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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

18.

Nach derselben Melodie.

1. Wenn die Natur des Leibes und der Finsternis verabscheuenswert ist, wer kann da in der Nacht gerechtfertigt dastehen, wo das Fleisch und die Finsternis und der Satan, ihr Verwandter, zu drei, alles beherrschen? Wenn dann noch hinzukommt Wein und Begierde, wer kann dann [noch] die Natur des [Ur-] Wesens überwinden? Ein Wunder ist der Wille, der allein alle besiegt. Der Ansturm der Freiheit überwindet den Satan, den sie [die Manichäer] zum [Ur-] Wesen gemacht haben.

2. Damit sie aber vollständig widerlegt werden [führe ich folgendes an]: Wie schwach ist die Stimme des Gebetes von Kranken, und doch trifft sie ihn und vertreibt ihn; und die darniederliegen, werfen ihn, wenn sie beten, zu Boden mit ihrer Stimme. Siehe, die Darniederliegenden werfen ihn hin, die Lahmen kommen ihm im Lauf zuvor durch ihr Fasten, die Blinden singen Psalmen und Loblieder und blenden ihn, die Einarmigen werfen Pfeile des Gebets, und er wird ins Auge getroffen, die Kranken überwinden ihn, die Lahmen machen ihn müde, und die Darniederliegenden werfen ihn zu Boden.

3. Das Gift der Schlange tötet mit [Natur-] Notwendigkeit, und auch die Farbe der Nacht kommt notwendig [mit dem Umlauf der Himmelskugel]. Auch die Natur des Fiebers und des Schlafes ist Sache der Notwendigkeit, die Sünde aber die des Willens. Wenn sie [der Leib und das Böse] einer Natur wären 1, siehe, dann widerlegt sie sich selbst, daß sie nämlich nicht dieselbe ist. Der Leib schilt den bösen Geist und schnaubt wütend gegen seinen [angeblichen] Verwandten, die Seele aber liebt er; wie kommt es, daß er die [angeblich] fremde [Seele] liebt, seinen Verwandten aber haßt?

4. Vom Schöpfer [Gott] haben sie die Ursache abgeleitet: er könne in seiner Weisheit das Böse schön [gut] machen, wie z. B. die Nacht, die mit ihm [dem Bösen] verwandt sein soll, die schön ist und still, in der die Wachenden Siege erringen. Wenn nun ihre [des Bösen und der Nacht] Wurzel eine wäre, dann müßte der Schöpfer ihre Natur verändert haben, da uns ja die Nacht erquickt, der Satan uns aber bedrückt. Wenn aber dieses [diese spätere Veränderung] nicht vom Schöpfer stammt, dann hat also [von vornherein] die Nacht mit Satan nichts gemein.

5. Die Erde und den Leib, das Böse und die Nacht, wer kann sie vermengen und bei ihren Verschiedenheiten ihre Natur mit gleicher Wage wägen? Siehe, es riefen trotz ihres Schweigens die Erde mit all ihren Früchten, der Leib mit seinen herrlichen Sinnen und der Böse mit allen seinen mannigfaltigen Ränken, die Nacht mit ihren geordneten Momenten und Zeiten – [daß sie nicht gleicher Natur sind]. Hassenswert ist der vierte [der Satan], verflucht durch seinen eigenen Willen und zum Abscheu geworden durch seine Freiheit.

6. Die Finsternis soll uns ein Bild von Kain darstellen; betrachten wir es! Die Finsternis verbirgt bei den Werken ihre Schönheit [sie macht die Schönheit der Werke unkenntlich], Kain machte die Gerechten zum Vorwand ihrer Ermordung 2. Siehe, beide stellten wechselseitig ein Bild voneinander dar. Der Schoß der Nacht ist ein Schlupfwinkel und Versteck für Diebe; Tücken und Ränke sind verborgen im Herzen des Mörders. Kain [tat es] aus freiem Willen, die Nacht aber [handelt] gemäß ihrer Natur. Siehe, die Nacht täuscht durch ihre Farbe die Sehenden, Kain durch seine Zunge.

7. Das Licht soll uns ein Bild von Abel sein; betrachten wir es! Das Licht gibt den geschaffenen Dingen ihren Schmuck, und Abel verlieh den Opfern ihre Wohlgefälligkeit; eins strahlt das andere zurück 3. Nichts ist im Lichte, was nicht offenbar wäre, und nichts war an Abel, was nicht strahlte; und freundlich leuchtete dieses Licht auch den Hassern entgegen. Abel war heiter wie das Licht, der Mörder düster wie die Finsternis.

8. Warum ward die Finsternis zuerst geschaffen und warum erhielt sie den Vorrang und die Erstgeburt? Damit Kain mit seiner Erstgeburt vorgebildet werde. Und dann wurde das Licht geschaffen wie auch Abel; und das Licht, das später geschaffen war, war schön wie auch Abel, der nach ihm [Kain] geboren wurde. Kain und die Finsternis waren Erstgeborene und gingen voraus; Abel und die Leuchten kamen später und sollten ein Vorbild sein für die Welt und unsern Erlöser.

9. Die Zauberer, Magier und Beschwörer, die verflucht seien, machen die Geister und Schlangen sich durch ihre Beschwörungen Untertan. Der Böse ersann eine Waffe, die gegen ihn selbst [gerichtet] ist, damit er besiegt werde. Er stellte sich selbst bloß, da seine Ränke gegen ihn gerichtet sind, und er sah es nicht ein; zur Fesselung gab er seine Hände hin, und er wurde überführt; und als er uns fangen wollte, vermochte er es nicht, da wir ihn durchschauten, daß er ein [ewiges] Wesen nicht ist, denn siehe, sogar seine Anhänger unterwerfen ihn sich durch ihre Zaubereien.

10. Unterricht richtet den Löwen ab und lehrt ihn, und er fügt keinen Schaden mehr zu; Geschicklichkeit bändigt die Schlange, und sie tötet nicht; auch Adler und Habicht lassen sich abrichten und empören sich nicht. Jener Gute [Gott], von dem [die Ketzer] sprechen, ist nicht einmal den Sterblichen gleichwertig, da er den Bösen nicht lehrte und abrichtete. Oder sollte jener gut sein, der zusieht, wie der Böse wütet, und doch bei all seinen Weisheits- und Klugheitsmitteln ihn nicht abrichtet, daß er nicht mehr schadet?

11. Der Löwe und der Habicht und die Schlange, die [sonst] verachtet sind, sind zu [Prüfungs-] Öfen geworden für den Trug der Ungläubigen [Ketzer] und widerlegen ihn. Sagen sie, daß ihr [dieser Tiere] Geschlecht vom Bösen sei, wie kann Löwe und Habicht und Schlange abgerichtet werden und nicht mehr schaden? Die Wurzel, aus der sie sind, ist ja bitter [giftig], und Satan läßt niemals sich abrichten, nicht zu schaden. – Betet, o Söhne der Wahrheit, für jene, die den Irrtum verkünden, die bislang irren und irre führen!

1: Wie die Manichäer sagen.
2: Diese Parallele ist im Syrischen deutlicher, da dort „verbergen“ und „zum Vorwand nehmen“ synonym sind. Die Gerechtigkeit Abels war für Kain die Veranlassung, der Vorwand, ihn zu ermorden.
3: Die erste Hälfte der Strophe ist in der römischen Ausgabe völlig frei ergänzt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger