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Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer
21. Mâr Gîwargîs

30.

Besonders ist in dieser Gegend durch die Schwäche der die Ehre und Ruhe liebenden Hirten das Übel der Übel aufgesproßt, dessen Bosheit alle anderen Übel übertrifft. Auch die Zeit reichte ihm die Hand wegen der Tumulte und Kriege der Völker gegen einander, wodurch Satan Raum fand vermittels seines Werkzeugs (ὄργανον), dieser gottlosen Häresie, dem Abschaum aller Häresien, die er in das Herz des Hannânâ Hdajâbâjâ1 spie. Dieser lehrt das Fatum und verkündigt [S. 239] die Vorausbestimmung und schwätzt allerlei Gottlosigkeit und abscheuliche Unsittlichkeit. Gott macht er begrenzt, leidensfähig, sterblich und in Teile zerfallend. Er leugnet die Auferstehung der Leiber und (lehrt), daß es eine Erlösung nur für die Seelen gebe. Gericht und Strafe gebe es nicht. Nicht sündige, wer hurt und die Ehe bricht, weil er dazu von Geburt an bestimmt sei. Auch würden am Ende alle der göttlichen Natur teilhaftig, wie Origenes, der Heide der Heiden, gesagt hat. Sieh, bereits ist diese ganze arme Stadt durch diesen gottlosen Irrtum verdorben und nur ein kleiner Same der Wahrheit ist durch Fügung der Gnade geblieben. Das geschieht jetzt um unserer Sünden willen und bereits begann, was von dem Fürsten (ἄρχων) des Bösen und seinen Schülern vorausgesagt ist2, daß, wenn es möglich wäre, sie auch die Auserwählten verführen würden. Da du nun (zwar) ein Mann bist von scharfem Geist und klarem Verstand und die richtige verständige Einsicht besitzest, was du dir erwählt, auch festzuhalten, aber mit deiner Schwester erst vor kurzem im Christentum unterrichtet wurdest, deshalb hütet euch vor diesem listigen Ärgernis des Verderbens. Mahne sie, daß sie nicht irrend vielen folge, die den Namen von Lehrern tragen, sowie schwachen Frauen, die unter dem Schein der Gerechtigkeit das Ordenskleid tragen. Viele verführen sie, indem sie wie alle Häretiker Stellen der Schrift in irreführender Darstellung herausreißen und loslösen. Besonders betören und verführen sie viele [S. 240] wegen des hohen Allers jenes schändlichen Greises, des verfluchten Hannânâ. Hütet euch, sehet zu und bewahret euch vor ihrem Umgang, damit ihr euch nicht zu ihrer verderblichen Lehre hinziehen lasset, sonst wäret ihr als Heiden besser daran gewesen und wäret nicht Abtrünnige ohne Hoffnung. Denn wenn alles nach dem Fatum geschieht, wie der gottlose Hannânâ und seine Schüler lehren, und es weder Gericht, noch Lohn und Strafe gibt, so ist das Christentum und seine Gesetze überflüssig, und alle, die an Christus geglaubt, seine Gebote gehalten und für ihn gelitten, sind zunichte geworden. Dann sind Fasten, Almosen, Enthaltsamkeit und die übrigen Werke, die um der Tugend willen geübt werden, überflüssig und nutzlos. Lasset uns also essen und trinken; denn morgen sterben wir3. Auch eure Mühen und Abtötungen, die ihr in der Fremde um der Liebe Christi willen ertragen wollt, sind überflüssig und nutzlos und die Hoffnung ist eitel. Ferne sei das. Denn Christus ist wahrhaftig in seinen Befehlen und treu in seinen Abmachungen, und jeder wird nach seiner Arbeit seinen Lohn empfangen."

1: H. aus Hdajab, i. J. 527, i. J. 572 Nachfolger des Abraham bar Kardâhê an der Schule v. Nisibis. Geriet bald in den Ruf der Häresie, zunächst weil er die Autorität des offiziellen Exegeten, Theodor v. Mopsueste, verwerfend sich an den (von den Monophysiten hochgeschätzten) Chrysostomus anschloß. Schon die Synode Ischô'jahb I. i. J. 585 wendet sich in Kanon 2 in leidenschaftlichen Worten gegen diese Exegese, ohne H. zu nennen (Synhados, S. 196 ff). Unter dem Schütze des Bischofs Simon konnte sich H. trotzdem halten und gab noch i. J. 590 neue Schulstatuten heraus. Die Schule zählte unter ihm (Mare, S. 48) 800 Schüler. Hauptsächlich die Opposition der Mönche des benachbarten Izala führte zur Gründung neuer Konkurrenzschulen und zum Zerfall der altberühtnten Schule. Trotzdem wendet auch die Synode des Sabrîschô', im Mai 596 sich, ohne Namen zu nennen, bloß gegen diejenigen, welche die Kommentare Theodors verwerfen und sagen, „die Sünde sei in der Natur gelegen" (Erbsünde?), „Adam sei von Anfang an unsterblich geschaffen," „welche die göttliche und menschliche Natur unseres Herrn leugnen, oder eine Vermischung, Vermengung oder Verwirrung in die Einheit des Sohnes Gottes hineintragen, oder Leiden, Tod oder irgendeine Verletzung der Menschheit irgendwie der gepriesenen Natur seiner Gottheit zuschreiben." (Synhados, S. 283 f.) — Sicher scheint somit H. von origenistischen und monophysitischen Gedanken beeinflußt. Der Vorwurf des Fatalismus dürfte aus seiner Verwerfung der pelagianischen Gnadenlehre Theodors, der des Chaldäertums aus seinem Origenismus zu erklären sein. Seine zahlreichen, hauptsächlich exegetischen Schriften s. B. O. III, S. 83 f. Oriens christianus I, S. 330f. P. 0. VII, 1. S. 7ff.; 55ff. 68ff.
2: Matth. 24, 24.
3: Is. 22, 13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger