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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
VI. Kapitel

36.

1. Über diese Fragen der Natur gibt, wie ich meine, auch die Tragödie Aufklärung, wenn sie sagt:
"Ohne Unterlaß geht und in ewigem Fluß,
Die Zukunft im Schoß bei sich tragend, die Zeit
Und gebiert sich selbst, und das Zwillingsgestirn
Der Bären bewacht mit dem hurtigen Schwung
Seiner Flügel den Pol, den des Atlas Kraft trägt."1

2. Atlas kann aber der nicht leidende2 (d.h. keiner Bewegung unterliegende) Pol sein oder auch die unbewegliche Himmelssphäre; vielleicht ist es aber besser, sich unter ihm die unveränderliche Ewigkeit zu denken.

3. Ich halte es aber für richtiger, daß die Bundeslade, deren griechischer Name (xxx) kibotós von dem hebräischen Wort thebotha3 herkommt, etwas anderes bedeutet. Das Wort wird übersetzt mit "eines statt eines anderen von allen Orten".4 Ob damit nun die Achtzahl und die geistige Welt5 oder auch Gott gemeint ist, der alles in sich schließt und gestaltlos und unsichtbar ist, das wollen wir für jetzt dahingestellt sein lassen. Jedenfalls bedeutet aber die Bundeslade die Ruhe [S. 150] zusammen mit den Gott lobpreisenden Geistern, auf die die Cherubim hinweisen.6

4. Denn derjenige, der befahl, kein geschnitztes Bildnis zu machen,7 hätte doch nie ein Bildnis der Heiligen (der Engel) hergestellt; und es gibt überhaupt kein so beschaffenes, zusammengesetztes und sinnlich wahrnehmbares Lebewesen im Himmel; vielmehr ist ihr Antlitz Sinnbild einer vernünftigen Seele, die Flügel aber sind die im Himmelsraum sich vollziehenden Dienste und Wirkungen von rechten und zugleich linken Mächten; die Stimme aber ist dankbarer Lobpreis in unaufhörlichem Schauen.

1: Die Verse stammen aus der Tragödie Peirithus, die teils dem Euripides (Fr. 594), teils, was richtiger ist, dem Kritias (Fr. 18 Diels, Vorsakr. 5. Aufl. II 384,3) zugeschrieben wurde. Mit dem Pol ((xxx)) ist hier das nördliche Ende der Himmelsachse (der Nordpol) gemeint, um den sich die Sternbilder des Großen und Kleinen Bäre drehen. Ganz ähnlich sagt Cicero, De nat. deor. II 105: Hunc (Polum) circum Arctoe duae feruntur numquam occidentes. An anderen Stellen bedeutet (xxx) entweder Himmelsachse oder den Himmelskreis und den Himmel selbst. Atlas trägt nach anderer Vorstellung das Himmelgewölbe.
2: Der Name Atlas wurde von (xxx) privativum und (xxx) abgeleitet.
3: Das Wort (xxx) wird in der Septuaginta sowohl von der Arche als auch von der Bundeslade gebraucht; es stammt von dem kaldäischen Wort thebutha, das selbst nichthebräischen Ursprungsist. Die Bezeichnung des Alten Testaments für Arche ist thebah, für Bundeslade aron.
4: Diese Übersetzung scheint sich sonst nicht zu finden.
5: Vgl. Philon, Quaest in Exod. II 68 = Tischendorf, Philonea inedita, p. 150, 14 f.
6: Vgl. Jes 11,2; 6,3.
7: Vgl. Ex 20,4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger