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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

19.

Nach derselben Melodie.

1. Den Leib nennen die Irrlehrer verächtlichen Schmutz; der schmutzige Leib, siehe, selbst beweist er, wie rein er ist. Er ward ja zum guten Werkzeug für die Guten, und mit ihm wirkten sie alles Gute in der Welt. Siehe, wie rein der trübe Leib ist, und wie trübe [anderseits] der Satan, der doch ein Geist ist! Schmutzig sind die Teufel und Dämonen; die Apostel aber sind rein. Elias und der Satan – der mit Fleisch bekleidete, wie flog er, und der geistige, wie tief sank er!

2. Rein sind die Kälber und Schafe und die Hirsche in ihrer Art; der Tauben und Fische Natur ist schön und rein; des Obstes und der Früchte Geschmack ist rein und lieblich. Siehe, jeder Körper ist rein, häßlich sind die Teufel und Dämonen und ihr Fürst und die sogenannten Wächter der Unterwelt und die Engel, die herabstiegen und sich vermählten, wie sie wähnen. Siehe, wie rein sind die Körperlichen und wie häßlich die Geistigen und wie irrig ihre Lehren!

3. Warum also fliehen sie den Leib und verachten sie ihn? Denn siehe, wie häßlich ist der Böse, obwohl er ein Geist ist! Eins von beiden müssen sie tun; entweder alles Fleisch verachten und jede Art von Geisterwesen gern haben oder die körperlichen Wesen lieben und die Geisterwesen verachten, oder es gewinne jener [Gedanke] die Oberhand, der mit jeder [wahren] Lehre übereinstimmt, daß nämlich von den Körper- und Geisterwesen jenes befleckt ist, das mit freiem Willen gesündigt hat.

4. „Henoch und Elias sollen ihre Leiber ausgezogen und abgelegt haben; da sie nämlich in die Luft flogen, sei ihre Natur geläutert worden.“ Und auch über die Engel sprachen sie die Lästerung aus, „daß sie mit ihrem Leibe gesündigt hätten“. O über das törichte Gerede! Sie gaben den überirdischen Engeln einen Leib und nehmen den Leib dem Henoch und Elias. Sie entkleideten und bekleideten die Körper- und Geisterwesen, verwechselten aber in verkehrter Weise ihre Naturen. Was da ist, nahmen sie weg, und was nicht ist, behaupteten sie fälschlich.

5. Welch verkehrte Dinge vermögen sie doch vorzubringen! Wenn die Natur aller Dinge eine ist, wo ist dann aber die Übereinstimmung ihrer aller? Und wenn die Engel gezeugt haben, dann müßte es doch für die Dämonen jederzeit leicht sein, mit Weibern zu huren und zu zeugen. Beobachte aber, ob Dämonen und Weiber miteinander zeugen! Es widerlegen dies die Jungfrauen, die niemals ohne Mann Mütter geworden sind.

6. Maria allein ward ohne Mann Mutter, denn für Gott ist alles leicht möglich. Und wenn die Engel zeugten, so wäre es nichts Wunderbares mehr um die Jungfrau, die unsern Erlöser geboren hat. Satan wäre freilich zufrieden, wenn Jungfrauen von Dämonen schwanger werden und gebären könnten, um durch eine Jungfrau die Jungfrau Maria nachzuahmen. Sein Trug macht alles nach; durch die Jungfrau allein ward er besiegt, da er sie nicht nachahmen konnte.

7. „Götter“ nannte er die Abbilder, durch deren Trug er täuschte, und „Christusse“ die Verführer, durch deren Ruf er Verwirrung stiftete, und ,.Baalspropheten“, durch deren Stimme er Irrtum ausstreute; an Stelle der Priester [setzte er] Pfaffen, und seine Apostel machte er den Aposteln ähnlich, und unter den Abtrünnigen baute er etwas Altarähnliches auf; siehe, auf den Vater, den Sohn und den Geist taufen sie, um ähnlich zu sein. Durch die Jungfrau aber wird sein Trug überwunden, denn er konnte die jungfräulich Gebärende nicht nachahmen 1.

8. Fern sei es also, daß die Überirdischen, die Söhne der Höhe, Laster begehen! Nicht weil sie etwa konnten, sie wollten vielmehr nicht, weil ihr Wille heilig und ihre Natur rein und gut ist. Auch nicht, weil sie Geisterwesen sind, denn ein Geist war Satan auch, und er wurde doch unrein, und die Dämonen und die Menschen reizen [Gott] zum Zorne. An diesen Drei hat er [Gott] seine Güte und seine Gerechtigkeit gezeigt: er läuterte die Oberen, er richtete die Mittleren und bestrafte die Unteren.

9. Für das Volk [der Juden] schmückten sich die Töchter Madians 2 und machten es rasend [vor Sinnenlust], den Engeln aber erschienen sie trotz ihres Schmuckes wie Leichname; die Frauen Salomons waren ausschweifend und reizten ihn zur Lust, den Wächtern [Engeln] kamen sie abscheulich vor. Einzigartig war das Lamm des Urias 3; die Oberirdischen [Engel] ließen es unbeachtet und verblieben in ihrer Reinheit. In den Tagen einer Esther 4 gab es erlesene Frauen, aber sie [die Engel] verachteten sie. Wenn die Engel [damals] gesündigt hätten, würden sie in jedem Zeitalter sündigen; daß sie nicht gesündigt haben, ist offenkundig.

10. Der Sterbliche zeugt, um sein Geschlecht fortzupflanzen, damit es nicht untergehe. Wenn aber ein Engel sinnliche Begierden gehabt hätte, so hätte ihn der Schöpfer zur Sünde verführt, denn ohne Zweifel hätte er ihm die Regung der Lust eingepflanzt. – Fern sei es [anzunehmen], daß der Schöpfer des Alls für alle Bebauer Ackerfelder geschaffen habe; für die Bebauer in der Höhe aber habe er [in diesem Falle] keine geschaffen 5. Und wie hätte er sie dann beschuldigen können, daß sie herabgestiegen seien und Samen auf unsere Erde gesät hätten? Siehe, ihre Natur ist rein, ihre Zahl vollkommen und ihre Heiligkeit hellstrahlend.

1: Die 7. Strophe der römischen Ausgabe ist von dem Herausgeber ganz verändert.
2: Num. 25,1; 6.
3: Bethsabe, wegen ihrer Schönheit, die sogar den König David anlockte; 2 Kön. 11,2.
4: Esth. 2,2; der Text der 9. und 10. Strophe ist wiederum wegen der schlechten Erhaltung der Handschrift von dem Herausgeber der römischen Ausgabe frei gestaltet worden.
5: Die geschlechtliche Verbindung zwischen Mann und Frau wird hier unter dem Bilde von Bebauer [Ackersmann] und Acker [Feld] gezeichnet. Wenn Gott den Engeln geschlechtliche Begierden wie den Menschen eingepflanzt, ihnen aber kein weibliches Gegenstück gegeben hätte, so daß sie – wie die Gegner behaupten – zu den Menschentöchtern herabsteigen mußten, dann wäre Gott selbst der Verführer gewesen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger