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Mönchsleben, Ostsyrisches - Nützliche Geschichten etc. von Mönchen des Klosters Bet 'Abe. Verfaßt vom hl. Mar Thomas
Buch I

Kapitel 10.

Was der Selige am andern Morgen tat.

Es war in jenem heiligen Kloster Brauch, daß die Gemeindeklapper1 aus keinem Grunde ohne den Befehl des Abtes geschlagen wurde, und wenn es ohne seinen Befehl geschah, war es ein Zeichen, daß man den Abt von seiner Herrschaft absetzte. Am Morgen kam nun der selige Mâr Elias zu der Kommunität herab und befahl dem Sakristan, hinaufzusteigen und die Gemeindeklapper zu schlagen. Als dieser das hörte, weigerte er sich wegen des Ansehens und der Würde des Befehlenden nicht und sagte (nicht): „Ich tue es nicht ohne den Befehl des Rabban Abtes", sondern er tat sofort auf den Befehl, was der Selige gesagt hatte und alle versammelten sich und kamen zur Kirche. Der heilige Mâr Bâbai, der damals Abt war, staunte, daß ohne seinen Befehl aus einer ihm unbekannten Ursache die Klapper geschlagen wurde. Er rief den Sakristan und fragte ihn: „Auf wessen Befehl hast du die Klapper [S. 295] geschlagen?" Er antwortete: „Mâr Elias, der Eiferer, befahl es mir." Er rief ihn und verlangte von ihm die Ursache dieser ungewöhnlichen Versammlung zu erfahren. Mâr Elias antwortete: „Wie kommt es, unser Vater und Meister, daß die Dinge, die in der Ferne geschehen und ferne sind, dir bekannt sind, daß aber die Kenntnis des Bösen in der Nähe, in deinem Kloster, dir verborgen ist. Wie (kommt es, daß,) während diejenigen, die dem Gehorsam deiner Herrschaft nicht unterstehen, zittern und, wenn sie von dir als nahe oder fern hören, sich verbergen, in diesem Erbe Gottes Sodom auferstand und Gabaa2 gebaut wurde? Wie hat der Krebs und faulendes Geschwür Gewalt bekommen über die Glieder des heiligen Leibes der Kinder deiner Heiligkeit? Wo ist der Segen unseres Vaters Abraham, die Zucht des Mâr Dâdischô’, die Unterweisung des Gihonflusses deiner Unterweisung, da eure Erziehung verfluchte Natternbrut, Kinder der mörderischen Schlange hervorbrachte. Leute aus uns, aus denen, die vor dir sitzen — siehe, ihre Augen sehen her und ihre Ohren hören zu — sind mit Bösem schwanger geworden und haben Frevel geboren3. Sie haben trübes Wasser getrunken, unreife Trauben gegessen, mit den Töchtern Moabs auf den Rat des geistigen Balaam gesündigt und den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vergessen. Dir, unserm geistigen Vater, steht es nun zu, diese Unreinen, die die väterliche Gemeinschaft aller Orientalen befleckt, gleich dem Eiferer Phinees mit der Lanze deines Eifers zu durchbohren4. Dir steht es zu, diejenigen, die ich im Gesichte geschaut, zu verderben und aus Bethel, dem Hause des Herrn, des Gottes unserer Väter, zu vertreiben." Nachdem der Heilige dieses und solches gesprochen und Zittern und Schrecken alle befallen hatte, sprach der heilige Mâr Bâbai: „Zeig mir wirklich den Beweis deiner Worte und ich tue, was Recht und Pflicht ist." Da zeigte er mit der Hand auf jene Unseligen, machte sie kund [S. 296] und sprach: „Das sind die Männer, die geirrt und die Hürde des Lebens verlassen, um Dornen zu weiden. Das sind sie, die Jerusalem verließen und unter den Schlangen der Einöden von Jericho wandeln wollten. Das sind sie, die am Horeb ein Kalb gemacht, die das Gußbild anbeteten und ihre Ehre gegen Mist und unreine Fäulnis vertauscht. Sieh, Weiber sind in ihren Zellen, die Kinder haben. Das sind sie, deren Schlechtigkeit mich zwang, ohne den Befehl deiner Heiligkeit zu befehlen und zu tun."

1: Über den altchristlichen Gebrauch, die Gebetszeiten durch Schlagen an ein Brett oder eine Metallplatte zu verkünden, s. Bingham: Origenes s. antiquitates eul. t. III, p. 282 sqq. Die Nâkûschâ der modernen Nestorianer ist nach einem Zitat bei Payne-Smith, Thes. syr. II, 2466 „ein dickes Brett, mit mehreren durchgebohrten Löchern, das mit einem Hammer geschlagen wird.
2: 3 Kön. 22, 2; Chron. 16, 6; Is. 10, 29. Ein Zusammenhang ist aber nicht ersichtlich. Es wird wohl Gomorra zu lesen sein.
3: Ps. 7, 15.
4: Vgl. Num. 25, 8.

 

 

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Einleitung ostsyr. Mönchsleben
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger