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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
XXXVI. (Mauriner-Ausgabe Nr. 92)

2.

Es ist ja nicht nur eine Kirche gefährdet, auch nicht zwei oder drei sind vom schweren Unwetter betroffen. Fast von den Grenzen Illyriens bis zur Thebais grassiert das Übel der Häresie. Den verderblichen Samen hat zuerst der berüchtigte Arius ausgestreut. Aber einmal Wurzel gefaßt in der Tiefe und gehegt von vielen aus unserer Mitte, die mit Eifer die Gottlosigkeit bebaut haben, brachte er jetzt böse Früchte: Die Lehren der (wahren) Religion sind umgestoßen, die Satzungen der Kirche in Unordnung gekommen. Die Ehrsucht von Leuten, die den Herrn nicht fürchten, sucht den Weg zu den Kirchenämtern; schon winkt sichtlich der Vorsitz als Preis der Gottlosigkeit, so daß der größte Lästerer für das bischöfliche Amt als der Berufenste erscheint. Das priesterliche Ansehen ist dahin; verschwunden sind die Hirten, die mit Weisheit die Herde des Herrn weiden, während die Herrschsüchtigen das Geld der Armen nur zu eigenem Gebrauch und zu Geschenken vergeuden. Von einer Beachtung der Kanones ist keine Rede mehr; reichliche Gelegenheit zum Sündigen ist gegeben. Denn die durch menschlichen Eifer zur Herrschaft gelangt [S. 138] sind, wollen eben damit dem Eifer lohnen, daß sie den Sündern alles gestatten, was ihnen Lust bereitet. Von einem gerechten Gericht weiß man nichts mehr; ein jeder wandelt nach den Lüsten seines Herzens. Die Bosheit kennt kein Maß; das Volk ist ohne Warnung; die Vorgesetzten wagen nicht zu reden. Denn wer durch Menschenhilfe zur Herrschaft gekommen ist, ist Sklave derer, die ihm diese Gefälligkeit erwiesen haben. Einige sind auf den Gedanken gekommen, die Verteidigung des Wahren Glaubens auch als Waffe im Kampfe gegen andere zu benützen: Unter dem Vorwande, als kämpften sie für die Religion, kämpfen sie verhohlen persönliche Feindschaften aus. Andere aber stacheln, um nicht wegen ihrer größten Schändlichkeiten zur Verantwortung gezogen zu werden, die Völker zu gegenseitigem Hader auf, damit bei der allgemeinen Schlechtigkeit ihre Schandtaten nicht auffallen. Daher läßt sich dieser Krieg auch nicht beilegen, weil die, die Schändliches verübt haben, den allgemeinen Frieden nicht gern sehen, da er ihre geheimen Schandtaten enthüllte. Dabei lachen die Ungläubigen und wanken die Kleingläubigen. Der Glaube ist zweifelsüchtig (geworden) und Unwissenheit über die Seelen ausgegossen, weil die, die in Bosheit die Lehre fälschen, die Wahrheit nachahmen. Es schweigt der Mund der Gottesfürchtigen, losgelassen ist jede Lästerzunge, entweiht ist das Heilige. Die Vernünftigen unter den Laien fliehen die Bethäuser als Lehrstätten der Gottlosigkeit und erheben in den Einöden unter Seufzern und Tränen ihre Hände zum Herrn im Himmel empor. Jedenfalls ist die Kunde von dem, was in den meisten Städten geschieht, auch bis zu Euch gedrungen, daß nämlich das Volk mit Weibern und Kindern und gar mit den Greisen vor die Stadtmauern hinausströmt, unter freiem Himmel sein Gebet verrichtet, alle Unannehmlichkeiten der Witterung mit vieler Geduld erträgt und vom Herrn Hilfe erwartet.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger