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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
VI. (Mauriner-Ausgabe Nr. 8)

2.

Ihr aber, o göttliche und mir allerteuerste Häupter, hütet Euch vor den Hirten der Philister1, auf daß nicht einer heimlich Eure Brunnen verstopfe und die Reinheit Eurer Glaubenserkenntnis trübe. Das war ja immer ihr Bestreben, nicht aus den göttlichen Schriften die einfältigeren Seelen zu belehren, sondern mit Hilfe profaner Weisheit die Wahrheit zu entstellen. Denn wer einen Ungezeugten und Gezeugten in unser Credo einführt, wer lehrt, daß der, der immerdar ist, einmal nicht gewesen, und daß der, der von Natur aus immer Vater ist, Vater geworden sei, und daß der Hl. Geist nicht ewig sei, ist der nicht ohne weiteres ein Philister, der es den Schafen des Patriarchen mißgönnt, daß sie aus dem reinen und in das ewige Leben fortströmenden Wasser2 trinken, und der will, daß sie die Klage des Propheten an sich wahr machen, der sagt: „Mich, die Quelle des [S. 27] lebendigen Wassers, haben sie verlassen und sich Zisternen gegraben, die durchlöchert sind und kein Wasser halten3.” Muß man doch bekennen Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist4, die die göttlichen Aussprüche besagen und die gelehrt haben, die diese im erhabeneren Sinne verstanden haben. Denen aber, die uns Tritheismus vorwerfen, sei soviel gesagt, daß wir einen Gott nicht der Zahl, sondern der Natur nach bekennen. Denn alles, was der Zahl nach eins genannt wird, ist nicht in Wirklichkeit eins und nicht einfach der Natur nach. Daß aber Gott einfach und nicht zusammengesetzt ist, wird allgemein zugegeben. Also ist Gott nicht der Zahl nach einer. Was ich sagen will, ist etwa Folgendes. Wir sagen:Eins der Zahl nach ist die Welt, aber nicht eine der Natur nach. Auch ist sie nicht einfach; wir teilen sie ja in die Elemente, aus denen sie besteht, in Feuer, Wasser, Luft und Erde5 Weiter heißt auch der Mensch der Zahl nach einer; wir reden ja oft von einem Menschen. Aber er ist nicht einfach, weil aus Leib und Seele bestehend. Desgleichen reden wir auch von einem Engel der Zahl nach, nicht von einem der Natur nach, nennen ihn auch nicht einfach; [S. 28] denn unter der Person (ὑπόστασις) [hypostasis] des Engels verstehen wir eine Wesenheit (οὐσίαν) [ousian] im Vereine mit der Heiligkeit. Wenn nun alles, was eins ist der Zahl nach, nicht eins ist der Natur nach, und was der Natur nach eins und einfach ist, nicht eins ist der Zahl nach, wir nun aber sagen, Gott sei der Natur nach einer, wie bringen sie uns die Zahl daher, da wir sie doch von jener seligen und geistigen Natur ganz ausschließen? Die Zahl bezeichnet die Quantität. Quantität läßt sich aber nur mit der Körperwelt zusammenbringen; die Zahl ist also körperlicher Natur. Der Schöpfer der Körperwelt ist aber nach unserm Glauben der Herr. Deshalb bezeichnet auch jede Zahl jene Dinge, die eine materielle und begrenzte Natur bekommen haben. Das Einzigundalleinsein aber kennzeichnet die einfache und unbegrenzte Wesenheit. Wer also beim Sohne Gottes oder beim Heiligen Geiste von Zahl oder Geschöpf redet, der führt hintenherum eine materielle und begrenzte Natur ein. Unter einer begrenzten Natur verstehe ich nicht bloß die, welche räumlich umschrieben ist, sondern auch eine solche, die derjenige, der sie aus dem Nichts ins Dasein führen will, zuerst in der Idee erfaßt hat, und die man dann mit der (menschlichen) Erkenntnis erfassen kann. So ist alles Heilige, das begrenzter Natur und erworbene Heiligkeit ist, für Schlechtigkeit nicht unempfänglich. Der Sohn und der Heilige Geist sind aber eine Quelle der Heiligung, aus der jede vernünftige Kreatur entsprechend ihrer Tugend Heiligkeit empfängt.

1: Gemeint sind die Arianer.
2: Joh. 4, 14.
3: Jer. 2, 13.
4: „Wenn auch in andern sicher echten Basiliusschreiben der Hl. Geist nicht ausdrücklich als „Gott” (vgl. Gregor v. Nazianz or. 43 c. 68 MPG 37, 588 a/b) angeredet ist, hier also eine Ausnahme vorliegt, so reicht dies eine Moment doch nicht aus, in wohlfeiler Kritik den Brief unter die Spuria zu verweisen. (Gegen J. Schäfer, Basilius des Großen Beziehungen zum Abendlande (Münster 1909), S. 4.) Gregor v. Nazianz schreibt (in or. 43 c. 69; MPG 37, 589 a) über Basilius: ‚ᾔδει τὸ Πνεῦμα ϑεόν̔ [ēdei to Pneuma theon] und „er habe in öffentlicher Predigt und privater mündlicher Aussprache, zumal ihm selbst gegenüber, oft sich in diesem Sinne geäußert''. Nur die Rücksichtnahme auf schwache Hörer und der Mangel einer konziliaren Definition über die Gottheit des Hl. Geistes scheint ihm eine reservierte Haltung geraten zu haben. (Vgl. F. Nager, Die Trinitätslehre des hl. Basilius (Münster 1912), S. 84. Über die Echtheitsfrage vgl. jetzt R. Melcher, Der 8. Brief des hl. Basilius, ein Werk des Evagrius Pontikus, Münster i. W. 1923.
5: Unter den griechischen Philosophen bezeichnete Thales aus Milet das „Wasser” als das Urelement, Anaximenes die „Luft“, Heraklit das „Feuer”, Empedokles die „Erde”.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger