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Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe
VI. (Mauriner-Ausgabe Nr. 8)

11.

[S. 39] Wenn wir aber in der Rede weiterfahren und das Höhere ins Auge fassen sollen, dann werden wir vornehmlich die göttliche Kraft des Heiligen Geistes zu betrachten haben. Von drei Schöpfungen, so haben wir gefunden, ist in der Schrift die Rede: Die eine und erste ist die Setzung der Dinge aus dem Nichts ins Dasein; die zweite ist die Umwandlung aus dem Schlechteren ins Bessere; die dritte ist die Auferstehung von den Toten. Bei diesen wirst du den Heiligen Geist zugleich mit dem Vater und Sohne wirksam finden. Die Erschaffung der Himmel. Was sagt dazu David? „Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel befestigt und durch den Geist seines Mundes all ihr Heer1.” Sodann wird der Mensch in der Taufe erschaffen. Wer in Christus ist, ist eine neue Schöpfung2. Und was sagt der Heiland zu seinen Jüngern? „Gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes3!” Du siehst auch hier den Heiligen Geist im Verein mit Vater und Sohn. Aber was magst du über die Auferstehung von den Toten sagen, wenn es mit uns zu Ende gehen und wir in den Staub zurückkehren werden? Denn Erde sind wir, und zur Erde werden wir wieder zurückkehren4; und er wird den Heiligen Geist senden und uns erschaffen und das Antlitz der Erde erneuern5. Was der heilige Paulus Auferstehung genannt hat, bezeichnete David als Erneuerung! Wir wollen noch einmal auf den hören, der in den dritten Himmel entrückt ward6. Was sagt er? „Ihr seid ein Tempel des Heiligen Geistes, der in euch wohnt7.” Jeder Tempel ist Gottes Tempel. Sind wir nun Tempel des Heiligen Geistes, dann ist der Heilige Geist Gott. Man spricht wohl auch von einem Tempel Salomons, wobei aber dieser nur der Erbauer ist. Sind wir aber so ein Tempel des Heiligen Geistes, dann ist der Heilige Geist Gott. „Denn der alles errichtet hat, ist Gott8.” Sind wir aber ein Tempel dessen, der in uns angebetet wird und in uns wohnt, dann wollen wir [S. 40] bekennen, daß er Gott ist. „Denn du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen9. Sollten sie aber die Bezeichnung „Gott” ablehnen, so mögen sie hören, was dieser Name bedeutet. Weil er alles hergestellt hat oder weil er alles sieht, deshalb wird er „Gott” (θεός) [theos] genannt (παϱὰ τὸ τεϑεικέναι τὰ πάντα ἤ ϑεᾶσϑαι [para to tetheikenai ta panta ē theasthai])10. Wenn er nun Gott genannt wird, weil er alles hergestellt hat oder alles sieht, der Geist aber alles erkennt, was Gottes ist, so wie der Geist, der in uns ist, das Unsrige erkennt11, dann ist der Heilige Geist Gott. Ist sodann das Schwert des Geistes das Wort Gottes12, so ist der Heilige Geist Gott; denn das Schwert gehört dem, dem auch das Wort zugeeignet wird. Und wenn er auch „Rechte des Vaters” heißt — „die Rechte des Herrn hat Macht geübt13”, und „deine Rechte, o Herr, hat die Feinde geschlagen14”; auch „Finger Gottes” ist der Heilige Geist laut dem Worte: „Wenn ich durch den Finger Gottes die Teufel austreibe15”, ein Wort, das in einem andern Evangelium lautet: „Wenn ich im Geiste Gottes die Teufel austreibe16” —, dann ist der Heilige Gott gleicher Natur mit dem Vater und dem Sohne.

1: Ps. 32, 6 [Hebr. Ps. 33, 6].
2: 2 Kor. 5, 17.
3: Matth. 28, 19.
4: Gen. 3, 19.
5: Ps. 103, 30 [Hebr. Ps. 104, 30].
6: Vgl. 2 Kor. 12, 2.
7: 1 Kor. 6, 19.
8: Hebr. 9, 4.
9: Matth. 4, 10.
10: Den Namen θεός [theos] läßt Basilius hier von τιϑέναι [tithenai] (= stellen, setzen) oder von ϑεᾶσϑαι [theasthai] (= sehen) herrühren. Über die Ethymologie des Wortes θεός [theos] vgl. J. Wimmer in der „Zeitschrift f. kath. Theologie”, XLIII. 2. S. 193—212.
11: 1 Kor. 2, 10—11.
12: Eph. 6, 17.
13: Ps. 117, 16 [Hebr. Ps. 118, 16].
14: Exod. 15, 6.
15: Luk. 11, 20.
16: Matth. 12, 28.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger