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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
XX. (Mauriner-Ausgabe Nr. 44)

1.

Einen Segensgruß entbieten wir Dir nicht, weil es für Gottlose keinen Segen gibt. Noch kann ich ja nicht glauben und nicht fassen den groben Verstoß und das schwere Vergehen, das Du Dir hast zuschulden kommen lassen, wenn es sich mit der Sache wirklich so verhält, wie man schon allgemein annimmt. Ich muß schauen, wie eine solche Weisheit verschlungen, eine solche Gewissenhaftigkeit brüchig werden konnte, staunen, woher solche Blindheit, mit der Du geschlagen, wie Du auch ohne alles Bedenken eine solche und so schwere Gefährdung von Seelen verschulden konntest. Denn wenn dieser Vorfall wirklich wahr ist, dann hast Du sowohl Deine eigene Seele dem Untergang geweiht, wie auch allen, die von diesem Frevel hören, die Spannkraft gelähmt. Den Glauben hast Du verleugnet; vom guten Kampf hast Du abgelassen. Deshalb klage ich über Dich. Wo ist ein Priester, der nicht weinen wird, wenn er davon hört, wo ein Kleriker, der nicht trauert? Wo ein Laie, den es nicht betrübt? Wo ein Büßer, der nicht darob seufzt? Vielleicht verfinsterte sich gar die Sonne ob Deines Falles und zitterten die Mächte des Himmels ob Deines Untergangs! Selbst die gefühllosen Steine vergießen Tränen ob Deiner Leidenschaft, und auch die Feinde weinten wegen Deiner übergroßen Schuld. O die arge Verstocktheit! O der fürchterlichen Grausamkeit! Vor Gott hattest Du keine Furcht, vor Menschen keine Scheu. Auf Freunde hast Du nicht geachtet, sondern alles mit einem Male über Bord geworfen, um alles zumal Dich gebracht. Deshalb schmerzt es mich erneut um Deinetwegen, Unseliger. Du, der Du allen den Eifer für das Reich (Gottes) [S. 91] gepredigt, bist selbst aus dem Reiche herausgefallen. Du, der Du allen die Furcht vor der Lehre eingepflanzt, hattest selbst nicht die Gottesfurcht vor Augen. Heiligung verkündest Du, als Schuldbeladener stehst Du da! Auf die Armut sangst Du ein Loblied, als Habsüchtiger bist Du entlarvt. Auf das Gottesgericht wiesest Du hin bei der Belehrung; nun hast Du es selbst Dir erwirkt. Wie soll ich Dich beweinen? Wie über Dich trauern? Wie ist doch gefallen der Lichtträger, der in der Frühe aufging und nun zur Erde niederfiel1! Jedem, der davon hört, werden die Ohren gellen. Wie ist doch der Nazaräer, leuchtender denn Gold, schwärzer geworden als Ruß. Ehrwürdiger Sohn Sions, wie ist er doch ein unbrauchbar Gefäß geworden! Ihm, dem bei der Lektüre der göttlichen Schriften von allen Seiten zugesprochen wurde, entschwand heute die Erinnerung daran mit einem Nachhall. Der Schlagfertige kam mit einem Schlage um; der Vielversprechende beging eine vielfältige Sünde. Die Gewinn hatten von Deinem Unterricht, nahmen Schaden an Deinem Falle. Die ihr Ohr liehen Deiner Unterweisung, kehrten sich (voll Scheu) ab, wie sie von Deinem Verderb hörten. Ich aber bin voll Klage und Trauer und wie gelähmt, wo ich geh und steh; Asche esse ich wie Brot, werfe mich ins Trauergewand ob des Schlages, und ich ergehe mich in solchen Lobsprüchen auf Dich. Oder vielmehr ich verfasse Grabreden und bleibe ohne Trost, ohne Heilung. Denn verborgen bleibt vor meinen Augen der Trost; es gibt für mich keine Linderung, nicht Öl noch Binde. Der Schlag ist für mich zu schmerzlich. Wo Heilung finden?

1: Is. 14, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger