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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
XIV. Kapitel

96.

1. Dann ein wenig später fügt er wieder hinzu: "Denn jeder Gute ist jedem anderen Guten ähnlich, und dementsprechend gleicht er auch Gott und ist mit jedem Guten befreundet und auch mit Gott."1

2. An dieser Stelle erinnere ich mich auch an jenes Wort. Er sagt nämlich am Ende des Timaios: "Dem Betrachteten muß man das Betrachtende angleichen entsprechend seinem ursprünglichen Wesen; wenn man es ihm aber angeglichen hat, so hat man das Ziel des dem Menschen von den Göttern als Aufgabe gestellten besten Lebens für die Gegenwart und für die Zeit hernach erreicht."2

3. Denn das gleiche bedeutet auch jener Satz: [S. 200] "Der Suchende wird nicht ablassen, bis er gefunden hat; wenn er aber gefunden hat, dann wird er staunen; wenn er gestaunt hat, wird er König werden; wenn er aber König geworden ist, wird er ruhen."3

4. Wie nun? Sind nicht auch jene berühmten Wortes des Thales von solchen Schriftworten abhängig? Er erläutert geradezu das Wort, daß Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit gepriesen4 und von uns "Herzenskündiger"5 genannt wird. Auf die Frage nämlich, was die Gottheit sei, antwortete Thales: "Das, was weder einen Anfang noch ein Ende hat."6 Und als ein anderer fragte, ob ein Mensch bei irgendeiner Tat vor der Gottheit verborgen sein könnte, sagte er: "Wie sollte dies denn möglich sein, da er es doch nicht einmal bei irgendeinem Gedanken sein kann?"7

5. Ferner weiß die barbarische Philosophie, daß nur das Schöne gut und daß die Tugend für sich allein zum Glück ausreichend ist,8 wenn sie sagt: " Siehe, ich habe vor deine Augen das Gute und das Böse, das Leben und den Tod gestellt; wähle das Leben!"9

6. Denn das Gute nennt sie Leben und schön die Wahl des Guten, böse aber die Wahl des Gegenteils. Das Gute und das Leben haben das gleiche Ziel, nämlich daß man gottliebend wird. "Denn davon hängt dein Leben und die Dauer deiner Tage ab",10 davon nämlich, daß du das liebst, was auf die Wahrheit abzielt.

1: Nicht wörtlich bei Platon; vgl. Lysis p. 214 C.
2: Platon, Timaios p. 90 D.
3: Hebräerevanglium Fr. 16 Handmann; vgl Strom. II 45,5 mit Anm.
4: Vgl. z.B. Gal 1,5.
5: Vgl. Apg 1,24; 15,8.
6: Vgl. Sternbach, Gnomologium Vaticanum 321.
7: Vgl. ebd. 316.
8: Vgl. Chrysippos Fr. moral. 29 ff.49 ff. v. Arnim.
9: Dtn 30,15.19.
10: Ebd. 30,20

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger