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Mönchsleben, Ostsyrisches - Nützliche Geschichten etc. von Mönchen des Klosters Bet 'Abe. Verfaßt vom hl. Mar Thomas

Buch IV

Kapitel 9.

Wie der heilige Metropolit Mâr Ischô'jahb sich entschloß, die Kirche aus Lehm, die der heilige Mâr Ischô'jahb gebaut, niederzureißen und eine andere aus Kalk zu bauen, und wie die damaligen Mönche ihm rieτen, das wegen der Schwierigkeit der Sache nicht zu tun.

Als Mâr Ischô'jahb1 sich entschloß, die Kirche, welche der selige Katholikos, Mâr Ischô'jahb, gebaut [S. 310] hatte und die durch die Länge der Zeit und die Zahl der Jahre alt geworden war, niederzureißen, rieten ihm seine Freunde, das nicht zu tun. „Denn du vermagst ihren Bau nicht zu vollenden." Die Neidischen und diejenigen, welche die göttlichen Dinge nicht verstehen, sondern sie ins Menschliche verkehren, wie der selige, große Pachom (sagt), hinderten ihn: „Wir wollen nicht, daß du die Kirche, welche die heiligen Väter gebaut, niederreißest, eine andere zu bauen (beginnst), sie nicht vollendest, sie mitten im Bau verläßest und fortgehst." In seinem festen Gottvertrauen besiegte er beide Parteien. Er brachte viele Arbeiter und Steinhauer, ging mit ihnen zu den Bergen von Debar Hephtôn und zeigte ihnen in der Gegend des Zab Kalksteine zum Behauen. Er machte Flöße und brachte den Kalk an die Klosterlände. Von dort wurde er durch Esel und Maultiere zum Kloster gebracht. Er brannte die Steine und zerstieß sie2. Er sammelte Steine und brannte Ziegel. Er versetzte den Altar in die Bibliothek und entfernte die Leiber und Sarkophage der Heiligen aus dem Martyrium3. Dann begann er mit vieler Mühe die langen und alten Mauern niederzureißen, die seine Väter gebaut. Man häufte Erde4 auf und füllte den ganzen (Raum) um die Kirche auf. Als der heilige Ischô'jahb sah, daß nach Niederreißung der Kirche die (Wegschaffung der) Erde dreimal soviel (Arbeit) erforderte, wie der Bau, war er betrübt und bekümmert, weil er das in seinem Bauplan nicht überlegt hatte. Er ersann eine List, die beiden Parteien von Vorteil war und sagte am Tage der Versammlung zu den Mönchen: „Ihr Seligen wisset und auch die Überlieferung hat es von unseren [S. 311] Vorfahren her bewahrt, daß der heilige Mâr Ischô'jahb, da er allem gewachsen war und auch die Zeit und seine Würde ihn unterstützten, den größten Teil dieser Erde von Hedattâ, den Rest von Hdajab herschaffte. Diese Erde hat aber ihresgleichen nicht; sie ist besser und fester als Kalk. Keiner von euch nehme deshalb davon. Denn wenn wir mit Gottes Hilfe die Kirche gebaut haben, wollen wir die Gemeindegebäude niederreißen und mit dieser Erde (wieder) aufbauen." Als das die Mönche hörten, die teils seine Freunde, teils seine Gegner waren, verlangten sie, jene Erde zu stehlen und ihre Zellen damit zu verkleben. Aber eben das wollte er, um der Mühe und Kosten des Wegschaffens los zu werden. Er blieb deshalb die ganze Woche in der Zelle der Väter und ließ sagen: „Ich bin krank." Als sie sich so frei fühlten, stahlen sie lachend und springend die Erde, so daß sie den Platz sogar mit Besen kehrten, und brachten sie in ihre Zellen. Als er es erfuhr, freute er sich gar sehr. Und als er kam und sah, daß sogar der Boden gekehrt und besprengt war, sagte er mit sanftem und keuschem Lachen: „Ihr habt ja gar nichts von jener Erde übrig gelassen. Gott verzeihe und vergebe uns allen."

1: Ein Verwandter des Patriarchen I. III., des Erbauers der zweiten Kirche. Er war Mönch in B. A., dann dessen Abt, dann Bischof von Nînewê. Nach dem Tode Henânîschô' II. i. J. 780 vermoohte ihn sein Mitbewerber, Timotheus I. mit Rücksicht auf die drohende Opposition, zu seinen Gunsten zurückzutreten, wofür er ihn zum Metropoliten von Hdajab machte. Ein Schisma der damit unzufriedenen Großgrundbesitzer (schahrigân) von Hdajab endete, als sein Gegner, Rustam, von Hunden zerrissen wurde.
2: Nach Budge wird in Mesopotamien der gebrannte Kalk vermittels eines schweren viereckigen Steins zerstoßen, der durch Ketten, die an einer durchgezogenen Eisenstange befestigt sind, vou einem Pferd oder Maultier aufgezogen wird. Der gestoßene Kalk wird in geflochtene Körbe gefüllt, von denen zwei die Traglast eines Saumtiers bilden.
3: Die nestorianisehen Kirchen haben den Chor im Osten; nördlich ist ihm das Martyrium als Begräbnisstätte, südlich das Baptisterium angebaut.
4: Unter Erde ist hier Lehm zu verstehan.

 

 

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Einleitung ostsyr. Mönchsleben
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger