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Basilius von Cäsarea († 379) - Homilien über das Hexaemeron (Homiliae in Hexaemeron)
Erste Homilie

6.

Da nun „Anfang” so mannigfach gebraucht wird, so untersuche, ob nicht hier der Ausdruck zu allen Bedeutungen paßt! Du kannst ja wohl auch darauf kommen, in welcher Zeit die Gestaltung dieser Welt begonnen hat; du darfst ja nur von der Gegenwart auf die Vergangenheit zurückgehen und dich ernstlich bemühen, den ersten Tag des Weltursprungs zu finden. So wirst du finden, woher die Zeit die erste Bewegung hat, ferner, daß Himmel und Erde gleichsam als Fundamente und Grundlagen der Welt zuerst gegründet worden, dann, daß es eine künstlerische Vernunft war, die, wie das Wort „Anfang” dir andeutet, in die sichtbare Welt die Ordnung brachte. Auch wirst du einsehen, daß die Welt nicht plan- und sinnlos, sondern zu einem schönen Zwecke und allen Wesen zum großen Nutzen erdacht worden ist, wenn anders sie ja für vernünftige Seelen in Wahrheit eine Schule und Erziehungsanstalt zur Gotteserkenntnis sein soll - eben dadurch, daß sie durch die sichtbaren und sinnfälligen Dinge die Vernunft zur Betrachtung der unsichtbaren hinleitet, wie der Apostel sagt: „Das Unsichtbare an ihm wird seit Erschaffung der Welt aus seinen Werken erkannt und geschaut1.” Oder vielleicht ist deshalb, weil das Werk momentan und zeitlos entstanden ist, gesagt: „Im Anfange schuf”; ist doch der Anfang etwas Unteilbares und Untrennbares. Wie der Anfang des Weges noch nicht der Weg, und der Anfang des Hauses nicht das Haus ist, so ist auch der Anfang der Zeit noch nicht die Zeit selbst, ja nicht einmal ein kleinster Teil von ihr. Sollte jemand das bestreiten und sagen, der Anfang sei die Zeit selbst, so soll er wissen, daß er ihn in Zeitteile zu zerlegen hat. Diese sind aber Anfang, Mitte und Ende. Einen Anfang vom Anfange ausklügeln, ist aber über alle Maßen lächerlich. Wer den Anfang in zwei Teile teilt, der wird aus einem zwei oder vielmehr viele und unzählige machen, [S. 17] da ja das Geteilte immer wieder in neue Teile zerlegt werden kann. Um nun uns zu belehren, daß die Welt durch Gottes Willen in einem Simultanakte entstanden sei, heißt es: „Im Anfange schuf.” Andere Ausleger haben die Stelle, um den Sinn deutlicher zum Ausdruck zu bringen, so übersetzt: „Im Prinzip2 schuf Gott”, d. h. auf einmal und in einem Augenblick. Soviel also über den Anfang, um nur Weniges von Vielem zu sagen.

1: Röm 1,20
2: ἐν κεϕαλαἰῳ (= im Haupte) statt ἐν ἀϱχ bietet Aquilas Version zur Hexapla des Origenes

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger