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Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer
2. Mâr Simon und Genossen

5.

Der heilige Simon antwortete ihnen mit großer Demut, ohne in seinem Mute verwirrt zu werden: „Ich adoriere den König der Könige und ehre seinen Befehl aus ganzer Kraft. Aber bezüglich dessen, was sein Befehl von mir verlangt, glaube ich, daß auch ihr überzeugt seid, daß es mir nicht zusteht, Steuer (und) Kopfgeld vom Volke Christi, meines Herrn, zu fordern1. Denn unsere Macht über sie bezieht sich nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare, das heißt auf den Glauben an unseren Herrn, die Wahrheit unserer Lehre, die Frömmigkeit lehrende Demut, keusche, den Sinn der Hörer nicht verderbende Bitte, reine und beständige Gebete, ermüdendes Wachen, seufzendes Flehen, starkes Rufen, überströmende Gottesliebe, indem wir um Erbarmen flehen für den König, seine Diener und all [S. 10] seine Grenzen, damit die Kriege aufhören, und der Friede auf dem Erdkreis viel sei2. Wenn wir weltliche Gewalt hätten, würden wir nicht in diesen Sitten wandeln, sondern nach weltlicher Art (τάξις) und Weise (σχῆμα) leben. Zugleich bitte ich eure Macht und euren Adel und wünsche zu erfahren, von wem das Geforderte gefordert wird. Wenn von Reichen, so weiß jedermann, daß wir arm sind und des üppigen Mammons ermangeln. Wenn von Trägen, so habt ihr ebenfalls erfahren, daß von uns niemand im Dienste des Königs müßig ist, da wir alle der Steuerordnung (τάξις) unterstehen. Wenn von Feinden, so hat sich vielleicht mancher aus euch überzeugt, daß wir alle Menschen lieben, besonders aber den König der Könige. Wenn geschrieben steht3, daß wir unsere Hasser lieben und für unsere Feinde beten sollen und den, der uns flucht, segnen sollen, um wieviel mehr müssen wir dann eure Gewalt lieben und für den König beten, dessen Majestät Gott uns unterwarf und in dessen Reich er uns wohnen ließ? Denn unsere Schriften befehlen uns4: „Jede Seele sei den Gewalten der Oberherrschaft unterworfen, und es ist keine Gewalt, die nicht von Gott ist und die, welche sich gegen sie erheben, werden Gericht erhalten." Auch ist uns befohlen, für die Könige und Großen zu beten. Denn es spricht einer unserer Lehrer5: „Vor allem sollt ihr Gebet darbringen für die Könige und die Großen." Da uns also unsere Schriften so befehlen, wie können wir Hasser und Feinde des Königs der Könige sein und als Gegner Gottes erfunden werden, der uns so durch unsere Lehrer befiehlt?" 6

1: Sachlich ist das allerdings nicht richtig, indem sowohl im persischen Reiche wie in den muslimischen Staaten die Patriarchen jederzeit auch die politische Vertretung ihrer Gläubigen der Staatsgewalt gegenüber ausübten.
2: Liturgische Formel? Vgl. 1 Tim. 2, 2.
3: Luk. 6, 27. 28.
4: Rom. 13, 1. 2.
5: 1 Tim. 2, 2.
6: Eine bedeutend kräftigere Sprache läßt das von Assemaui herausgegebene Martyrium Simon brieflich sprechen. Es heißt darin (p. 17sq.): „Christus ist der König der Könige, und das Joch eurer Knechtschaft nehmen wir nicht auf unsre Schulter. Ferne sei uns den Befreiten, wieder als Knechte einem Menschen zu dienen. Unser Herr ist der Herr eurer Herrschaft. Deshalb nehmen wir die Herrschaft über unsere Brüder nicht auf uns. Unser Gott ist der Schöpfer eurer Götter und die Geschöpfe beten wir nicht aν wie ihr. Er hat uns befohlen: Besitzet nicht Gold noch Silber, um euch Steuer zu zahlen. Und der ehrwürdige Apostel des Herrn sagt: Ihr seid erkauft um teuren Preis; seid nicht Knechte der Menschen (1 Kor. 7, 28)". Der Brief ist natürlich unecht (vgl. Kmosko, S. 706 f.); aber er erweist sich dadurch als einer jüngeren Rezension angehörig,

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger