trat in die Erscheinung, und dann ward der Tempel des [jüdischen] Volkes zerstört; und nachdem er den Tempel des Volkes von Grund aus zerstört hatte, wurde dort eine Kirche erbaut. Markion diente in ihr nicht, denn man wußte von ihm noch nichts. Arius betrat sie auch noch nicht, auch Mani nicht, noch Bardaisan. Die Propheten gaben die Überlieferung den Aposteln weiter.

Gepriesen sei der Herr der Satzungen!

22. Er pflanzte sie von Adam auf Noe fort, verbreitete sie von Noe bis auf Abraham und von Abraham auf Moses und von Moses auf David und von David bis auf die Gefangenschaft und von Babel bis auf unsern Erlöser. Und es wurde das Volk zerstreut, und es schnitt ab und machte aufhören alle seine Überlieferungen; da setzte die Hand der Apostel die Überlieferung fort.

Gepriesen sei der Herr ihrer Überlieferungen!

23. Derselbe, der den Bau der Arche anordnete, hat auch den Tempel des Volkes gebaut; derselbe, der eben dieses vorübergehen ließ, gründete die heilige Kirche; derselbe, der die Fortpflanzungen der Wesen und Geschöpfe geordnet hat, hat auch die Überlieferungen 15 der Propheten und Apostel geregelt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gepriesen sei, der den Anfang gab und das Ende!

1: Übersetzt von Zingerle im 2. Bande der 1. Auflage der Bibliothek der Kirchenväter, S. 260 – 268. Die Anfangsbuchstaben der ersten 5 Strophen ergeben das Akrostich Afräm.
2: Vgl. Matth. 23,8.
3: Vgl. ebd. 20,23.
4: 1 Kor. 1,12.
5: Joh. 1,27
6: Von hier liegt auch der Text der Londoner Hs wieder vor.
7: Die Londoner Hs hat statt „ausschweifend“ „verführt“.
8: Vgl. Exod. 17,34.
9: 1 Kor. 1,12.
10: Statt „die Berufenen" hat die vatikanische Hs „unsere Genossen“; doch paßt der erste Ausdruck [vgl. 1 Kor. 1,24] besser, da Ephräm von demselben Wortstamm „die Rufenden“ verwendet.
11: Gemeint sind die Kyniker.
12: eOdâ, die Nachteule.
13: Zu Qamsû vgl. das bei Hymnus 2 Gesagte [S. 13].
14: Vgl. Ps. 2,4.
15: Für „Fortpflanzungen“ und „Überlieferungen“ steht im Syrischen dasselbe Wort.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger