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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
XIV. Kapitel

133.

1. Und Thearidas sagt in seiner Schrift "Über die Natur": "Der Anfang des Seienden, soweit er wirklich wahrer Anfang ist, ist nur einer; denn er ist im Anfang einzig und allein."1

2. "Aber es gibt keinen anderen außer dem mächtigen König",2
sagt Orpheus.

3. Ihm schließt sich der Lustspieldichter Diphilos an, wenn er ganz in Form eines Sinnspruchs sagt:
"Den wahren Vater aller Dinge ehre stets,
Der so viel Gutes uns erfand und einst erschuf!"3

4. Mit Recht will daher Platon es den "Hervorragendbegabten" zur Pflicht machen, "sich mit derjenigen [S. 227] Wissenschaft zu beschäftigen, die wir im Vorhergehenden für die wichtigste erklärten, nämlich das Gute zu betrachten und den Aufstieg zu jener Höhe zu beginnen".4

5. "Das ist aber, wie mir scheint, nicht ein Umdrehen eines Scherbenstücks,5 sondern eine Umkehrung der Seele aus einer Art nächtlichen Tages zum wahren Tag, der in einem Aufstieg zum Seienden besteht, den wir für die wahre Philosophie erklären werden."6

6. Und diejenigen, die an ihr Anteil genommen haben, rechnet er zum goldenen Geschlecht, indem er sagt: "Ihr seid zwar alle Brüder", die Angehörigen des goldenen Geschlechts aber im höchsten Grade und in jeder Beziehung.7

7. Alle Wesen gewinnen von allen Ausgangspunkten her eine Beziehung zu dem Vater und Schöpfer des Weltalls8 durch ihre natürliche Anlage und ohne Unterricht,9 das Unbeseelte, indem es mit dem Lebenden mitfühlt,10 von dem Beseelten das eine, das bereits unsterblich ist, indem es Tag für Tag wirkt,11 das Sterbliche aber teils in Furcht, auch wenn es von seiner Mutter noch in ihrem Schoße getragen wird, teils auf Grund selbständiger Überlegung, und von den Menschen alle, Griechen sowohl als auch Barbaren.

8. Aber kein Geschlecht weder der Ackerbauer noch der Nomade noch auch der Stadtbewohner12 kann irgendwie leben, das sich nicht zuvor für den Glauben an eine höheres Wesen hätte gewinnen lassen.

9. Deshalb hat jedes Volk, das im Osten oder im Westen an die Meeresgestade grenzt oder im Norden wohnt oder im Süden seine Heimat hat, eine einzige und die nämliche Vorstellung von dem, der die Weltherrschaft begründet hat, insofern die allgemeinsten seiner Wirkungen in gleicher Weise alles durchdrungen haben.

1: Vgl. Zeller, Philos. der Griechen III 2, 3. Aufl. S. 102 Anm.
2: Orpheus Fr. 246 (=245,13) Kern.
3: Pseudo-Diphilos Fr. 138 CAF II p. 580.
4: Platon, Staat VII p. 519 CD.
5: Platon spielt hiermit auf ein Knabenspiel an, bei dem ein auf der einen Seite weißes, auf der anderen schwarzes Scherbenstück in die Höhe geworfen und dadurch entschieden wurde, welche von zwei Parteien die andere verfolgen durfte; vgl. die Schilderung des Spiels in den Scholien zu Platon, Phaidros p. 241 B und bei Pollux IX 111.
6: Platon, Staat VII p. 521 C.
7: Vgl. ebd. III p. 415 AB; Strom. V 98,2.
8: Vgl. ebd., Timaios p. 28 C.
9: Vgl. z.B. ebd. Eryxias p. 398 C.
10: Vgl. Röm 8,22.
11: Vgl. Joh 9,4.
12: Die Stelle stammt vielleicht aus einem Dichter.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger