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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

22.1

Nach der Melodie: Ermordet wurden die Kinder 2.

1. Gleichwie der Körper des Alphabets vollkommen ist in seinen Gliedern und kein Buchstabe sich wegnehmen oder ein anderer hinzufügen läßt, ebenso ist auch die Wahrheit, welche im heiligen Evangelium mit den Buchstaben des Alphabets niedergeschrieben ist, ein vollkommenes Maß, das kein Mehr oder Weniger annimmt.

Kehrvers 3: Gepriesen sei dein Bild im Alphabet !

2. Weil Markion Betrug hinzufügte, verwarf und schloß ihn die Kirche aus. Weil Valentinos abwich, erregte auch der Qûqite 4 weitere Unruhen. Bardaisan schmückte seine falsche Lehre aus; Mani war in allen Dingen rasend, ein Bündel von Dornen und Unkraut! Möge der Gute in seiner Erbarmung sie vom Irrwege zu seiner Herde zurückführen 5!

Gepriesen sei, der auch für den Bösen besorgt ist!

3. Eine Herde stahl sich Valentinos von der Kirche und nannte sie nach seinem Namen; nach seinem eigenen Namen nannte sie der Qûqite. Es stahl sich eine der listige Bardaisan, und sie [diese Irrlehrer] machten gleichsam eine gemeinschaftliche Herde daraus. Markion sonderte seine Schafe ab, da fiel Mani darüber her und raubte von ihm; ein Toller biß den andern. Sie nannten ihre Herde nach ihrem eigenen Namen.

Gepriesen sei, der sie aus seinem Hause warf!

4. Da irrten ferner die Arianer und die Aëtianer, die sich auf Spitzfindigkeiten einließen, die Paulinianer, die ganz verkehrt handelten, die Sabellianer, die listig vorgingen, die Photinianer, die betrügerisch zu Werke gingen, die Borborianer 6, die sich beschmutzten, die Katharer 7, die sich für rein hielten, die Audianer, die gefallen sind, die Messalianer 8, die sich schamlos benahmen.

Möge der Gute sie und seine Hürde zurückführen!

5. Siehe, es ziehen sich ihre Hände von jedem zurück, es bleibt keine Handhabe, womit man anfassen könnte. Sie wiederum nennen uns Palutianer 9 , und das weisen wir zurück [speien wir aus] und verwerfen wir; Fluch über jenen, der nach dem Namen des Palût sich nennen läßt und nicht nach dem Namen Christi! Der Prüfungsofen des Fluches [Anathems] hat sie bloßgestellt, die [ihren Irrtum] nicht verfluchen wollen.

Gepriesen sei, durch dessen Anathem sie bloßgestellt wurden!

6. Auch Palût würde nicht wollen, daß nach seinem Namen Leute sich nennen; und wenn er noch lebte, würde er über alle Widerspenstigen deshalb den Fluch aussprechen, weil er ein Schüler des Apostels war, der mit Schmerz und Bitterkeit erfüllt war über die Korinther, weil sie den Namen Christi aufgegeben und sich nach den Namen von Menschen nannten 10.

Gepriesen sei, der die wahren [Christen] zu eigen hat!

7. Und die Schüler des Lehrers, der nichts Falsches und Häßliches zu der Lehre Christi hinzufügt, nennen sich Christen. Wenn er aber ein wenig Falsches hinzufügt, verliert er den Namen Christi, und nach seinem, eines Unkrauts, Namen werden seine Schüler benannt, denn Lüge und Wahrheit vertragen sich nicht.

Gepriesen sei, der uns in seiner Wahrheit befestigt hat!

8. Eben ist der Weg für die Einfältigen; dieser [Weg] ist der Glaube, der eine Reihe von Herbergen und Meilensteine errichtete, von einem Paradiese zum andern; denn durch Adam geschah die Vertreibung und durch den Räuber die Rückkehr. Aber Grübeleien, Abwegen gleich, brachten jene, die forschten, von der Ebene in eine unwegsame Gegend.

Gepriesen sei, der die Getreuen bewahrt!

9. Sehet, Brüder, wie das Bild des Königs auf jeder Münze aufgeprägt ist, und auch sein größter Feldherr darf keinen Obolus mit seinem Bilde prägen lassen. Und wenn er das Bild des Königs darauf prägt [als Falschmünzer], und zwar verstohlenerweise prägt, so wird er entweder verbrannt oder enthauptet. Wie vermessen ist also der, der sein eigenes Bild, anstatt das unseres Herrn aufprägt!

Gepriesen sei, der mit seinem Namen uns bezeichnete!

10. Gar verächtlich ist das Gold für unsern König, der auch auf Silber sein Bild nicht prägt; der Mensch ist es, der erhaben ist über alles, dem unser Erlöser seine Schönheit aufprägt. Wer an den Namen Gottes glaubt, der empfängt das Siegel Gottes; wenn er aber nach einem Menschen benannt wird, so hat er ein menschliches Siegel empfangen, das verächtlich ist gegenüber dem lebendigen Namen.

Gepriesen sei, der durch seinen Namen uns auserwählte!

11. Judas wurde, obwohl er ein Dieb war, doch Jünger genannt; und sogar, als er zum Anführer der „Linken“ wurde, nannte ihn unser Herr „Freund“ und zeigte so, daß er, wenn er auch ein sündiger Jünger war, doch solange er keine Spaltung verschuldete, noch Jünger war; wenn er aber eine eigene Partei aufstellt und Trennung verursacht, wird er ein Freund der Gegenpartei; und siehe, sein Vorbild wird durch „Iskariote“ ausgedrückt.

Lob sei dir von meiner Armseligkeit!

12. Es steht geschrieben: „Wer von den Königen auszieht, um Krieg zu führen mit einem anderen König, seinen Genossen…11” Genossen nennt er sie, nicht weil sie gleichen Sinnes sind, sondern weil sie gleich sind in dem Namen der königlichen Würde. Vor solchem [Verhältnis, gleichgenannt und doch Gegner zu sein], bebte der Eifrige [der Apostel Paulus] zurück und erlaubte den Korinthern nicht, nach dem Namen eines Menschen genannt zu werden.

Wehe ruft der König über die Abtrünnigen.

13. Die Lüge hat sich in die Wahrheit gehüllt, um mit geborgtem Namen zu täuschen; und wenn der Glaubensverleugner bekennt, so muß er als einer mit Schafskleidern Verhüllter betrachtet werden [?]. Judas verriet unsern Erlöser und nannte ihn dabei: „Rabbi“, er wurde aber durch seine Rotten bloßgestellt, wie auch Mani durch seine Handlungen, da er sich in seinen Jüngern einen Anhang geschaffen hatte 12!

14. Christus nannte er sich fälschlich, den Geist der Lüge hauchte er in seinen Propheten aus, und er brach seinen Leib für seine Jünger und verteilte die Erde unter seine Verkünder mit dem Namen „unser Herr“ gegen unsern Herrn, und indem er vorgab, dass er keinen Trug anwende, nannte er sich selbst offen vor vielen den Gesandten [Apostel], den Parakleten, der erst gestern aufstand.

Gepriesen sei, der ihn stellte und ihn dann fing!

15. Wir müssen jedoch wissen, daß dieses noch gering erschien für den, der sich erfrechte und sich nichts daraus machte, zur Lästerung seinen Mund zu öffnen und zur Lüge seine Zunge zu schärfen, daß auch die Seele, die in einem Hunde ist, von der Natur der Gottheit sei. So war es auch nicht schwer für ihn, wenn er sich selbst zum Gotte machte, daß er Gott [sogar] in einem Hunde wohnen ließ!

Gepriesen sei der Gerechte, der darüber nicht in Zorn entbrannte!

16. Alle Empörer [Irrlehrer] geben Zeugnis, daß ein Joch auf ihm lastet, und wenn ein Geist in ihnen weht, so ist es ein Irrtum, der aus ihnen spricht. Sie werfen in ihren Schriften Lehren hin, die verdammt sind, [die der Apostel schon im voraus aus der Kirche ausgeschlossen hat] 13. Wer wäre auch imstande, Brüder, ihren Unrat aus ihren Büchern auszuschöpfen?

Reinige du sie, Barmherziger!

17. Nun sollen sie über ihre [Lebens-] Zeiten befragt werden, welcher von ihnen älter ist als der andere. Wenn auch Mani die Erstgeburt an sich reißen möchte, so ist doch Bardaisan älter; und wenn Bardaisan der älteste sein will, so ist er doch noch jünger der Zeit nach als seine Vorgänger. Markion ist der erste Dorn, der Erstgeborene des Sündengestrüppes, des Unkrauts, das zuerst aufsproßte.

Der Gerechte möge seine Pflanzung zertreten!

18. Deutlich sollen sie [ferner] befragt werden, von wem sie die Handauflegung empfangen haben; wenn sie sie von uns empfangen haben und dann abgefallen sind, so genügt das für Beweisführung; wenn sie sich aber erfrechten, die Priesterwürde sich anzumaßen, so ist das hinreichend, sie zu überführen, da dies zu ihrer Beschämung gereicht, weil [auf diese Art] jeder ein Priester ist, wenn er selbst seine Hand auf sein Haupt legen will.

Eine Verwirrung, die die Hoffnung abschneidet!

19. Der Höchste ließ sich auf dem Sinai herab und legte Moses seine Hand auf, und Moses legte sie dem Aaron auf, und sie [die Handauflegung] wurde fortgepflanzt bis auf Johannes. Deswegen sagte unser Herr zu diesem: „Gerechtigkeit erfordert es, daß ich von dir getauft werde 14“; damit die Weihe [der „Ordo“] nicht untergehe, übergab sie unser Herr den Aposteln, und siehe, in unserer Kirche ist ihre Fortpflanzung.

Gepriesen sei, der uns die Weihe übergeben!

20. Die Stimme des Herrn schloß sie ein [machte die Ketzer zu Gefangenen]; siehe, aufgehoben wurden die Zelte der Aëtianer, der Arianer, Sabellianer, Katharer, Photinianer und Audianer, die zwar von unserer Kirche die Handauflegung empfangen, aber auch von sich aus Hand an den Glauben gelegt haben, der niedergeschrieben worden war in jener herrlichen Synode 15.

Gedacht werde des Königs, der sie [die Bischöfe] berief!

21. Oberhäupter wurden [aufgestellt] in den Kirchen [der Häretiker], Priester und Diakonen gibt es; andere sind Schriftgelehrte und Lektoren, und es gibt aus ihr auch solche, die dem „Bunde“ 16 angehören. Von der Kirche stahlen sie die verschiedenen Arten der Riten des Gottesdienstes, das Priesteramt zu verwalten, zu taufen, [das Brot] zu brechen und zu lehren, daß der Herr gekommen ist und wieder kommt.

Gepriesen sei, der alles in der Wahrheit eingeschlossen!

22. Sie stifteten Zwietracht und kamen auf Abwege, weil sie auch tödliches Gift in ihre Lehren mischten; auf Grübelei und eitles Forschen verlegten sich manche, manche mischten [falsche] Offenbarungen bei, wieder andere Apostelgeschichten; manche mischten Chaldäismus [Astrologie] bei, andere die Fremdheit 17. Mani aber erfrechte sich, alle Bosheit bis zum äußersten anzuziehen.

Gepriesen sei, der uns von diesen fernhielt!

23. Ferner gab es Leute, die sich erfrechten, zu behaupten, daß die Propheten nichts über unsern Herrn verkündet hätten; durch die [zweite] Ankunft, die bevorsteht, werden sie bezüglich jener, die bereits stattgefunden hat, überführt; die erste haben die Propheten verkündet, wie auch die Apostel jene zukünftige uns verkündet haben. Erkennen sie eine Ankunft durch die andere, die erste durch die zukünftige.

Gepriesen sei, der über beide Offenbarungen gegeben hat!

1: Der syrische Text ist [mit einigen Verbesserungen] nach der römischen Ausgabe in Verszeilen gesetzt, noch einmal, in der Chrestomathia syriaca, sive S. Ephraemi carmina selecta von A. Hahn und Fr. L. Sieffert, Leipzig 1825, S. 137 – 152 ediert worden.
2: Die Melodie ist der Anfang des 4. Hymnus de nativitate [Lamy II 471]; jede Strophe besteht aus 10 siebensilbigen Versen [vgl. Lamy IV S. 490 und Grimme S. 33].Zu beachten ist ferner, daß dieser Hymnus alphabetisch ist; nur Strophe 7 und 8 fallen aus diesem Schema heraus.
3: Jede Strophe hat einen besonderen Kehrvers.
4: Über die Qûqiten siehe die Notiz aus Jakob von Edessa zum 2. Hymnus [oben S. 13].
5: Das syrische Wort, das ich mit „zurückführen“ übersetze, ist nicht sicher lesbar.
6: Ein Zweig der Gnostiker wurde wegen ihrer Lehre von den Gegnern „Schmutzleute“ [βόρβορος Schlamm, Schmutz, Mist] genannt; daher der Beiname, den ihnen auch Ephräm gibt.
7: Das gleiche gilt für die Katharer, die „Reinen“.
8: Auch bei den Messalianern [Euchiten] bringt Ephräm ein Wortspiel an: Messalianer von salli beten, und zall, sich schmählich benehmen, ausgelassen sein.
9: Eine eigenmächtige Veränderung gegenüber dem deutlich lesbaren Text der Handschrift hat die römische Ausgabe hier und am Anfang der 6. Strophe vorgenommen, indem an Stelle von Palut das unverständliche Apollisten, Apollos, gesetzt wurde, obgleich dadurch sogar das Wortspiel mit pělat [sich entziehen, fliehen, entgehen] vernichtet wurde. – Die Stelle zitiert auch Jakob von Edessa in dem oben zu Hymnus 2 [S. 12] erwähnten Briefe: „ ‚Palût’, von dem der Lehrer [Ephräm] sagt, daß die Häretiker ,uns nach seinem Namen Palütianer nennen, aber solches fliehen wir [oder: speien wir aus, pělatn] und verwerfen wir’, war kein Häretiker und auch nicht das Haupt einer Häresie, sondern ein gläubiger und heiliger Mann und gehörte zu jenen, die in der Abfolge der Bischöfe Edessas auf dem Stuhle des Apostels Addai gezählt werden.“ Vgl. auch F. C. Burkitt, Urchristentum im Orient. Deutsch von E. Preuschen, Tübingen 1907, S. 17.
10: 1 Kor. 1,13.
11: Luk. 14,31; vgl. F. C. Burkitt, S. Ephraims Quotations the Gospel, Cambridge 1901, S. 45.
12: Strophe 13 und 14 ist in der römischen Hs zum Teil kaum lesbar; der Kehrvers der Strophe 13 ist nicht zu entziffern, der Text, den die römische Hs hierfür gibt, ist freie Ergänzung.
13: Der in Klammern stehende Text ist nach der römischen Ausgabe übersetzt, aber wohl kaum richtig, da die Handschrift hier unleserlich ist.
14: Matth. 3,15.
15: Gemeint ist das Konzil von Nizäa.
16: Anspielung auf die „Bundessöhne“.
17: Der „fremde Gott“ Markions.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger