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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
LXIII. (Mauriner-Ausgabe Nr. 210)

4.

Ich erröte, wenn ich Euch das schreibe, weil es meine Blutsverwandten sind, die in diesen Irrtümern befangen leben1. Und ich beklage meine Lage, wie ein Zweifrontenkämpfer gezwungen zu sein, nach zwei Seiten hin Entstellungen der Lehre mit Beweisen zu bekämpfen und zu beseitigen, um der Wahrheit wieder zu ihrem Sieg zu verhelfen. Von der einen Seite zerrt an uns der Anomöer2, von der andern, wie es scheint, Sabellius. Aber ich ermahne Euch, auf diese abscheulichen und ganz verfänglichen Sophistereien nicht zu achten. Wisset vielmehr, daß der Name Christi, der über alle Namen ist, gerade der Name ist, mit dem der Sohn Gottes genannt wird — auch nach dem Ausspruche des Petrus: „Und es ist auch kein anderer Name unter dem [S. 238] Himmel den Menschen gegeben, in dem wir selig werden sollen3.” Was aber die Worte betrifft: „Ich bin im Namen des Vaters gekommen”, so muß man wissen, daß er damit den Vater als seinen Ursprung und seine Ursache bezeichnet4. Wenn es aber heißt: „Gehet hin und taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes”, so dürfen wir deshalb nicht glauben, daß uns nur ein Name überliefert worden. Denn wie derjenige, der sagte: „Paulus und Silvanus und Timotheus5” drei Namen nannte, sie aber miteinander durch die Silbe „und” verband, so hat derjenige, der vom Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes sprach, drei Namen genannt, sie aber mit dem Bindewort „und” zusammengenommen, um anzuzeigen, daß jedem dieser Namen seine eigene Bedeutung unterliegt; die Namen sind ja Bezeichnungen von Dingen. Daß aber die Dinge ihre eigene und vollkommene Existenz haben, bezweifelt niemand, der auch nur ein wenig Verstand hat. Denn die Natur des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes ist dieselbe, und eine die Gottheit. Die Namen aber sind verschieden und stellen uns klar umschriebene und fertige Begriffe dar. Es ist undenkbar, daß der Verstand dem Vater und Sohne und dem Hl. Geiste die volle Verherrlichung zollen kann, wenn er nicht die Eigentümlichkeiten eines jeden unvermischt betrachtet.

Wenn sie nun leugnen, das zu behaupten oder so zu lehren, so ist unser Zweck erreicht. Aber ich sehe, das Leugnen wird ihnen schwer fallen, weil wir viele Zeugen für diese ihre Lehre haben. Allein wir sehen nicht auf das Vergangene; möchte nur das Gegenwärtige besser werden! Beharren sie aber bei ihrem Irrtum, so müssen wir Euer Unglück auch anderen Kirchen klagen und dahin wirken, daß von mehreren Bischöfen Euch Schreiben zugehen, welche die Wucht der einsetzenden Gottlosigkeit brechen. Entweder wird dieser Versuch unserer [S. 239] Absicht förderlich sein, oder jedenfalls wird uns diese Beschwörung vor dem Gericht von der Schuld freisprechen.

1: Basilius scheint auf den Bischof Atarbius anzuspielen (vgl. Brief Nr. 65 und Nr. 126 der Maur.-Ausgabe).
2: Dem Christus als „dem Vater unähnlich” (τῷ πατϱὶ ἀνόμοιος) [tō patri anomoios] galt.
3: Apg. 4, 12.
4: Vgl. Die Schrift De spiritu sancto c. 44.
5: 1 Thess. 1, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger