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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
LXIII. (Mauriner-Ausgabe Nr. 210)

6.

Das haben wir Euch notgedrungen geschrieben, damit Ihr Euch vor den Nachteilen verderblicher Lehren schützt. Denn in der Tat, wenn man die verderblichen Lehren mit den schädlichen Arzneien vergleichen muß, wie Eure Traumdeuter sagen, so sind diese Schierling, Wolfskirsche und andere dergleichen tödliche Arzneien. Diese sind das Gift der Seelen, nicht unsere Reden, wie die weinberauschten Köpfe ausrufen, die in ihrem krankhaften Zustande allerlei Hirngespinste sehen. Wären sie vernünftig, so müßten sie wissen, daß nur unbefleckte und von aller Makel reine Seelen das prophetische Charisma erleuchtet. Ein schmutziger Spiegel kann keine klaren Aufnahmen von Bildern machen; so kann auch eine von zeitlichen Sorgen beschlagnahmte und von fleischeslüsternen Leidenschaften verfinsterte [S. 241] Seele keine Erleuchtungen des Hl. Geistes erhalten. Es ist doch nicht jeder Traum schon eine Weissagung, wie Zacharias sagt: „Der Herr hat die Traumvorstellungen und den Winterregen gegeben, weil die Wahrsager von Arbeiten gesprochen und eitle Träume erzählt haben1.” Diese aber, die, wie Isaias sagt, träumen, gern im Bette liegen und schlafen2, wissen auch das nicht, daß über die Kinder des Unglaubens oft ein schwerer Irrwahn kommt3. Auch gibt es einen Lügengeist, der in den Pseudopropheten den Achab betrog4. Wenn sie das wissen, sollten sie nicht so sehr sich erheben und von sich die Prophetengabe bezeugen; sie verraten ja, daß sie nicht einmal die Behutsamkeit des Vogeldeuters Balaam haben. Dieser war nämlich vom König der Moabiter unter Verheißung der größten Geschenke berufen worden, brachte es aber nicht über sich, gegen den Willen Gottes zu reden und Israel zu fluchen, dem der Herr nicht fluchte5. Wenn nun ihre Traumgesichte mit den Geboten des Herrn zusammengehen, so sollen sie mit den Evangelien sich begnügen, die zu ihrer Glaubwürdigkeit keiner aus Träumen gewonnenen Stütze bedürfen. Hat uns aber der Herr seinen Frieden hinterlassen6 und uns ein neues Gebot gegeben, daß wir einander lieben sollen7, und führen die Träume zu Streit, Zwietracht und Ertötung der Liebe, dann sollen sie dem Teufel keine Gelegenheit geben, im Schlafe in ihre Herzen einzudringen, und sie sollen ihre Traumgesichte nicht wichtiger machen als die Heilslehren.

1: Vgl. Zach. 10, 1. 2 (nach LXX).
2: Is. 56, 10.
3: Eph. 2, 2.
4: 1 Kön. 22, 22 [= 1 Samuel].
5: Num. 22, 11.
6: Joh. 14, 27.
7: Joh. 13, 34.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger