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Basilius von Cäsarea († 379) - Homilien über das Hexaemeron (Homiliae in Hexaemeron)
Erste Homilie

1.

Ein passender Anfang, wenn der, welcher über die Entstehung der Welt sich verbreiten soll, seine Rede beginnt mit einem Anfange (= Prinzip), auf den die Ordnung der sichtbaren Welt zurückgeht. Denn die Erschaffung von Himmel und Erde soll erzählt werden nicht als ein von selbst erfolgter Vorgang, wie manche sich einbildeten, sondern als ein Werk, das in Gott seine Ursache hat. Welches Ohr wäre würdig, etwas so Großes anzuhören? Wie muß die Seele vorbereitet sein, [S. 9] die herantreten will, um so erhabene Dinge zu vernehmen! Frei von den sinnlichen Leidenschaften, frei von den finstern Sorgen des Lebens, arbeitsfroh, spekulativ veranlagt, überall Umschau haltend, wo sie irgendwo eine würdige Gotteserkenntnis gewinnen könnte.

Doch bevor wir den Sinn der Worte genau untersuchen und nachforschen, was alles mit den wenigen Worten gesagt sein will, wollen wir erwägen, wer es ist, der zu uns redet. Denn wenn wir auch schuld der Unzulänglichkeit unseres Verstandes den Tiefsinn des Schriftstellers nicht erreichen, so werden wir doch bauend auf die Glaubwürdigkeit des Erzählers von selbst so weit kommen, daß wir seinen Worten zustimmen. Moses nämlich ist es, der diesen Bericht verfaßt hat, jener Moses, der laut Bezeugung schon als Säugling „bei Gott angenehm” war1, den die Tochter Pharaos an Kindes Statt angenommen2, den sie königlich erzogen, für den sie die ägyptischen Weisen zu Lehrern und Erziehern bestellt hat3, der aus Haß gegen den Druck der Tyrannen zur Niedrigkeit seiner Stammesgenossen zurückgekehrt ist und „lieber mit dem Volke Gottes Ungemach ertragen, als einen augenblicklichen Genuß von der Sünde haben wollte4”, der schon aus angeborner Gerechtigkeitsliebe, noch ehe er mit der Führung des Volkes betraut war, und aus natürlichem Haß (gegen die Bosheit) die Missetäter bekanntlich bis auf den Tod verfolgte5, der von denen, die er mit Wohltaten überhäuft hatte, vertrieben, freudig die tobenden Ägypter verließ und sich nach Äthiopien begab, wo er, frei von allen sonstigen Beschäftigungen, volle vierzig Jahre der Betrachtung der Dinge oblag, der in einem Alter von achtzig Jahren Gott schaute, soweit ein Mensch ihn zu schauen vermag, ja so schaute, wie es keinem andern je beschieden war - nach dem Zeugnisse Gottes selbst, das lautet: „Ist unter euch ein Prophet des Herrn, so [S. 10] werde ich in einem Gesichte mich ihm offenbaren und im Traume zu ihm reden. Nicht so ist es aber bei meinem Knechte Moses, der mir der Vertrauteste ist im ganzen Hause: Von Mund zu Mund rede ich mit ihm, offenbar und nicht in Rätseln6.” Dieser (Moses) also, der gleich den Engeln der unmittelbaren Anschauung Gottes gewürdigt worden, erzählt uns, was er von Gott vernommen hat. So wollen wir denn aufhorchen den Worten der Wahrheit, die „nicht in der Überredungskunst menschlicher Weisheit7”, sondern in der Lehrweise des Geistes gesprochen sind, und deren Zweck nicht das Lob seitens der Zuhörer ist, sondern das Heil derer, die belehrt werden.

1: Apg 7,20
2: Ex 2,10
3: vgl. Pseudo-Justin in Cohort. Ad gent. c. 10 (de Otto II <1879> p. 48) mit Berufung auf Philo und Josephus
4: Hebr 11,25
5: vgl. Ex 2,12
6: Num 12,6-8
7: vgl. 1 Kor 2,4

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger