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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

3. 1

Nach derselben Melodie.

1. Laßt uns nun die Ketzer überführen als Diebe! Der Schatz, den sie gestohlen, schreit gegen sie, denn er ist mit Sprache begabt. Namen haben sie gestohlen, mit denen sie etwas, was nicht ist, bekleideten. Mit dem Gottesnamen bekleidete man einst die Götzen, die man verehrte, und so wurden auch mit seinem Namen die „Wesen“, die nicht sind, geehrt und benannt.

Kehrvers: Gepriesen sei, durch dessen Bücher die Söhne des Irrtums überführt werden.

2. Denn nicht von [aus] „Wesen“ schuf das Wesen [Gott] das All, da es keine Wesenheit [Sein] gibt, die erst zum Gemachtwerden [Werden] gelangen müßte. Wesen ist auch der Name jenes Herrn der „Wesen“, und sein eigener Name kann niemals unter untergeordnete Wesen geteilt werden; sie [die Ketzer] haben nun seinen Namen getrennt und gespalten, unter fünf Kräfte geteilt, und haben [so]seine Wesenheit zerlegt.

3. „Es käme nämlich der Name „Wesen“ ihnen aus dem Grunde zu, weil in ihnen nichts alt oder jung ist, und darum in ihnen auch nichts stark oder schwach sei.“ Dieser gleiche Name macht sie also in allem gleich; sie sind demnach entweder alle gut oder alle gerecht 2, und sie können nicht Geschöpfe und Schöpfer [zugleich] sein.

4. Noch [später als] Markion definierte 3 Bardaisan, daß es zwei Götter nicht geben könnte, da nämlich jener Name selbst einzig Gott zukomme. Er irrte sich aber, so daß er durch seine eigene Waffe besiegt wurde; denn wenn es keine Götter gibt, muß er zugeben, daß es [auch] keine „Wesen“ gibt, da jener Name einzig der Wesenheit zukommt.

5. Wenn ein Gott gepredigt wird, müssen wir auch ein Wesen predigen; da Gott allein einzig ist, muß auch das Wesen eins sein, eins nach beiden Beziehungen, als Wesen und als Gott, und mit einem Namen wird er ganz erfaßt, denn er setzte keinen anderen Gott neben sich als Gott; töricht ist es, in der Wesenheit fünf [Kräfte-„Wesen“] neben ihn zu stellen.

6. Wegen der sechs Richtungen erdachte er [Bardaisan] sechs Wesen; vier „Wesen“ nahm er an gemäß den vier Himmelsrichtungen, eines verlegte er in die Tiefe und eines in die Höhe 4 Markion erdachte zwei Götter; „Wesen“ und Götter werden durch die eine Kraft [Gottes] überführt, daß sie seine Gottheit entfremdet und seine Wesenheit zerteilt haben.

7. In Bardaisan fraß weiter der Irrtum der Griechen, da er lehrte, daß von „Wesen“ alles geschaffen und geordnet sei. In Mani aber kam wieder zur Herrschaft die Lüge aus Indien, und zwar führte er einander entgegengesetzt zwei Kräfte ein. Markion nannte nun als Wurzeln [Prinzipien] drei. Sie vermehrten die Götter, um [schließlich] ohne Gott zu sein.

8. Es wurden die Söhne des Irrtums überführt, daß sie von dem Einen die Namen gestohlen haben und [damit] das, was nicht ist, bekleidet haben; denn, was er geschaffen, mischten sie unterschiedslos seinen Namen bei. Markion und Bardaisan legen Zeugnis ab, da sie, so sehr sie sich unterschieden, doch übereinstimmen in bezug auf seine Zeugung, indem sie bekennen, daß er Gott ist, und nicht leugnen, daß er Schöpfer ist.

9. Wer sollte jenem Sohn der Wahrheit nicht mehr glauben als dem des Unkrauts? Siehe, sie verkünden seine Geburt; es mögen sich die Leugner schämen, daß sie seine Zeugung geleugnet haben! Wer sollte nicht weinen und betrübt sein, wenn er die draußen sieht, die nicht glauben wollen, und wenn er die drinnen betrachtet, die nicht satt werden, sich unvernünftig zu benehmen!

10. Und auch der Jude forschte nicht nach geheimnisvollen Dingen, obgleich in seinen Büchern für ihn Stacheln verborgen liegen; eine Frage ist’s, ob er, wenn er seinem Reichtum mit seinem Rauch [?] eifrig nachgeht, an den Heiligen Geist ohne Streit [Widerspruch] glauben würde; wenn er gefragt wird, leugnet er und obgleich er besiegt ist, lästert er, denn ihre Krone ist der Tod und ihre Waffe schnitt die Hoffnung ab.

11. Als sie nun an den Sohn nicht glaubten, traten die Begrabenen aus ihren Gräbern auf und legten einen Beweis damals für ihn ab. Und wenn jetzt einer den Geist verleugnet, daß er nicht sei, so überzeugen ihn die Bücher, daß der Geist ist der Hauch des Mundes des Herrn, und der Geist bei ihm ist; und wenn es eine Zeit gegeben hätte, die ohne Geist war, würden sie es ohne Streit aufzeigen.

12. Und anstatt dessen, daß es [ihnen] angemessen erschien, daß er durch seinen Sohn schuf, suchten sie zu zeigen, daß, als er schuf, jener [der Geist] mit ihm schuf 5, der mit ihm ordnete den Himmel und die Geschöpfe, so daß sie töricht den Sohn verleugnen und ihn auf ein anderes Werk beschränken und sich rühmen, daß er [der Geist] ihm Helfer war; und indem sie die Wahrheit fortwerfen, fanden sie Beschämung.

13. Ich lernte und glaubte an dich, daß du eins bist in deiner Wesenheit, ich hörte und bekannte dich, daß du der Vater bist mit deinem Eingeborenen, ich wurde zum drittenmal untergetaucht [getauft] auf den Namen des Heiligen Geistes; ich lernte alle diese Wahrheiten, daß, obgleich dein Reichtum ausgestreut ist, dein Schatz doch nicht erfaßt werden kann. Dir gebühren Lobgesänge von jedem, der als Mensch sich fühlt.

1: Der 3. Hymnus ist in der Vatikanischen Hs derartig schlecht erhalten, daß die Bearbeiter der römischen Ausgabe zum großen Teil den Text frei geschaffen haben, was schon der äußere unregelmäßige Bau der Strophen zeigt. Das ist um so mehr bedauerlich, als dieser Hymnus vielfach für die Rekonstruktion des Bardesanischen Systems zugrunde gelegt wurde, zuletzt noch von L. Mariès, Le De Deo d’Eznik de Kolb [Revue des Études Arméniennes 4 [1924], 182 ff. [bzw. 70 ff. der Separatausgabe]]. – Ich übersetze hier und im folgenden das syrische Itja mit Wesen [ohne „“] und wenn es [in der Mehrzahl] die Itje der Bardesanischen Lehre wiedergeben soll, mit „Wesen“; einem syrischen Itûtâ entspricht Wesenheit.
2: Ephräm spielt hier schon auf den Gegensatz zwischen dem guten und dem gerechten Gotte Markions an, den er später ausführlich widerlegt.
3: Mit „definierte“ übersetze ich den syrischen Doppelausdruck: asar wašĕrā [wörtlich: „er band und er löste“].
4: Zum Verständnis dieser Stelle möge der Abschnitt aus dem Hexaemeron des Moses bar Kepha [† 903] angeführt werden, den F. Nau aus der Hs Paris, Bibl. Nat. 241 in der Patrologia Syriaca I, 2 p. 513 s. [engl. Übersetzung s. F. C. Burkitt, The Religion of the Manichees, Cambridge 1925 S. 76 f.] mit lateinischer Übersetzung abgedruckt hat: „Bardaisan hat folgende Ansicht über diese Welt und sagt, daß sie von [aus] fünf „Wesen“ geworden und aufgestellt ist, das sind: Feuer, Wind, Wasser, Licht und Finsternis, und jedes von ihnen steht an seinem Orte, das Licht im Osten, der Wind im Westen, das Feuer im Süden, das Wasser im Norden; ihr Herr steht in der Höhe, ihr Gegensatz, die Finsternis nämlich, in der Tiefe. Zu irgendeiner Zeit seien sie, entweder durch einen Körper oder aus Zufall, untereinander, einer gegen den anderen aufgeregt worden. Auch die Finsternis habe sich aus der Tiefe erhoben, um aufzusteigen und sich mit ihnen zu vermischen. Da hätten jene reinen „Wesen“ begonnen, aufzubegehren und vor der Finsternis zu fliehen, und sie hätten Zuflucht gesucht bei der Barmherzigkeit des Höchsten, er möge sie retten vor der abscheulichen Farbe, d. h. der Finsternis, die sich mit ihnen vermische. Da sei nun infolge des Lärmes der Erschütterung das Wort der Vernunft des Höchsten, welches ist der Messias, herabgestiegen und habe die Finsternis inmitten der reinen „Wesen“ entzweigeschnitten, und sie sei verjagt worden und in das Unterste ihrer Natur gefallen, und er habe ein jedes der Wesen in seine Reihe [Ordnung] gestellt nach dem Symbol des Kreuzes. Und aus der Vermischung, die sich zwischen jenen „Wesen“ aus der Finsternis, ihrem Gegensatz, vollzogen hatte, habe er diese Welt geschaffen und sie in die Mitte gestellt, damit keine Vermischung mehr stattfinde zwischen ihnen und dem, was endgültig gemischt sei, da es gereinigt und geläutert werde durch die Zeugung und Geburt bis es vollendet sei.“ S. auch O. Braun, Moses bar Kepha und sein Buch von der Seele. Freiburg 1891, 136. Das System des Bardaisan ließe sich also folgendermaßen graphisch darstellen:


5: Nach Bardaisan hat der Geist [rûhâ ist im Syrischen Femininum] bei der Schaffung und Ordnung der Welt mitgeholfen; daraus konnte ein gewisser Dualismus abgeleitet werden. Das Wort Hakmut, das die römische Ausgabe eingeführt hat, und das viel behandelt wurde, weil man es der Achamot der Valentinianischen Gnosis gleichstellte, steht nicht in den Hss; das Wort ist darum völlig zu streichen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger