Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Sechstes Buch
IX. Kapitel

78.

1. Wer aber fähig ist, der Gottheit durch die wahrhaftige Gerechtigkeit, nämlich durch Werke und Erkenntnis, Ehre zu erweisen, dessen Stimme wartet der Herr beim Gebet gar nicht erst ab, da er ja sagt: "Bitte, und ich werde es tun; denke, und ich werde es geben."1

2. Denn überhaupt kann das Unveränderliche im Veränderlichen keinen festen Stand und Halt gewinnen; und wenn die Veränderung immer anhält und wenn deshalb der beherrschende Seelenteil unbeständig geworden ist, bleibt die Fähigkeit, eine Eigenschaft dauernd zu behalten, nicht [S. 290] bestehen.

3. Denn was durch das von außen Eindringende und Begegnende immer verändert wird, wie könnte das je zu einem Dauerzustand oder einer Beschaffenheit und überhaupt zu dem Festhalten eines Wissens werden? Freilich nennen auch die Philosophen die Tugenden Zustände, Arten des Verhaltens und Formen des Wissens.2

4. Wie aber die Erkenntnis den Menschen nicht angeboren ist, sondern von ihnen nachträglich erworben wird, und ihre Erlernung am Anfang Aufmerksamkeit und Pflege und Wachstumsförderung nötig hat und erst darnach infolge der unablässigen Übung zu einem Zustand wird, so bleibt sie, wenn sie in diesem geheimnisvollen Zustand zur Vollendung gekommen ist, wegen der Liebe unwandelbar.

5. Denn der Gnostiker hat nicht nur die erste Grundursache und die durch sie geborene Ursache erfaßt und bleibt dabei unerschütterlich stehen, da er beständig beständige und unveränderliche und unbewegliche Grundsätze besitzt; sondern auch über Gutes und über Böses und über die ganze Schöpfung und überhaupt über alles, wovon der Herr gesprochen hat, besitzt er selbst die genaueste, von der Erschaffung der Welt bis zu ihrem Ende alles umfassende Wahrheit, die er von der Wahrheit selbst erlernt hat. Er wird auch nie, wenn je etwas als glaubhaft oder, um einen griechischen Ausdruck zu benützen, zwingend erscheint, dies der Wahrheit selbst vorziehen.

6. Vielmehr hält er an dem, was der Herr gesagt hat, als an etwas Sicherem und völlig Klarem fest. Und von allem hat er, wenn es auch den übrigen noch verborgen ist, doch bereits die Kenntnis erhalten. Die bei uns gegebenen Offenbarungen aber reden über das Gegenwärtige so, wie es ist, über die Zukunft, wie es sein wird, und über das Vergangene so, wie es war.

1: Vgl. Mt 7,7 und dazu A. Resch, Agrapha, 2. Aufl. S. 303 Logion 14; Strom. VI 101,4; VII 41,3; 49,7; 73,1.
2: Vgl. Chrysippos Fr. mor. 197 v. Arnim.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
Erstes Buch
Zweites Buch
Drittes Buch
Viertes Buch
Fünftes Buch
Sechstes Buch
. I. Kapitel
. II. Kapitel
. III. Kapitel
. IV. Kapitel
. V. Kapitel
. VI. Kapitel
. VII. Kapitel
. VIII. Kapitel
. IX. Kapitel
. . 71.
. . 72.
. . 73.
. . 74.
. . 75.
. . 76.
. . 77.
. . 78.
. . 79.
. X. Kapitel
. XI. Kapitel
. XII. Kapitel
. XIII. Kapitel
. XIV. Kapitel
. XV. Kapitel
. XVI. Kapitel
. XVII. Kapitel
. Mehr
Siebtes Buch

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger