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Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer
3. Pûsai

16.

Da die Feinde unseres Volkes sahen, daß von den hundertdrei Leichen der tags zuvor Getöteten nichts dort geblieben war, sondern daß sie alle weggenommen und begraben waren, und daß auch die Stellen, an denen Blut vergossen war, unkenntlich waren, indem der Staub, auf dem Blut vergossen war, als Eulogie und Segens(mittel) weggenommen war, befahl er (der Môpêt?), daß Wächter bei der Leiche des Seligen sitzen sollten1. Aber Gott ließ schweren Hagel auf die Wächter fallen. Nicht überall; sondern der Hagel schied zwischen den ungläubigen Wächtern und wachenden Gläubigen, wie der Todesengel zwischen den Erstgeborenen der Israeliten und Ägypter schied. Die Wächter flohen und kamen in die Stadt, vor Schmerzen schreiend und jammernd. Einer aber aus der Menge derer, die dort wachten, stand mit seinem Knechte von seinem Platze auf; sie traten hinzu, legten die Leiche des herrlichen Pûsai in einen Sack, legten sie auf einen Esel und brachten sie in die Stadt. Als sie in die Stadt kamen, entstand plötzlich, bevor sie zu ihrem Hause kamen, große Finsternis. Während die Leute wegen der Finsternis hierher und dorthin strauchelten, ging der Esel vor ihnen her, wendete sich aber nicht nach dem Hause seines Herrn, sondern ging einen anderen Weg und kam und blieb stehen an der Türe einer deportierten Bundestochter von aszetischem Wandel, die ihr ganzes Leben in Enthaltsamkeit verbrachte und nie ihr Haus verließ. Als nun tags zuvor der selige Simon, seine Genossen und Brüder und dann auch Pûsai gekrönt wurden, weinte und seufzte sie, daß sie die ihr gesteckte Grenze [S. 75] nicht überschreiten konnte und deshalb gehindert war, den Segen der Heiligen zu empfangen. Aber der Herr beraubte sie nicht ihrer Sehnsucht. Als nämlich der Esel, der die Leiche des seligen Pûsai trug, an der Türe des Hofes jener Seligen stehen blieb und die Magd zur Zeit des Hahnenschreies die Hoftüre öffnete, um hinauszugehen, lief der Esel in den Hof. Die Magd erschrak und sprach zu der Seligen: „Ein Esel mit einer Last lief in den Hof und sieh, er steht da." Die Selige sprach zu ihrer Jüngerin: „Führe ihn hinaus." Das Mädchen zerrte ihn sehr, um ihn hinauszubringen, aber er bewegte sich nicht von seiner Stelle. Da er nicht hinausgehen wollte, kam. auch die Selige in den Hof und sie zogen ihn beide oftmals und schlugen ihn; aber er ging nicht hinaus. Da sagte die Selige zu ihrer Jüngerin, sie möge ihren Bruder rufen, der in der Nachbarschaft wohnte, daß er komme und ihn hinausbringe. Der Bruder kam, nahm einen Stock und schlug den Esel sehr; aber er wollte nicht hinausgehen und bewegte sich nicht einmal von seiner Stelle. Da trat er hinzu, berührte die Last und sah, daß es eine Leiche war, und daß aus dem Sack Fäulnis und Blut floß. Er sprach zu seiner Schwester: „Bring mir eine Lampe, Schwester; wir wollen sehen, ob das nicht eine uns gesendete Gabe Gottes ist." Als sie die Lampe brachten, die Last herunternahmen und den Sack öffneten, sahen sie, daß es eine Leiche war. Sie schauten ihr ins Gesicht und sahen, daß es Pûsai war. Denn sie kannten ihn, da er aus ihrer Stadt war, und besonders, weil die Stelle an seinem Nacken, durch die seine Zunge herausgerissen war, es bezeugte. Sobald sie dem Esel die Last abgenommen, lief er hinaus und wendete sich nach dem Hause seines Herrn, der sich aus Furcht vor den Persern gescheut, nach der Leiche zu forschen. Die Selige und ihr Bruder salbten die Leiche, wie es sich geziemt, mit großem Eifer und begruben sie in Ehre, damit sie für ihre Landsleute ein Schatz des Segens sei. Das geschah durch die Fügung Gottes, dem Ehre sei durch den Mund von uns allen in Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.

1: Diese in den Akten häufig berichtete Verordnung hängt mit dem religiösen Brauche der Parsen zusammen, die Toten nicht zu begraben, sondern an ummauerten Plätzen den Raubvögeln auszusetzen. So wirft Jezdegord II nach Elischo (ed. Venedig 1864 S. 76) den Christen vor, daß sie durch das Begräbnis die Erde verunreinigen. Und im Friedensvertrag zwischen Kosrav I und Justinian i. J. 563 wurde den persischen Christen das Begräbnisrecht zugesichert. Menander (bei Dindorf Hist. gr. min. II, 24).

 

 

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