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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
LXXII. (Mauriner-Ausgabe Nr. 234)

1.

„Verehrst du, was du kennst, oder was du nicht kennst?” Wenn wir antworten: „Was wir kennen, verehren wir”, dann kommen sie sofort mit der Entgegnung: „Was ist denn die Wesenheit dessen, was ihr verehrt?” Gestehen wir aber, daß wir seine Wesenheit nicht kennen, dann verdrehen sie wiederum: „Also verehrt ihr, was ihr nicht kennt.” Wir aber behaupten, das Wort „kennen” ist vieldeutig. So sagen wir: Wir kennen die Herrlichkeit Gottes, seine Macht, seine Weisheit, Güte und Vorsehung, mit der er für uns sorgt, und die Gerechtigkeit seines Gerichtes, nicht aber seine Wesenheit. Daher ist die gestellte Frage verfänglich. Denn wer sagt, er kenne die Wesenheit nicht, hat damit noch nicht zugegeben, Gott nicht zu kennen, weil auf Grund der vielen Eigenschaften, die wir aufgezählt haben, für uns der Begriff von Gott gewonnen ist. Aber Gott ist einfach, sagen sie, und doch gehört alles, was Du an ihm als bekannt aufzählst, zu seiner Wesenheit. Das ist aber ein Trugschluß, der tausend Ungereimtheiten enthält. Da der aufgezählten Eigenschaften so viele sind, fragt es sich, ob diese alle Benennungen einer Wesenheit sind, und ob seine Furchtbarkeit, seine Menschenliebe, seine Gerechtigkeit und schöpferische Macht, sein Vorherwissen und seine Vergeltung, seine Herrlichkeit und seine Vorsehung gleichbedeutende Begriffe sind, oder ob wir mit jeder der genannten Eigenschaften die Wesenheit bezeichnen. Wenn sie nämlich so reden, dann sollen sie nicht fragen, ob wir die Wesenheit Gottes kennen, sondern uns ausforschen, ob wir wissen, daß Gott furchtbar oder gerecht oder barmherzig sei. Das gestehen wir zu wissen. Verstehen sie aber unter der Wesenheit etwas anderes, dann sollen sie uns mit der „Einfachheit” nicht [S. 283] in logischen Widerspruch bringen wollen. Haben sie doch selbst bekannt, daß etwas anderes sei die Wesenheit, etwas anderes jede der aufgezählten Eigenschaften. Die Wirkungsweisen sind mannigfaltig, die Wesenheit ist einfach. Wir aber sagen, wir erkennten unsern Gott aus den Wirkungsweisen, versprechen aber nicht, an seine Wesenheit selbst heranzukommen. Seine Wirkungen steigen zu uns hernieder; seine Wesenheit aber bleibt unzugänglich.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger