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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
X. Kapitel

63.

1. Aber auch Barnabas, der auch selbst gemeinsam mit dem Apostel im Dienst an die Heiden die Lehre verkündigt hatte, sagt: "Ich schreibe euch ganz einfach, [S. 174] damit ihr es verstehen könnt."1

2. Etwas später sagt er dann, indem er bereits deutlicher eine Spur gnostischer Überlieferung vor Augen führt: "Was sagt der andere Prophet Moses zu ihnen?

3. 'Siehe, also spricht der Herr Gott: Ziehet ein in das gute Land, das der Herr Gott, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, eidlich verheißen hat, und nehmet es in Besitz, das Land, das von Milch und Honig überfließt!'2

4. Was sagt die Gnosis darüber? Höret es! Hoffet, so sagt sie, auf den Jesus, der euch im Fleisch geoffenbart werden soll! Denn einen Menschen bedeutet das Land, insofern es leidet. Denn von der Oberfläche der Erde ist die Bildung Adams geschehen.3

5. Warum sagt er nun: 'In das gute Land, das Land, das von Milch und Honig überfließt'?4 Gelobt sei unser Herr, liebe Brüder, der Weisheit und Verständnis für seine Geheimnisse in uns gelegt hat!

6. Der Prophet gebraucht nämlich ein Sinnbild für den Herrn.5 Wer wird es aber verstehen, als wer weise und verständig ist und seinen Herrn lieb hat?"6 Denn nur wenige können dies fassen.7

7. "Denn nicht aus Mißgunst", so heißt es, "hat der Herr in einem Evangelium die Weisung gegeben: 'Mein Geheimnis ist für mich und für die Söhne meines Hauses bestimmt.'"8 Damit vollzieht er die Auswahl sicher und fest, auf daß diese, wenn sie das erlangt hat, was ihrer Wahl entspricht, über alle Mißgunst erhaben sei.

8. Denn wer die Erkenntnis des Guten nicht hat, ist böse; denn "nur einer ist gut",9 der Vater; aber den Vater nicht zu kennen bedeutet den Tod, wie ihn zu [S. 175] kennen ewiges Leben bedeutet10 entsprechend der Anteilnahme an der Macht des Unvergänglichen. Und dem Verderben nicht ausgesetzt zu sein bedeutet, Anteil an göttlichem Leben zu haben; dagegen ist Verderben die Folge des Abfalls von der Erkenntnis Gottes.

1: Barnabasbrief 6,5.
2: Ex 33,1.3; vgl. Lev 20,24.
3: Vgl. Gen 2,7.
4: Ex 33,3.
5: Ich habe hier den bei Clemens überlieferten Text entsprechend der Überlieferung des Barnabasbriefes geändert, indem ich sie Satzzeichen so setze: (xxx); Barnabas erklärt die Verheißung des guten Landes als eine sinnbildliche Weissagung auf den Herrn. Die folgenden Worte sind dann keine Anführung aus der Bibel, sondern Worte des Barnabas selbst.
6: Barnabasbrief 6,8-10.
7: Vgl. Mt 19,11.
8: Das auch sonst mehrfach bezeugte apokryphe Herrenwort (vgl. z.B. A. Resch, Agrapha, 2. Aufl. S. 108f., Agraphon 84; Ropes, Sprüche Jesu, S. 94 ff.), das wohl mit Unrecht auf die Übersetzung eines Satzteiles von Jes 24,16 bei Symmachos und Theodotion zurückgeführt wird, ist von Clemens hier als Teil eines Zitates eingeführt, dessen Herkunft unbekannt ist.
9: Mt 19,17.
10: Vgl. Joh 17,3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger