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Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer
21. Mâr Gîwargîs

22.

Als unser Vater, Mâr Gîwargîs, das hörte, staunte er und wunderte sich über diese Sache und über die erhabene Gesinnung, die dieses Mädchen in kurzer Zeit erworben, sowie darüber, daß es ihm vor diesem Gedanken seiner Schwester nicht in den Sinn gekommen war, seine Heimat und sein Haus zu verlassen und in die Fremde zu gehen, da er von der Taufe und seinem Übertritt vom Heidentum keinen Schaden gehabt hatte. Auch hatte er in den Gesetzen des Christentums recht gelebt, so wie rechtschaffene Leute in der Welt leben sollen; er hatte beständig die Schulen besucht und sich um alle Gott versöhnenden guten Werke bemüht. Als er nun die Worte seiner heldenhaft vertrauenden und hoffenden Schwester hörte, begann er, wie er mir erzählte, zu staunen und nachzudenken: „Wie hat dieses in Vergnügen erzogene Mädchen, das noch nicht [S. 235] zwanzig Jahre alt ist, soeben erst getauft wurde, das große Reichtümer besitzt, beständig und wandellos geehrt wird und Erholungen und Vergnügungen findet, in kurzer Zeit, sogleich mit dem Katechumenat und der Taufe ihren Sinn von der Ehe abgewendet und ihren Mann, alle vergänglichen Ehren und sogar das unmündige Söhnchen, das sie gebar, verleugnet. Siehe, sie hat die Welt gänzlich gekreuzigt und eilt, ihre Heimat mit der Fremde zu vertauschen, um ihre Heiligkeit, Keuschheit und Sittsamkeit zu bewahren, damit ihr Sinn durch nichts von der Liebe Christi mehr abirre. Ich aber bleibe bei meinem Weibe in den gleichen Ehren und Vergnügungen, die mir als Christen sich sogar verdoppeln. Ja, ich erkenne den Weg und die darauf (gegründete) Hoffnung besser als das Kind Maria. Beständig lese und vernehme ich: ,Jeder, der nicht Weib und Kinder und all seine Habe verläßt, sein Kreuz nimmt und mir folgt, kann mein Jünger nicht sein‘11). Selig preist er die Armen und wehe ruft er über die Reichen; wehe den Satten und selig den Hungernden, und so weiter (gemäß den Worten des Herrn), an die ich glaube und (in denen) ich getauft bin. Und (er sagt), daß die wahren Christen durch viele Pein in das Himmelreich eingehen müssen. Es ist wahrlich für mich große Schande und Beschämung für mich, daß, nachdem meine Schwester von hier fortging um des Christentums willen und um ihre Keuschheit und Heiligkeit in fernen Ländern in Klausur mit keuschen (Frauen) zu hüten, ich hier bleibe, wo man mich kennt und ehrt, in frohem Verkehr mit meinen Freunden. Wie kann ich mich an dem Tage der Vergeltung verteidigen, daß ich, aus dem Heidentum gerettet, nicht getan, was alle wahren Christen und Anbeter Christi zu tun schuldig sind, gleich diesem jungen, schwachen, in Vergnügungen aufgewachsenen Mädchen? Vor jenem gerechten Richterstuhl, wo es kein Ansehen der Person gibt, bleibt mir kein Reichtum, nützt keine Ehre, befreien keine Brüder, rettet kein Weib, nützen keine Kinder. Vor jenem schrecklichen Tribunale [S. 236] (βῆμα) Christi wird jedem persönlich vergolten für das, was er getan, es sei gut oder schlecht."

1: Luk. 14, 26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger