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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch

XIV. Kapitel

89.

1.1 Jetzt müssen wir aber noch die Fortsetzung hinzufügen und nunmehr noch deutlicher darlegen, wie die griechische Philosophie die barbarische bestohlen hat.

2. Die Stoiker nämlich sagen, daß Gott seinem Wesen nach Körper und Geist sei,2 wie selbstverständlich auch die Seele. All das kannst du ausdrücklich in der Heiligen Schrift finden. Für jetzt darfst du nämlich nicht an eine Übernahme ihrer bildlichen Redeweise durch die Stoiker in dem Sinn denken, wie ihn die gnostische Wahrheit darlegt, da sie so, wie es die geschickten Ringkämpfer machen, zunächst etwas anderes zeigt, als sie eigentlich im Sinn hat.3

3. Aber jene (die Stoiker) behaupten, daß Gott jeglichen Stoff durchdringe;4 wir aber nennen ihn nur Schöpfer, und zwar Schöpfer durch sein Wort.

4. Sie ließen sich aber von dem Wort in der "Weisheit": "Sie durchdringt alles und geht wegen ihrer Reinheit durch alles hindurch"5 in die Irre führen, weil sie nicht verstanden, daß dies von der Weisheit, der Erstgeschaffenen Gottes,6 gesagt ist.

5. Ja, sagt man, aber die Philosophen, sowohl die Stoiker als auch Platon und Pythagoras, ja auch der Peripatetiker Aristoteles, setzen doch den Stoff unter die Uranfänge, [S. 195] aber nicht als den einzigen Uranfang.7

6. Sie sollten daher wissen, daß der sogenannte Stoff, von dem sie sagen, daß er ohne jede Eigenschaft und ohne jede Gestalt ist,8 von Platon noch kühner geradezu "nicht seiend"9 genannt worden ist.

7. Und vielleicht wußte er, daß der wirkliche und wahre Uranfang nur ein einziger ist, und sagte deshalb ganz geheimnisvoll im Timaios wörtlich so: "Für jetzt soll das, was wir zu sagen haben, so festgestellt sein. Denn davon, ob es für alles nur einen Uranfang oder mehrere gibt oder wie man sonst darüber denken muß, davon haben wir jetzt nicht zu reden, und zwar aus keinem anderen Grunde, sondern nur deswegen, weil es schwierig ist, nach dem gegenwärtigen Verfahren unserer Untersuchung unsere Meinung darüber klarzulegen."10

1: 89,1 – 96,2 ist von Eusebios, Praep. Evang. XIII 13,1-17 angeführt.
2: Chrysippos Fr. phys. 1035 v. Arnim; vgl. Protr. 66,3 mit Anm.; Strom. I 51,1.
3: Vgl. Strom. IV 4,1.
4: Chrysippos Fr. phys. 1035 v. Arnim; vgl. Protr. 66,3 mit Anm.; Strom. I 51,1.
5: Weish. 7,24 (wo vielmehr stoische Ausdrücke verwendet sind.
6: Vgl. Ekkli. 1,4 [Sir]
7: Vgl. Chrysippos Fr. phys. 300 ff. v. Arnim; Platon, Timaios p. 48 ff.
8: Vgl. Aristoteles, Phys. ausc. 1,7 p. 191 a 10.
9: Vgl. ebd. 1,9 p. 191 b 36; 192 a 6; 3,2 p. 201 b 20.
10: Platon, Timaios p. 48 C.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger