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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
VI. (Mauriner-Ausgabe Nr. 8)

3.

Doch nennen wir, folgend der wahren Lehre, den Sohn dem Vater weder ähnlich noch unähnlich. Beides ist gleich unmöglich. Denn von ähnlich und unähnlich redet man mit Bezug auf die Qualität. Gott ist aber qualitätslos. Wohl aber bekennen wir eine Identität der Natur und nehmen die Wesenseinheit (τὸ ὁμοούσιον) [to homoousion] an, vermeiden aber die Zusammensetzung, da der, welcher dem Wesen nach Gott und Vater ist, den gezeugt hat, der dem Wesen nach Gott und Sohn ist. Damit ist die Wesenseinheit bewiesen; denn der, der dem Wesen nach Gott ist, ist wesenseins mit dem, der dem Wesen nach Gott ist. Es wird ja wohl auch der Mensch Gott [S. 29] genannt, wie z. B.: „Ich sprach, ihr seid Götter1.” Auch der Dämon führt die Bezeichnung Gott, wenn es z. B. heißt: „Die Götter der Heiden sind Dämonen2.” Allein die einen heißen so aus Gnade, die andern auf Grund der Lüge. Gott allein ist dem Wesen nach Gott. Wenn ich sage „allein”, so meine ich die heilige und unerschaffene Wesenheit Gottes. Das „allein” wird nämlich ausgesagt sowohl von irgendeinem Menschen, als auch schlechthin von der Natur überhaupt. Von irgendeinem Menschen, sagen wir z. B. von Paulus, wenn es heißt, er allein sei bis in den dritten Himmel entrückt worden und habe geheimnisvolle Worte gehört, die auszusprechen keinem Menschen verstattet ist3 — von der Natur überhaupt, wie z. B. David sagt: „Der Mensch, wie Heu sind seine Tage4.” Hier meint er doch nicht irgend einen Menschen, sondern die (menschliche) Natur überhaupt. Denn jeder Mensch ist zeitlich und sterblich. So verstehen wir auch folgende Worte auf die Natur bezogen: „Der allein Unsterblichkeit hat5”, „dem allein weisen Gotte6”; ferner: „Niemand ist gut, als einzig Gott7.” Das „einzig” besagt hier dasselbe wie „allein”. Ferner: „Der allein den Himmel ausgespannt hat8”, und wieder: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen9”, und: „Es ist kein Gott außer mir10''. Die Bezeichnungen „einzig” und „allein” werden in der Schrift auf Gott angewandt nicht zur Unterscheidung vom Sohne oder dem Heiligen Geiste, sondern im Gegensatz zu denen, die nicht Götter sind, aber lügnerisch so genannt werden — so z. B. wenn es heißt: „Der Herr allein führte sie, und nicht war ein fremder Gott mit ihnen11”, und: „Es zerstörten die Söhne Israels die Baalsgötzen und die Haine der Astaroth und dienten dem Herrn allein12.” Ferner sagt Paulus: „Wie es viele Götter gibt und viele Herrn, so haben wir doch nureinen Gott, den Vater, von dem alles, und einen Herrn, Jesus [S. 30] Christus, durch den alles13.” Allein hier fragen wir, warum er mit der Rede vom „einen Gott” sich nicht begnügte — sagten wir doch, daß die Ausdrücke „allein” und „einziger”, auf Gott bezogen, seine Natur bezeichnen —, sondern noch „Vater” hinzusetzte und Christi Erwähnung tat. Ich vermute nun, daß Paulus, „das Gefäß der Auserwählung14”, an dieser Stelle nicht genug gesagt zu haben glaubte, wenn er nur Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist verkündete, was er mit dem Ausdruck „ein Gott” tat, ohne auch noch durch den Zusatz „Vater” den zu bezeichnen, von dem alles ist, und mit der Erwähnung des „Herrn” den Logos anzuzeigen, durch den alles ist, und weiter ohne mit der Beifügung „Jesus Christus” die Menschwerdung zu verkünden, das Leiden vor Augen zu stellen und die Auferstehung zu offenbaren. Der Name „Jesus Christus” legt uns derlei Gedanken nahe. Deshalb lehnt der Herr es auch ab, vor seinem Leiden „Jesus Christus” genannt zu werden, und er verbietet es den Jüngern, jemanden zu sagen, daß er Jesus Christus sei15. Es liegt ihm nämlich daran, erst nach Vollendung der Heilsökonomie, nach seiner Auferstehung von den Toten und der Auffahrt in den Himmel, ihnen aufzutragen, ihn als Jesum Christum zu verkündigen. Solchen Sinn hat auch die Stelle: „Damit sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum16”, und die andere: „Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich17!” Überall aber schützt unsern Gedankengang der Heilige Geist, damit wir uns nicht dem einen18 zuwenden und dabei vom andern19 abfallen, und daß wir nicht der Theologie uns widmen, dabei aber die Heilsökonomie vernachlässigen und so je nach dem Defizit für uns die Gottlosigkeit die Folge sei20.

1: Ps. 81, 6 [Hebr. Ps. 82, 6].
2: Ps. 95, 5 [Hebr. Ps. 96, 5].
3: 2 Kor. 12, 4.
4: Ps. 102, 15 [Hebr. Ps. 103, 15].
5: 1 Tim. 6, 16.
6: Röm. 16, 27.
7: Luk. 18, 19.
8: Job 9, 8.
9: Deut. 6, 13.
10: Deut. 32, 39.
11: Deut. 32, 12.
12: 1 Kön. 7, 4 [= 1 Samuel].
13: 1 Kor. 8, 5—6.
14: Apg. 9, 15.
15: Matth. 16, 20.
16: Joh. 17, 3.
17: Joh. 14, 1.
18: Dem Vater.
19: Dem Sohne.
20: Der Gottlosigkeit macht man sich schon schuldig, wenn man es im Glauben an die göttliche Natur Christi oder an sein Erlösungswerk fehlen läßt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger