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Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer
21. Mâr Gîwargîs

36.

Was nun? Er ging hinein und ließ sich nach dem Kanon der wahren Mönche in seiner Zelle verschließen, um zu kämpfen, zu siegen und gekrönt zu werden. Er begann, stark und mutig Leib und Seele in vernünftigen, gottgefälligen Diensten als lebendiges, annehmbares Opfer darzubringen. Er bereitete alle seine Glieder für den Dienst der Wahrheit, Gerechtigkeit und behutsamen Keuschheit und für alle Tugenden, die in der Stille der Zelle gewirkt werden, die Gott versöhnen und zur Vollkommenheit hinaufführen, durch anstrengendes Fasten, Nachtwachen, beständiges, unaufhörliches Gebet, fortwährende Inklinationen und Ausbreiten der Hände, demütiges Stehen und Prostrationen. Auch seinen Geist bildete er beständig und wachsam durch Lesung der heiligen Schriften und die Lehre der heiligen Väter zwischen den Zeiten des (Kirchen)dienstes nach dem Brauche der nach geistlicher Erkenntnis Verlangenden, in einem unersättlichen Durst, indem er die Nacht zum Tag machte und den Tag mit der Nacht vermischte, so daß er jede Nacht den David durchnahm. Und (er war) wie einer, der große Schulden hat und sich ängstlich jederzeit müht, daß er die unbezahlbare Schuld bezahle. Und er pflegte zu sagen: „Bis jetzt waren es die Gnade Gottes und seine Gaben in Barmherzigkeit, was sich meiner erbarmte und sich reichlich [S. 245] über mich, den Unwürdigen, ergoß. Nun muß ich mich mühen nach meiner Kraft, mit bereitem Willen flehen, tapfer kämpfen und starkmütig wachen, damit mein Sinn seine Einfalt und Christusliebe keinen Augenblick ändere. Nichts nützen mir Glaube und Taufe, wenn nicht meine eigenen Werke die in der Taufe, dem Unterpfand (ἀρραβών) des Lebens, erlangte Reinheit bewahren und in mir den Glauben vermehren durch gestärkte Kraft, Haß meiner selbst und in den Gekreuzigten versenkte Liebe, in dem ich erlöst bin durch sein überfließendes Erbarmen. Wie zahlreich sind hier verschiedene Trübsale, mühsame Kämpfe, heftige, zahllose Kriege, Erinnerungen an die Vergangenheit, Regungen der Leidenschaft der Jugend. Die Dinge von außen erregen das Innere. Das Innere entzündet und verwirrt nach außen: das Herumschweifen der irrenden Gedanken, unkeusche Phantasiebilder, das Festhalten von allerlei Unsittlichkeit. Wieviel sind die Bedrängnisse, zahllos in ihrer Verschiedenheit: Nachlässigkeit, Stumpfsinn, Trägheit, Kummer, Trauer, Seufzen, schluchzendes Weinen. Dazu die heftigen Stürme der Geister, der Fürsten (der Welt) 1, die durch zahllose Listen und böse Nachstellungen (sich mühen), durch ihre Frechheit und starke Überhebung jedes festgegründete und gerade, auf das Fundament Jesu gegründete Gebäude zu zerstören und zu zerstreuen. Durch die Flut der verschiedenen Begierden und heftige, beständige Stürme peitschen sie und stürzen sie um, um zu zerstören: Ruhmsucht, Machtliebe, Zorn, Hochmut und alles, wovon bloß die in Wahrheit der Welt gekreuzigten Mönche wissen, wie hart und schwer es ist, da nur einzelne daraus gerettet werden."

1: Vgl. Eph. 6, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger