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Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer
3. Pûsai

10.

Als der König diese harten (Worte) hörte, wurde er verwirrt und sprach zu den (Klein)königen und Vornehmen, die vor ihm saßen: „Genügte es dieser gottlosen Seele nicht, die Götter nicht anzubeten, sondern (muß er sie) auch verspotten?" Der in seiner Hoffnung mutige Pûsai sprach: „Ich verspotte niemand, bester der Männer. Wenn aber meine Worte für Spott erachtet werden, so spottet durch sie die Lehre der Magier, nicht ich." Der König sprach: „Du hast einen Teufel und ich bin sicher, daß jene Zauberer dir den Verstand geraubt. Deshalb bist du plötzlich ein Hasser meiner Befehle, ein Feind meiner Majestät und ein Verspotter meiner Götter geworden. Ich aber ertrug [S. 68] dich durchaus und rate dir jetzt: laß ab von dieser törichten Gesinnung und stehe ab von dieser schlechten Meinung. Zittere vor der Fortuna (gad) Schâpûrs, des Königs der Könige, dessen Natur von den Göttern ist. Gedenke der Ehren, die ich dir austeilte, und bereue, was du zuvor gesprochen. Beichte deine Sünden vor dem Großmagier und nimm die dir gebührende Zurechtweisung an, wie sie unsere Lehre für die Büßer vorschreibt1. Dann werde ich deine Ehre mehren und dich beneidet machen an Geschenken. Wenn du aber nicht gehorchst, so habe ich vor allen Göttern einen Bund festgesetzt, daß ich dich eines bösen Todes voll Schrecken sterben lassen werde, um durch dich alle in Furcht zu setzen, die die Lehre jener Zauberer festhalten und gleich dir irren." Der herrliche Pûsai sprach: „Guter König, lebe in Ewigkeit und stehe in Ewigkeiten. Höre mich, Herr, König; ich habe niemals einen Teufel gehabt noch habe ich ihn jetzt. Auch hat mich kein Zauberer verführt. Sondern Christ bin ich von Jugend an. Die Christen treiben aber die Teufel aus; sie sind Gegner der Zauberer und verurteilen sie zum Tode. Niemals hegte ich auch schlechte Gesinnung, noch hege ich sie jetzt; sondern (ich hege) die selige, gerechte und einem Diener Gottes geziemende Gesinnung, Auch gedenke ich der von deiner Majestät erhaltenen Ehre; aber ich vergesse auch nicht die Ehre meines Gottes, die alle Ehren übertrifft; sondern sie ersehne und ver- [S. 69] lange ich. Bei meinem Gott, dem Schöpfer Himmels und der Erde und von allem, was in ihnen ist, der der König der Könige ist, schwöre ich, diesem deinem Befehle nicht zu gehorchen, meinen Gott nicht zu verleugnen, noch Sonne, Mond, Feuer, Wasser oder irgendein Geschöpf mit der Anbetung, die Gott allein erwiesen wird, anzubeten. Für jeden harten und schweren Tod ist mein Leib bereit und meine Seele gerüstet; tu was immer du willst; du hast Gewalt über mein Leibesleben; nimm es mir, wie du begehrst." Der König sprach: „Sieh, was du dir selbst antust. Gedenke, wie ich dich ertragen. Mehr als gegen Simon, der mein Freund war, war ich gegen dich langmütig. Beachte, was Simon traf, der gegen meinen Befehl sich erhob, meinem Worte widerstand und mit vielen der Seinigen durch das Schwert fiel. Obwohl du sahst, was ihm geschah, wagtest du ein großes Wagnis, schlimmer als das seinige. Sieh, du bestehst auf deiner harten Leidenschaft; wir, die Götter, raten dir, aber du hörst nicht auf uns. Jetzt schwöre ich bei den Göttern: ich werde dich später nicht mehr verhören. Wenn du am Schlusse dieses Verhörs meinen Willen tust, (ist es gut); wenn nicht, werde ich dich mit einem bitteren Tode quälen." Der herrliche Pûsai antwortete: „Nach dem Wohlgefallen deiner Majestät warst du gegen mich langmütig und aus Güte ertrugst du mich. Jetzt bitte ich deine Herrschaft, dich nicht zu bemühen und gegen mich, den Abschaum deiner Knechte, nicht bloß Worte zu gebrauchen, sondern wirklich nahe mir nun der Tod, den du mir bereitet hast. Denn eines ist unser, der Christen Wort, wie wir von dem Herrn gelernt2: ,Es sei eure Rede ja, ja, und nein, nein.‘ Wenn du, König der Könige, jenes Geschenkes des Todes für Gottes Religion mich würdigst, so genügt meine Zunge nicht, deiner barmherzigen Majestät Dank zu sagen. Denn unter allen Ehren, Geschenken und Gnaden, die ich von deiner Majestät empfing, ist keine wie diese. Denn vorzüglicher ist diese Ehre als (alle) Ehren und größer ist dieses Geschenk als alle in deiner und aller Könige [S. 70] Schatzkammer befindlichen Schätze. Denn Gott ist ihr Geber und durch dich will er sie mir und meinen Genossen geben. Jetzt wisse deine Majestät, daß weder du, König der Könige, noch alle Könige unter dem Himmel, noch alle Engel Gottes3, weder Höhe noch Tiefe, noch alle stummen Naturen, falls sie auch vernünftigen Mund besäßen, mich trennen können von der Liebe des Gottes der Wahrheit, dem wahren Wesen, unserem Schöpfer und unserem Herrn, dem Erlöser Jesus Christus."

1: Nach paraischer Lehre ist die Buße eine innere und äußere. ,Die äußere Pflicht besteht darin, daß die Sünde, an die sich der Büßende gebunden weiß, speziell von ihm bekannt werden muß; die geistige Pflicht besteht darin, daß er derselben entsage mit dem Gedanken: „ich werde nicht mehr sündigen.“ Die noch vorhandenen vor dem Priester (destûr) abzulegenden Formeln des Bekenntnisses (patêt) beginnen mit einem Gebet, einem Lobpreis Gottes, einer Ankündigung der guten Gedanken, Worte und Werke. Es folgt eine Aufzählung der Sünden "in Gedanken, Worten und Werken" nach ihrer Schwere. Den Schluß bildet ein Akt des Glaubens an Ahuratnazda und an die Wahrheiten des Glaubens. Die aufzulegenden Bußen waren systematisch entsprechend den Gewichten der Goldwage des Totenrichters Raschnû geordnet. Vgl. Casartelli, La Philosophie religieuse du mazdéisme sous les Sassanides (Paris 1884) S. 159 ff.
2: Matth. 5, 37.
3: Vgl. Röm. 8, 39.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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