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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

12.

Nach der Melodie:
Die ganze Schöpfung sündigte vor dir 1.

1. Es lehrte der Gerechte den Söhnen des Irrtums die offenkundige Wahrheit durch Joseph; weil sie aber im Irrtum fortfuhren 2, schrieb Moses sie [die Wahrheit] ihnen zur Erinnerung auf ihre Leiber. Mit unsichtbarem Finger, durch Blattern 3 und nicht mit Tinte, zeichnete er sie ihnen auf.

Kehrvers: Lob sei dir, Herr, der du deine Anbeter vermehrt hast; sie glänzen auf Erden durch ihre Tugenden!

2. Beschämt wurden die Zauberer, deren Zaubersprüche sie selbst nicht retten konnten; denn es verbreitete eine unsichtbare Macht über sie die sichtbare Pest vor jenem Stammler 4, an dem, obwohl er bei der Tochter der Wahrsagereien aufgezogen worden war, der Schmutz ihrer Wahrsagereien doch nicht kleben geblieben war.

3. Der Glaube war mit ihm aufgewachsen und mit ihm zu jeder Altersstufe emporgestiegen, wie er [Gott] auch an jener Jugend bewirkte, daß ihre Kleider nicht veralteten 5; er ließ ihre Kleider mit ihren Körpern wachsen, so daß den Staturen auch die Bekleidung entsprach.

4. Weil er vor Pharaos Tochter sich nicht scheute, es abzulehnen, aus Gefälligkeit gegen sie sich mit ihr dem Irrtum hinzugeben, und da er sein Angesicht nicht mit Menschenfurcht [Heuchelei] geschminkt hatte, machte Gott sein Angesicht glänzend; und weil er ihrer Götter gespottet hatte, machte er ihn zum Gott 6 und sandte ihn gegen sie.

5. Er [Moses] hat uns ein Zeichen [Vorbild] gegeben, daß der Geist eines jeden, der sich vor einem Großen oder Reichen nicht scheut, sich zu weigern, aus Gefälligkeit gegen ihn mit ihm zu sündigen und seinem Glauben Schaden zuzufügen, der [vielmehr] auf Gott sieht, auf verborgene Weise 7 erglänzt.

6. Auch der Große und Reiche bewundert ihn, obgleich er ihn haßt; äußerlich haßt er ihn, innerlich bewundert er ihn, weil rein ist die Farbe seines Glaubens, da er seine offene Farbe nicht in die Heuchelei, die Schande [Errötung] des Angesichts, getaucht hat.

7. Der Gerechte lehrte die Wahrheit in Babel; und weil sie diese vergaßen, brach die Flamme aus dem Ofen hervor 8 und erinnerte sie daran; und weil sie im Irrtum fortfuhren, stieg eine Handfläche herab und schrieb eine Schrift der Erinnerung im Palast des Irrtums nieder 9.

8. Nuns Sohn hielt Sonne und Mond auf 10, und sie [die Kanaaniter] sahen die Schwäche ihrer Götter; ein einzelner Mensch hemmte sie durch seinen Glauben und hielt gewaltsam sogar ihren Lauf auf ihren Bahnen auf, und sie vermochten seine Schranke nicht zu überschreiten.

9. Beschämt wurden die Chaldäer, weil ein Mensch, der nach ihrer Meinung unter dem Fatum steht, die Himmelssphären hemmte und die Sieben [Planeten] und die Zwölf [Zeichen des Tierkreises] aufhielt. Die Schrift zeigte [so], daß nicht das Fatum über uns herrscht, sondern, daß wir die Herrscher über das All sind.

10. Den ganzen Tag blieben die Leuchten stehen, da der Gerechte seinen Sieg überzeugend nachwies, indem er nicht wie in einem Traume oder einem Truggebilde die Macht zeigte, damit er den Toren die Einsicht verdoppele und unter den Irrenden die Wahrheit zwiefach erglänze an der Sonne.

11. Weil die Toren, die Söhne der Finsternis, glaubten, es sei nur ein Zufall oder von ungefähr, so hat er, da die Finsternis ihres Verstandes eine doppelte war, auch das Licht verdoppelt, um sie zu überzeugen. Die Sonne ging nämlich um zehn Grad zurück 11, um zehnmal den Irrtum zu widerlegen.

1: Diese Melodie hat 12 Verszeilen zu je 4 Versen; vgl. Lamy IV, S. 492, und Grimme S. 22 f.; die von letzterem angemerkten Unregelmäßigkeiten sind nur in der römischen Ausgabe vorhanden, die in einzelnen Strophen bisweilen 1 – 3 Verse hinzufügt.
2: Wortspiel: Jausep[h] [Joseph] und ausep[h]u, sie fuhren fort.
3: Vgl. Exod. 9,9.
4: Vgl. ebd. 4,10.
5: Vgl. Deut. 8,4 u. 29,5.
6: Vgl. Exod. 7,1.
7: Die 5. Strophe ist in der römischen Hs fast ganz unleserlich; der gedruckte Text ist freie Ergänzung der Herausgeber.
8: Vgl. Dan. 3,47.
9: Vgl. ebd. 5, 5
10: Vgl. Jos. 10,13.
11: Vgl. Is. 38,8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger