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Basilius von Cäsarea († 379) - Homilien über das Hexaemeron (Homiliae in Hexaemeron)
Fünfte Homilie

9.

Was braucht es, Fernliegendes zu erwähnen, wo doch das Wasser in demselben Feigenbaum ganz entgegengesetzte Eigenschaften annimmt? Es ist nämlich äußerst bitter im Safte, sehr süß dagegen in der Frucht. Ebenso ist es beim Weinstocke in den Reben sehr herb, in den Trauben aber sehr süß. Und erst wie vielerlei Farben! Auf einer Wiese siehst du dasselbe Wasser in dieser Blume rot, in einer andern purpur, blau in einer dritten und wieder in einer andern weiß. Noch reichere Abwechslung als die Farben bieten die Gerüche. Aber ich sehe, daß meine Rede schuld meiner unbegrenzten Vorliebe für diese Betrachtung über das Ziel hinausgeht, und müßte ich sie nicht auf das Notwendige einschränken und auf die Schöpfung wieder zurückkommen, so würde mir der Tag nicht hinreichen, die große Weisheit des Schöpfers euch auch in den kleinsten Erscheinungen nachzuweisen.

„Es sprosse die Erde fruchtbare Bäume, die Frucht tragen auf Erden.” Und alsbald bedeckten sich die Höhen der Berge mit Laub; kunstvolle Lustgärten taten sich auf, und der Flüsse Gestade schmückten sich mit [S. 87] tausenderlei Arten von Pflanzen. Die einen davon waren gepflanzt, um den Tisch des Menschen zu zieren, andere, um mit ihren Blättern und Früchten das Vieh zu ernähren. Wieder andere boten uns heilsame Arzneimittel in ihren flüssigen Absonderungen, Säften, Reisern, Rinden und Früchten; einfach alles, was die lange Erfahrung in den einzelnen Fällen als nützlich erkannt und herausgefunden hat, das hat die scharfsehende Vorsehung des Schöpfers vorher erkannt und ins Dasein gerufen. Wenn du nun die edlen und wilden Arten, die Wasser- und Landpflanzen, die blühenden oder nichtblühenden siehst, dann erkenne im Kleinen das Große, steigere deine Bewunderung immer mehr und mehre nur deine Liebe zum Schöpfer! Erwäg, wie er die einen Bäume mit Immergrün bekleidet, andere blätterlos geschaffen hat, und wie von den immergrünenden die einen das Laub abwerfen, die andern es immer behalten: Der Ölbaum und die Fichte werfen ihr Laub ab, wechseln es aber so unbemerkt, daß sie es nie zu verlieren scheinen. Die Palme aber behält immer ihre nämlichen Blätter vom ersten Sprossen an bis an ihr Absterben. Auch auf das achte noch, wie die Tamariske gleichsam doppellebig ist: sie zählt zu den Wasserpflanzen und findet sich doch auch sehr häufig in den Wüsten. Daher vergleicht auch Jeremias1 die schlechteren und zweideutigen Elemente mit dieser Pflanze.

1: Jer 17,6. Vgl. Vergil, Eclog. 8,54 und Ambrosius a.a.O. III, 16, 69

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger