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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch

V. Kapitel

27.

[S. 140] 1.1 So hängen auch die sinnbildlichen Weisungen (die Symbole)2 des Pythagoras in ganz geheimnisvoller Weise von der barbarischen Philosophie ab. Der Samier mahnt z.B. "keine Schwalbe im Hause zu haben",3 das heißt, man solle keinen geschwätzigen und klatschsüchtigen und im Reden vorschnellen Menschen,4 der das, was ihm mitgeteilt wird, nicht bei sich behalten kann, in sein Haus aufnehmen.

2. "Denn die Schwalbe und Turteltaube und die Feldsperlinge kennen die Zeiten ihres Kommens",5 sagt die Schrift, und man soll mit der Geschwätzigkeit nie zusammenwohnen.

3. Indessen wird die Turteltaube wegen ihres Gurrens, mit dem sie auf die undankbare Übelrede der Unzufriedenheit hinweist, mit Recht aus dem Hause verbannt.
"Daß ihr mir nicht vorgurret, von hier und von dort mich umdrängend!"6

4. Die Schwalbe aber, die7 an die Sage von Pandion erinnert,8 verdient es, daß wir sie mit Abscheu von uns fernhalten wegen der von ihr erzählten Leidenschaften, infolge deren Tereus das eine erlitten, das andere auch [S. 141] verübt hat, wie uns berichtet ist.9 Sie verfolgt aber auch die sangesfrohen Grillen;10 darum wird mit Recht der Verfolger des Wortes verstoßen.

5. "Bei Hera, der Szepterbewehrten, die vom Olymp herabblickt,
Treu bewahrt ist bei meiner Zunge die Mitteilung,"11
sagt die Dichtung.

6. Und Aischylos sagt:
"Es liegt zur Sicherheit ein Schloß auf meinem Mund."12

7. Ferner ordnete Pythagoras an, "man solle, wenn man einen Topf vom Feuer genommen habe, den Abdruck (xxx) in der Asche nicht belassen, sondern ihn verwischen" und "man solle beim Aufstehen vom Lager das Bett aufschütteln".13

8. Damit deutete er an, daß man nicht nur den Dünkel (xxx)14 beseitigen müsse, sondern auch, daß man vom Zorn auch keine Spur zurücklassen dürfe, vielmehr ihn, wenn er aufgehört habe aufzubrausen, zur Ruhe bringen, und daß man alles Nachtragen des Bösen in sich austilgen müsse.15

9. "Die Sonne soll über eurem Zorn", sagt die Schrift, "nicht untergehen."16 Und derjenige, der sagte: "Du sollst nicht begehren!",17 wollte alle Unversöhnlichkeit austilgen.

10. Denn der Zorn wird als das begehrliche Streben einer sonst sanften Seele erfunden, da er vor allem in unvernünftiger Weise nach Rache begehrt.18

1: Zu den Abschnitt über die pythagoreischen Symbole 27,1 – 31,2 vgl. Plut. Moral. p. 727 B ff.; Porphyrios, Vita Pyth. 42; Iambl. Protr. 21; Diog. Laert. VIII 17 ff.; C. Hölk, De acusmatis sive symbolis Pythagoreicis, Diss. Kiel 1894.
2: Die gewöhnlich als Akusmata bezeichneten Lehren der Pythagoreer hießen (xxx), weil man sie als Zeichen geheimer und mystischer Weisheit ansah, die nur durch kunstvolle Auslegung erkannt werden konnte; vlg. Hölk a.a.O. S. 17 f.
3: Pythagoras, Symb. 7 Mullach FPG I p. 505.
4: Vgl. Plut. Moral. p. 727 D.
5: Jer 8,7.
6: Hom. Il. 9,311.
7: Ich übersetze die überlieferte Lesart ((xxx) statt(xxx)).
8: Pandion verheiratete seine Tochter Prokne an Tereus; dieser verführte deren Schwester Philomele und schnitt ihr die Zunge aus; als Prokne dies erfuhr, schlachtete sie ihren und des Tereus Sohn Itys und setzte die Glieder gekocht dem Vater vor. Alle drei wurden verwandelt, Tereus und den Wiedehopf, Prokne nach der gewöhnlichen Sage in die Nachtigall und Philomele in die Schwalbe. Aber bei Clemens und bei Plutarchos liegt die andere, auch sonst vorkommende (z.B. bei Hyginos, Fab. 45) Sagenform zugrunde, wonach Prokne in die Schwalbe und Philomene in die Nachtigall verwandelt wurde.
9: Vgl. Plut. Moral. p. 727 D.
10: Vgl. ebd. p 727 F; Protr. 1,2.
11: PLG Adesp. 87 Bergk; 13 Diehl (Anthol. lyr. II 319).
12: Aischilos Fr. incert. 316.
13: Pythagoras, Samb. 10,33 Mullach FPD I p. 505 f.
14: Es ist offenbar das Wortspiel (xxx) und (xxx) beabsichtigt.
15: Vgl. Plut. Moral. p. 728 B.
16: Eph. 4,26.
17: Ex 20,17.
18: Es liegt hier wohl eine stoische Definition vor.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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