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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
VIII. Kapitel

48.

[S. 161] 1. Diese Leute haben aber den Philosophen Kleanthes nicht gelesen, der Plektron ganz deutlich die Sonne nennt;1 denn sie stützt ihre Strahlen im Osten auf und führt, indem sie die Welt gleichsam schlägt, das Licht zu seinem harmonischen Gang. Mit dem Hinweis auf die Sonne deutet es auch auf die übrigen Gestirne hin.2

2. Sphinx ist aber nicht die Verbindung aller Dinge und nicht der Umlauf der Welt, von dem der Dichter Aratos spricht,3 sondern sie könnte vielleicht die alles durchdringende geistige Spannung bedeuten, die die Welt zusammenhält.4

3. Richtiger aber ist es, unter Sphinx den alles zusammenhaltenden Äther zu verstehen, wie auch Empedokles sagt:
"Laß mich zuerst dir die Sonne5 als Anfang von allem verkünden;
Durch sie wurde, was immer wir sehen, den Augen erst sichtbar,
Erde und wogendes Meer und des Luftraums feuchte Bezirke
Und auch der Äther, der, ein Titan, den Erdkreis umklammert (xxx)".6

4. Und Apollodoros von Kerkyra7 erzählt, daß der Seher Branchos folgende Verse feierlich vorgetragen habe, als er die Milesier von einer Pest entsühnte. Er begann nämlich, während er die Menge mit Lorbeerblättern bestreute,8 den Hymnus ungefähr so:
"Preiset, ihr Knaben, den schirmenden Gott und die schirmende Göttin!"

5. Und dann fiel das Volk gewissermaßen mit dem Antwortvers ein: "Bedy, Zaps, Chtom, Plektron, Sphinx, [S. 162] Knaxzbich, Thyptes, Phlegmo, Drops."9 Diese Geschichte erwähnt auch Kallimachos in seiner Jambendichtung.10

6. Knaxzbich bedeutet aber die Krankheit, da man das Wort von (xxx) xnaíein (nagen) und (xxx) diaphdeírein (verderben) ableiten kann. Thyptes aber ist von (xxx)11 díphai abgeleitet, und dieses bedeutet mit dem Blitze verbrennen.

7. Der Tragödiendichter Thespis sagt jedoch, daß diese Worte etwas ganz anderes bedeuten, wenn er so schreibt:
"Ich opfere dir das weiße Knaxzbich,
Das zur Nahrung ich melkt' von der bräunlichen Geiß;
Und den Thypteskäs, der mit Honig gemischt
Von rötlicher Farb', den lege ich dir,
Zweihörniger Pan, auf den hehren Altar,
Und von Bromios sei dir der Phlegmos geweiht!"12

8. Damit deutet er nach meiner Meinung hin auf die erste milchartige Nahrung der Seele, die aus den 24 Buchstaben besteht; darnach ist die Milch bereits geronnen und zu fester Speise geworden; das letzte aber ist, wie er sagt, der "funkelnde Wein",13 nämlich das Blut des Weinstocks des Logos, die vollendende Freude der Erziehung.

9. Und Drops ist das wirksame Gotteswort, das mit dem Anfangsunterricht beginnt und allmählich zum Wachstum des Mannes, "zum Vollmaß des Alters",14 den Menschen entzündet und erleuchtet.

1: Vgl. Skythinos von Teos Fr. 1,3 Diels.
2: Kleanthes Fr. 502 v. Arnim.
3: Vgl. Aratos, Phainomena 22-24.
4: Chrysippos Fr. phys. 447 v. Arnim.
5: Diels hat das Wort (xxx) geändert; aber die Sonne ist insofern der Anfang, als durch sie alles erst sichtbar wurde.
6: Empedokles Fr. 38 Diels; das Zitat soll durch das Wort (xxx) die Erklärung von Sphinx als Äther rechtfertigen.
7: Dieser Apollodoros ist nicht näher bekannt.
8: Der Lorbeer hat reinigende und entsühnende Bedeutung.
9: Vgl. oben Anm 2 zu 46,3. Die Zusammenstellung von diesen Alphabetwörtern wurde nach der Erzählung als eine Zauberformel empfunden.
10: Kallimachos Fr. 75 Schneider; die Stelle wurde neuerdings in einem größeren Bruchstück aus Kallimachos auf Papyrus gefunden; Oxyrh. Pap. VII (1910) Nr. 1011,224 f.
11: Vom Verbum (xxx).
12: Thespis Fr. inc. 4 TFG p. 833. Die Verse werden sehr verschieden erklärt, da die Bedeutung von mehreren Wörtern nicht feststeht. So übersetzt z.B. B.W. Schultz, der im Memnon 2 (1908) S. 36-82 allerlei Phantasien an diese Verse anknüpft, die Worte (xxx) (so schreibt er statt (xxx)) mit "von milchgebenden Saflorblüten". Porphyrios (bei Potter) erklärt (xxx) unter Berufung auf Theokritos 7,16 als (xxx). Aber dort ist nur das Fell des (xxx) als (xxx) bezeichnet. In meiner Übersetzung ist die Bezeichnung der Farbe als Bezeichnung des Tieres aufgefaßt; vgl. z.B. Brauner, Schimmel, Falbe. Im letzten Vers ist (xxx) die Gabe des Bakchos, der Wein.
13: Vgl. z.B. Hom. Il. 1,462.
14: Vgl. Eph 4,13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger