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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
LXI. (Mauriner-Ausgabe Nr. 204)

2.

Der zweite Grund ist der, daß, wenn je der gemeinsame Besitz derselben Lehrer zur Vereinigung viel beiträgt, Euere und unsere Lehrer der Geheimnisse Gottes dieselben sind, dieselben auch die geistigen Väter, die anfangs Eure Kirche gegründet haben, ich meine den bekannten Gregor1 und alle, die ihm bei Euch auf dem bischöflichen Stuhle folgten, und die — einer nach dem andern — wie Sterne aufgingen und in denselben Fußstapfen wandelten, so daß sie deutliche Spuren ihres himmlischen Wandels hinterließen denen, die solche suchen. Wenn sodann auch die leiblichen [S. 222] Verwandtschaften nicht wertlos sind, sondern gleichfalls viel bedeuten für eine unzertrennliche Vereinigung und Lebensgemeinschaft, so haben wir auch hierin die gerechtesten Ansprüche auf Euch. Weshalb denn nun, ehrwürdigste Stadt — denn durch Euch rede ich zur ganzen Stadt —, kommt von da nicht ein sanftmütiges Schreiben, nicht ein rechtes Wort, ist im Gegenteil Euer Ohr Versuchen zur Verleumdung geöffnet? So muß ich denn um so mehr seufzen, je mehr ich diesen Versuch geglückt sehe. Hat ja doch das Werk der Verleumdung seinen bekannten Vater, der, von vielen Ungerechtigkeiten her berüchtigt, besonders durch diese Schlechtigkeit sich charakterisiert, so daß die Sünde auch sein Name geworden ist2. Übrigens, erlaubt mir doch offen zu sprechen; Ihr öffnet ja meinen Verleumdern beide Ohren und nehmt alles kritiklos in Eure Herzen auf; und niemand will die Lüge von der Wahrheit unterscheiden. Wer war jemals um boshafte Anschuldigungen in Verlegenheit, wenn er allein3 vor Gericht auftrat? Wer wurde je der Lüge überführt, wenn der Verleumdete nicht zugegen war? Welche Rede ist den Hörern nicht glaubhaft, wenn der Verleumder behauptet, es sei wirklich so, der Verleumdete aber nicht da ist noch auch die Lästerungen hört? Weist denn Euch nicht auch schon die Lebenspraxis darauf hin, daß, wer ein billiger und unparteiischer Zuhörer sein will, sich nicht ganz vom Erstauftretenden einnehmen lassen darf, sondern auch die Verteidigung der Angeklagten abwarten muß, damit so in der Nebeneinanderstellung beider Reden die Wahrheit ersichtlich werde? „Fället ein gerechtes Urteil4!” dies ist eines der heilswichtigsten Gebote.

1: Gregor, der Wundertäter, der erster Bischof seiner Vaterstadt Neocäsarea von ca. 245—276 war, und dessen Andenken ganz Pontus in den höchsten Ehren hielt (Basilius, De Spiritu s. 29, 74).
2: διάβολος [diabolos] = Verleumder, Teufel. Das Wortspiel lässt sich im Deutschen nicht wiedergeben.
3: d. h. ohne seine Gegner.
4: Joh. 7, 24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger