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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
LXVII. (Mauriner-Ausgabe Nr. 223)

3.

Deshalb glaubte ich, als ich in der Heimat einige in den Fußtapfen jener Männer wandeln sah1, eine gewisse Hilfe für meine Rettung gefunden zu haben, und [S. 261] schloß von dem, was man sah, auf das, was man nicht sah. Weil nun das Innere eines jeden aus uns verborgen liegt, so hielt ich den demütigen Habit als ausreichendes Merkmal der Demut, und es genügten mir zur vollen Überzeugung das grobe Gewand, der Gürtel und die Schuhe aus ungegerbtem Leder. Und obschon mich viele vom Umgange mit diesen Männern abwendig machen wollten, so gab ich solchen doch kein Gehör, weil ich sah, daß jene das entsagende Leben dem genußsüchtigen vorzogen, und eben wegen ihrer außergewöhnlichen Lebensweise wurde ich ihr eifrigster Anwalt. Daher duldete ich auch keine Anschuldigungen ihrer Lehrsätze, obschon vielfach behauptet wurde, sie hätten keine richtigen Begriffe von Gott, sondern wären vom Haupt der jetzt herrschenden Ketzer2 belehrt worden und streuten heimlich dessen Lehren aus. Weil ich aber dergleichen nie mit eigenen Ohren gehört hatte, so hielt ich die für Verleumder, die mir das mitteilten. Daß uns aber, als wir zur Leitung der Kirche berufen wurden, unter dem Scheine des Beistandes und liebevoller Teilnahme Wächter und Beobachter unseres Lebens beigegeben wurden, davon schweige ich, damit es nicht den Anschein gewinnt, als sage ich etwas Unglaubliches und verleumde mich so selbst, oder als wolle ich mit der Mitteilung von glaubwürdigen Dingen den Gläubigen eine Neigung zur Misanthropie einpflanzen. Beinahe wäre ich allerdings so weit gekommen, wenn nicht die Barmherzigkeit Gottes mir rasch zuvorgekommen wäre. Nur wenig noch, und ich wäre allen gegenüber mißtrauisch geworden und hätte niemand mehr Vertrauen geschenkt, nachdem meine Seele so arglistig verwundet und betroffen worden war. Gleichwohl schienen wir immer noch zu ihnen in einigermaßen freundschaftlichem Verhältnis zu stehen. Auch kam es unter uns ein- oder zweimal zu Auseinandersetzungen über Glaubenssätze, wobei wir aber einander nicht zu widersprechen, sondern miteinander zu harmonieren schienen. Sie fanden auch, daß wir unsern Glauben an Gott mit denselben Worten bekannten, die sie jederzeit von uns gehört [S. 262] hatten. Wenn auch unser sonstiges Verhalten beweinenswert ist, so wage ich doch wenigstens in diesem einen Punkte mich im Herrn zu rühmen, daß ich niemals irrige Ansichten von Gott hatte, oder anders dachte und später von meiner Ansicht abging3. Im Gegenteil: die Vorstellung von Gott, die ich von meiner Kindheit an von meiner seligen Mutter und Großmutter Makrina erhielt und die dann bereichert wurde, behielt ich in mir. Denn nicht vertauschte ich mit zunehmender Reife Ansicht gegen Ansicht, vervollkommnete vielmehr die Anfangsgründe, die mir von jenen sind beigebracht worden. Denn wie der Same, wenn er wächst, wohl aus Kleinem größer wird, aber an sich derselbe bleibt und der Art nach sich nicht ändert, sondern im Wachstum vervollkommnet wird, ebenso, denke ich, hat auch bei mir dieselbe Erkenntnis sich nur entwickelt und vervollkommnet; nicht aber ist an Stelle der früheren die jetzige getreten. Deshalb sollen sie ihr Gewissen erforschen und angesichts des Richterstuhles Christi sich fragen, ob sie je etwas anderes von uns gehört haben, als was wir jetzt behaupten, sie, die uns jetzt mit der Anklage auf Irrlehre in Verruf gebracht und durch ehrenrührige Briefe, die sie gegen uns geschrieben, die Ohren aller vollgeschrien haben. Das zwang uns denn auch zu dieser Rechtfertigung.

1: Nämlich die Eustathianer, eine schwärmerisch-asketische Richtung. Nach Sokrates (Kirchengeschichte II, 43) und Sozomenos (KG. III, 14) war es Eustathius, der das Mönchtum in Armenien, Pontus und Paphlagonien eingeführt hat.
2: Von Arius.
3: Basilius will hier fühlbar dem wankelmütigen, im Glauben unsteten Eustathius (vgl. J. Schäfer, Bas. d. Großen Beziehungen zum Abendlande, S. 188 ff.) sich gegenüberstellen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger