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Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer
2. Mâr Simon und Genossen

8.

Die Juden, Leute, die jederzeit gegen unser Volk sind, welche die Propheten töteten, Christum kreuzigten, die Apostel steinigten1 und beständig nach unserem Blute dürsten, fanden Gelegenheit zur Verleumdung. Und weil sie durch ihre Verbindung mit der Königin, ihrer Glaubensgenossin22), freie Rede hatten, [S. 14] begannen sie, den herrlichen Simon zu verleumden: „Wenn du, o König der Könige, Herr der ganzen Erde, dem Kaiser (καῖσαρ) lange und weise Schreiben deiner Majestät, herrliche Geschenke und prächtige Ehrengaben schickst, so finden sie vor seinen Augen keine Anerkennung. Wenn aber Simon ihm einen verächtlichen, kleinen Brief schickt, so steht er auf, adoriert, nimmt ihn mit beiden Händen und erfüllt sofort seinen Befehl. Überdies hast du kein Staatsgeheimnis, das er nicht sofort dem Kaiser (καῖσαρ) schriebe und mitteilte." Die Juden sind nämlich gewohnt, jederzeit falsches Zeugnis zu geben, und wie gegen den Herrn, so gaben sie auch gegen seinen Diener Simon falsches Zeugnis. Aber diejenigen, welche gegen den Herrn falsches Zeugnis gegeben, wurden verworfen und fielen durch das römische Schwert zur Zeit der Zerstörung ihrer Stadt. Ebenso fielen die, welche gegen Simon Böses bezeugten, durch das Schwert in der Hand der Perser. Dort hatten sie gerufen3: „Wir haben keinen König als den Kaiser" und waren durch das Schwert des Kaisers gefallen. Hier rühmten sie sich des Königs Schâpûr und wurden von ihm getötet. Die Ursache davon müssen wir kurz berichten. Nach vierundzwanzig Jahren, als Constans und Constantius, die Söhne Constantins des Großen, gestorben waren4, kam Julianos zur Herrschaft über die Römer. Sofort opferte er den Götzen, und um die Prophezeiung Christi über die Zerstörung Jerusalems5: „Nicht wird darin ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht zerstört würde", Lügen zu strafen, befahl er den Juden seines ganzen Reiches, nach Judäa zu ziehen, Jerusalem und den Tempel aufzubauen und nach Vorschrift des Gesetzes die Opfer darzubringen. Es kamen viele und begannen, die Grundmauern Jerusalems aufzugraben. Unterdessen kam ein Betrüger nach Persien und verkündete allen Juden: „Es ist die [S. 15] von den Propheten verkündete Zeit der Rückkehr. Ich erhielt von Gott den Befehl, euch die Rückkehr anzukündigen; kommet." Jener Betrüger kam auch nach Mâhôzê in Bêt Arâmâjê6 und betrog Tausende von Juden. Sie brachen auf, zogen aus Mâhôzê wegen der Hoffnung auf die Heimkehr und entfernten sich drei Parasangen von der Stadt. Als Schâpûr das erfuhr, schickte er seine Streitmacht aus, die viele Tausende von ihnen tötete. Hiermit haben wir so kurz als möglich über die Judenmetzelei unter König Schâpûr berichtet und wollen (wieder) zu unserer Geschichte kommen7.

1: Ebenso Nr. 11 und 12.
2: Üher jüdische Einflüsse auf den Hof, die Königin Mutter Ifrâ Hôrmîz und die Verfolgung s.Tabari, S. 52, 68; Labourt, S. 58; Kmosko S. 693 f. Vgl. auch den allerdings apokryphen Brief Papas an Helena: „Nicht nur vor den Heiden fürchten wir uns, sondern auch vor den Juden und Marcioniten, welche, seitdem sie in eurem Gebiet durch die Macht eurer Majestät unterdrückt wurden, vor eurem Befehl hierher flohen und kamen. Vollkommenen Haß und . . . bringen sie uns entgegen und jederzeit erdichten sie gegen uns falsche Anklagen und sind unsere Ankläger vor den weltlichen Richtern." (Zeitschr. f. kath. Theologie 18, 164). — Nestorianische Chronik von Seerd (P. O. IV, 3, 87): "Schâpûr liebte den Metropoliten Simon sehr. Aber die Juden, die Genossen Satans, die seine böse Gesinnung gegen die Christen kannten, täusohten ihn, indem sie sagten, Simon, das Haupt der Christen, hat Große der Magier zu der Christenreligion bekehrt und das Ärgste ist, daß er die Mutter des Königs getauft. Ihr Vater war nämlich ein Jude."
3: Joh. 19, 15.
4: Die Rechnung geht aus vom Tode Constantins, 337.
5: Matth. 24, 2.
6: Mâhôzê in B. A. zum Unterschied von anderen gleichnamigen Städten ist gleich dem späteren arab. Madâin Sammelnamen für den Komplex der am Tigris gelegenen Königsstädte. Über die Judeu in Mâhôzê s. Neubauer: Géographie du Talmud (Paris 1868) S. 356 f.
7: Das Martyrium bei Assemani hat darüber S. 20 kurz: „Auf ihre Häupter kam die Gewalttat in der Ausrottung vieler Tausender, die plötzlich über sie kam, weil sie sich zur Erbauung von Jerusalem versammelt hatten, um hinzugehen auf die Worte eines Betrügers."

 

 

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