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Basilius von Cäsarea († 379) - Homilien über das Hexaemeron (Homiliae in Hexaemeron)
Fünfte Homilie

4.

[S. 77] Was soll ich erwähnen? Was mit Stillschweigen übergehen? Unter den reichen Schätzen der Schöpfung ist die Auswahl des Vorzüglicheren schwierig; das Übergangene wird aber als Lücke schmerzlich empfunden.

„Es sprosse die Erde das Grün des Grases!” Und alsbald waren mit den nützlichen Pflanzen auch die schädlichen da, mit dem Getreide der Schierling, mit den übrigen Nährpflanzen die Nießwurz, der Eisenhut, der Alraun und der Mohnsaft. Was nun? Sollen wir unsern Dank für die Nutzpflanzen einstellen und den Schöpfer anklagen wegen der unserm Leben schädlichen Dinge? Oder wollen wir uns nicht sagen, daß nicht alles unseres Bauches wegen geschaffen ist? Doch die für uns bestimmten Lebensmittel sind zur Hand und allen wohl bekannt. Jede Kreatur hat aber in der Gesamtschöpfung einen besonderen Zweck zu erfüllen. Durfte etwa deshalb, weil das Ochsenblut für dich schädlich ist, das Tier nicht geschaffen werden? Oder mußte das Tier, dessen Stärke unser Haushalt so vielfach benötigt, blutlos geschaffen werden? Nein, dir genügt dein Hausverstand zur Abwehr des Schädlichen. Wissen doch schon Schafe und Ziegen sich zu hüten vor dem, was ihnen schadet, obschon sie nur mit äußeren Sinnen das Schädliche erkennen. Für dich aber, dem eine Vernunft, eine vorteilhaft arbeitende Arzneikunde, die Erfahrung der Geschädigten, die dich die Flucht vor Schädlichem lehrt, zu Gebote steht, für dich soll es, ich bitte dich, schwer sein, von dem Giftigen dich fernzuhalten? Doch, nichts von all dem ist umsonst und zwecklos erschaffen. Entweder dienen sie dem Vieh zur Nahrung oder die Arzneikunde hat darin ein Mittel zur Linderung verschiedener Leiden gefunden. Den Schierling fressen die Stare, ohne am Gift Schaden zu nehmen, weil ihr Körper dementsprechend geschaffen ist. Am Magenmunde haben sie nämlich feine Durchgänge, so daß sie den Schierling eher verdauen, bevor die von ihm ausgehende Kälte die edleren Teile erfaßt. Die Nieswurz dient den Wachteln zur Speise, die gleichfalls dank ihrer (Körper-)Temperatur daran keinen Schaden nehmen1. Ja eben [S. 78] diese Pflanzen sind unter Umständen auch uns von Nutzen: Durch den Alraun führen die Ärzte den Schlaf herbei2, durch Opium stillen sie die heftigen Leibesschmerzen3. Einige haben mit Schierling auch schon das Feuer der Begierden gedämpft4 und mit der Nieswurz viele langwierige Leiden gehoben5. Was du dem Schöpfer zum Vorwurfe machen zu können glaubtest, das hat jetzt bei dir zur Vermehrung deiner Dankbarkeit geführt.

1: Vgl. Plinius, hist. nat. XI, 90; XXVIII, 41
2: vgl. Plinius, hist. Nat. X. 197
3: Plinius 1.c. XXV, 147. 150; vgl. schon Xenophon, Sympos. II, 24
4: vgl. Plinius 1. C. XX, 199,201
5: ebd. XXV, 154

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger