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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
VIII. Kapitel

55.

1. Das ist nun die Art der Verkündigung im Gesetz und in den Propheten bis auf Johannes.1 Aber obwohl dieser offener sprechen konnte, da er ja nicht mehr wie ein Prophet auf Zukünftiges hinweisen mußte,2 sondern auf den, der von Anfang an durch Sinnbilder angekündigt worden war, als auf einen, der nunmehr erschienen und zugegen war, hinweisen konnte, so sagt er trotzdem: "Ich bin nicht wert, den Schuhriemen des Herrn zu lösen."3

2. Er gesteht nämlich zu, daß er nicht würdig sei, eine so erhabene Macht (wie Jesus) zu taufen; denn diejenigen, die reinmachen wollen, müßten die Seele (der zu Reinigenden) vom Körper und seinen Verfehlungen loslösen, wie man den Fuß von den Schuhriemen löst.

3. Vielleicht meint er auch die letzte Wirkung des Heilands auf uns, die unmittelbar durch seine Gegenwart, die durch das Rätselwort der Weissagung nur in Verhüllung angekündigt worden war. Denn indem er auf Grund eigener Anschauung den Geweissagten zeigte und kundtat, daß die Erscheinung, die von ferne her zum Sichtbarwerden kam, jetzt da sei, löste er in der Tat das Ende der Weissagungen über den Heilsplan und enthüllte die Bedeutung der Sinnbilder.

4. Aber auch die bei den Römern üblichen Formen bei den Vertragsabschlüssen4 gehören zu den Sinnbildern,5 jene auf die Gerechtigkeit hinweisende Waage und die kleinen [S. 168] Kupfermünzen und die Berührung mit der Rute6 und das Anfassen der Ohren;7 das eine geschieht, damit gerecht verfahren werde, das andere zur Teilung der Kosten, das dritte, damit der Vorübergehende gerade, als wenn ihm eine Last auferlegt würde, stehenbleibe und zuhöre und die Rolle eines Mittelsmannes übernehme.

1: Vgl. Mt 11,13; Lk 16,16.
2: Vgl. Strom. I 136,1 f.
3: Mk 1,7; Lk 3,16; Joh 1,27.
4: Vielleicht ist (xxx) mit "bei den Testamenten" zu übersetzen; denn im folgenden erinnern die Waage und die (xxx) an das testamentum per aes et libram; vgl,. Gaius II 104 ff. Aber von einer Berührung mit der Rute und dem Anfassen der Ohren ist bei den Testamenten sonst nichts bekannt: vgl. auch Gaius I 119; Hor. Ep. II 2,158.
5: Es ist wohl (xxx) bei (xxx) zu ergänzen oder einzufügen; vgl. oben 45,2.
6: Mit (xxx) ist wohl die Auflegung der Freiheitsrute, der römischen vindicta oder festuca, gemeint, durch die der Sklave für frei erklärt wurde.
7: Das Berühren des Ohrläppchens war beim antestari üblich, um den Betreffenden an seine Zeugenpflicht zu erinnern; "est in aure ima mnemoriae locus, quem tangentes antestamur" sagt Plin. Nat. hist. XI 251; vgl. Hor. Sat. I 9,76 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger