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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

14.1.

Nach der Melodie 2: Seine Herde hat Bardaisan.

1. Wenn harte Stoffe zu bearbeiten sind, gelangen auch harte Werkzeuge zur Verwendung; durch hartes Eisen und mächtiges Feuer und gewaltigen Wind und durch Geschicklichkeit und Kraft werden sie bewältigt und kommen in den Ofen zur Herrichtung, damit sie [dann] dem Gebrauche dienen 3.

2. Widerspenstige [Tiere], die sich durch sanfte Behandlung nicht zum Gehen bringen lassen, bringt man durch Zaum und Joch dazu, daß ihre Widersetzlichkeit zur richtigen Einordnung gelangt. Widerstreben sie noch, führt es zur Züchtigung, lassen sie sich lenken, führt es zu milder Behandlung. Wenn sie sich aber hartnäckig widersetzen, so wird ihr Treiber der Stock; sind sie gehorsam, dann ist Liebe ihre Führerin.

3. Zu ihrer Unterwerfung dient das Joch, zu ihrer Züchtigung der Stock. Für ihre Störrigkeit verdienen sie Leiden 4, zu ihrer Abrichtung ist Kraft notwendig; zu ihrer Erziehung bedarf es des Rates, sie zur Besserung zu führen der Weisheit, zu ihrer Einigung der Liebe, zu ihrer Prüfung des Eifers. Ihrer Eintracht folgt der Friede, ihrer Unterwerfung ein Schatz, ihrer Einsicht Ruhm.

4. Es gibt aber auch Störrige, Verwandte jenes Pharao, der, wenn er geschlagen wurde, sich bekehrte und Buße tat, wenn er aber wieder frei wurde, wieder vergaß und frevelte, ein Bild der Verkehrten; wenn solche nämlich geehrt werden, fällt es ihnen ein, sich verächtlich zu benehmen, durch Schmeichelei werden sie verdorben 5, und nur durch Strenge können sie in Schranken gehalten werden.

5. Wenn du dich demütig beträgst, verachten sie dich ohne zu unterscheiden, trittst du mit Macht auf, hassen sie dich ohne einzusehen; bist du entgegenkommend, so fallen sie über dich her, und du wirst unterdrückt; bist du aber scharf, so meiden sie dich, und du wirst beschimpft; wenn beide Eigenschaften in dir gemischt sind, so halten sie dich für falsch, schmeichlerisch und hinterlistig.

6. Wenn sie krankwerden, lassen sie dich holen; werden sie vernachlässigt, so richten sie dich; besucht man sie, so zollen sie dir keinen Dank; wenn sie wieder gesund geworden sind, wollen sie nichts mehr von dir wissen; wenn sie sich zum Mahle niedergelassen haben, stoßen sie dich nieder; werden sie zur Rechenschaft gezogen, so verfluchen sie dich; behandelt man sie gnädig, so treten sie dich mit Füßen. Weder Güte noch Gerechtigkeit kann es ihnen jemals recht machen, weil sie in allem schlechter sind als alles. —

7. Seht nun, wie alle Söhne des Irrtums einig sind! Von den Griechen haben sie den einen hässlichen Namen der abscheulichen Hyle erworben; denn weder Moses hat im Pentateuch 6 über sie geschrieben, noch haben die Propheten Andeutungen über sie gemacht, und auch die Apostel haben ihrer nicht Erwähnung getan; ein ewiges Wesen verkünden alle Söhne der Wahrheit.

8. Und sehet, wie die Söhne des Trugs sich miteinander verbanden und schrieben von ihr, daß sie ein [ewiges] Wesen [Itûta] sei. Markion stellte sie nämlich in seinen Schriften dem Schöpfer gegenüber ; über sie schrieb auch Bardaisan in der Geschichte vom Schöpfer; Mani aber aus Babel hat sinnlos über sie geschrieben, daß sie gefesselt sei: Dornen mit Unkraut zusammen 7.

9. Denn es war nicht Sache des unverschämten Markion, zu schreiben, daß der Schöpfer durch [von] jene Hyle alles schuf und einrichtete, das wäre vielmehr Sache des Moses gewesen, mit Hilfe des Heiligen Geistes [darüber] zu schreiben, da der Gerechte es nicht ablehnte, durch den Mund seiner Herolde die Wahrheit seinen Hörern zu erzählen.

10. Moses, der Auserwählte, schwieg [von der Hyle], um die Verworfenen zu beschämen, die die „Hyle“ ausriefen, wie die Kreuziger, die einstimmig zusammen Barabbas riefen; denn sie sahen, daß er ein Räuberhauptmann war, und sie machten ihn [darum] zu ihrem Oberhaupte, damit sie imstande wären, mit Hilfe eines Gewalttätigen den Helden zu töten, der seine Kraft in ihre Hände gegeben hatte.

11. Markion versammelte seine Wölfe und sein Genosse seine Füchse, Mani seine Katzen [Wiesel], um den zu bekämpfen, der durch Davids Hand die Löwen und Wölfe 8 niederschmetterte und durch Samsons Hand die Füchse zusammenband 9, ein Vorbild ihrer Genossen, die die Wahrheit durch ihre [der Ketzer] eigenen Worte fesselt.

12. Es ward ihnen der Irrtum zum Schlachthorn für die Irrenden; durch Kriegstrompeten brachten die Beschnittenen alle zum Aufruhr und riefen Grübelei und Streit hervor. Der Dorn rief den Stachel zu Hilfe, der Stachel das Unkraut und das Gestrüpp die Spreu. Sie brachten sich selbst so weit und zogen aus, sich mit jenem Feuer des Herrn des Weltalls in Kampf einzulassen.

13. Dann verschworen sich miteinander die erbarmungslosen Schlangen und die tauben Ottern 10 und die Kriechtiere und wagten es, in den Stein zu beißen, der das Standbild zermalmte, welches der König in Babel aufgestellt hatte 11, mit dem Kopfe eines Drachen, den Füßen eines Basilisken und dem Bauche einer Otter.

14. Es kamen zusammen und verbanden sich Würmer und Raupen und die häßliche Motte, um loszugehen und auf die Ferse des Helden zu treten; diese Ferse aber ist vom königlichen Geschlecht des Hauses David, die ins Meer hinabstieg und auf ihm wandelte, und den Leviathan zermalmte und siegreich heraufstieg.

15. Der Geier [?] schlug mit den Flügeln, schwang sich empor und vereinigte sich mit den Raben den Söhnen der Finsternis; der Habicht rief die Nachteule herbei, und es verhandelt der Reiher [?] mit ihm, um mit jenem himmlichen Adler 12 zu streiten, dessen donnerndes Flügelrauschen den Satan vertrieb und das Paradies öffnete und den Räuber [den guten Schächer] hineinführte.

1: Dieser Hymnus ist übersetzt von Zingerle im 2. Ephräm-Band der 1. Auflage der Bibliothek der Kirchenväter S. 245 bis 249; ferner von H. Burgess, Select metrical Hymns and Homilies of Ephraem Syrus, London 1853, S. 142 – 151.
2: Die angegebene Melodie ist der Anfang des 56. Hymnus gegen die Häretiker [s. u.]; das Metrum setzt sich aus 11 fünfsilbigen Versen zusammen.
3: Einen Kehrvers geben hier die Handschriften nicht an.
4: Der Dichter geht allmählich von dem Bild der Abrichtung der Tiere zur Erziehung der Menschen über.
5: Die Londoner Hs hat hier statt mestarhin: meštarhin: „sie werden übermütig“, ausgelassen.
6: Die Londoner Hs hat für „Pentateuch [’Oraitâ]“ „Wesenheit [Itûtâ]“.
7: Die römische Ausgabe hat wegen der schlechten Erhaltung der Handschrift an dieser Stelle den Schlußvers der 8. Strophe und die 9. Strophe weggelassen
8: Vgl. 1 Kön. 17, 34-36.
9: Vgl. Richt. 15,4.
10: Vgl. Ps. 57,5.
11: Vgl. Dan. 2, 31-34.
12: Die Londoner Hs hat: „Cherub“ statt „Adler“.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger