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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
LX. (Mauriner-Ausgabe Nr. 203)

1.

Ich trug stets ein heißes Verlangen nach einer Zusammenkunft mit Euch; aber immer stellte sich irgendein Hindernis ein, das meinem Vorhaben zuwider war. Bald hinderte mich körperliche Schwäche — sie kennt Ihr ja ganz wohl, wißt, wie sehr ich an ihr leide von meiner frühesten Jugend an bis in mein hohes Alter, wie sie mit mir gleichsam aufgewachsen ist, wie sie mich züchtigt nach gerechtem Urteil Gottes, der alles in Weisheit anordnet —, bald hielten mich die Sorgen für die Gemeinden zurück, bald die Kämpfe mit den Gegnern der wahren Lehre. So lebe ich denn bis auf den heutigen Tag in großer Betrübnis und Trauer, da ich mir sagen muß, daß mir die Verbindung mit Euch fehlt. Ich habe doch von Gott, der deshalb zu einer Ankunft im Fleische sich herabließ, um durch sein praktisches Beispiel unsern Lebenswandel zu regeln und mit eigenem Mund das Evangelium vom Reiche zu predigen, gehört: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebet1.” Und weiß ich doch, daß der Herr, im Begriff, sein Erlösungswerk im Fleische zu vollenden, seinen Jüngern als Abschiedsgeschenk seinen Frieden hinterlassen hat mit den Worten: „Den Frieden hinterlasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch2.” Deshalb kann ich mich nicht überzeugen, ohne [S. 216] die gegenseitige Liebe und ohne eine friedfertige Haltung allen gegenüber — soweit auf mich ankommt — als würdiger Diener Jesu Christi gelten zu können. Schon lange Zeit wartete ich, ob nicht einmal auch von Eurer Liebe ein persönlicher Besuch uns vergönnt würde. Ihr wißt doch gut, daß wir aller Öffentlichkeit ausgesetzt sind, und daß wir, vergleichbar den vorgelagerten Felsen im Meere, den Ansturm der häretischen Wogen auffangen müssen, so daß diese an uns sich brechen und das hinter uns Liegende nicht bespülen. Wenn ich aber sage „wir”, so beziehe ich das nicht auf das menschliche Vermögen, sondern auf die Gnade Gottes, der in der Schwachheit der Menschen seine Macht offenbart — gemäß dem Worte des Propheten, der in der Person des Herrn redet: „Werdet ihr mich nicht fürchten, der ich dem Meere den Sand zur Grenze gesetzt3?” Mit dem allerschwächsten und verächtlichsten Ding, dem Sande, hat der Allmächtige den großen und tobenden Ozean eingedämmt. Weil es nun auch bei uns ähnlich liegt, so wäre es billig gewesen, daß von Zeit zu Zeit von Eurer Liebe einige aufrichtige Brüder uns zu Besuch wären gesandt worden, um an unserer Drangsal teilzunehmen, und daß häufiger liebe Briefe an uns gelangt wären, teils um unsern Eifer zu steigern, teils um uns zurechtzuweisen, wenn wir irgendwie fehlen. Wir bestreiten ja nicht, daß wir tausend Fehlern unterworfen sind, da wir eben Menschen sind und im Fleische leben.

1: Joh. 13, 35.
2: Joh. 14, 27.
3: Jer. 5, 22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger