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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
V. Kapitel

31.

1. Ein anderes Beispiel (für die Entlehnungen aus der Heiligen Schrift) ist folgendes: Das Evangelium und die Apostel ebenso wie alle Propheten stellen zweierlei Weg vor Augen und nennen den einen, den durch die Gebote und Verbote eingeengten, "eng und schmal", den entgegengesetzten aber, der zum Verderben führt, "breit und bequem",1 da er die Lüste und die Leidenschaft nicht hindert, und sie sagen: "Glückselig der Mann, der nicht im Rat der Gottlosen wandelt und nicht auf den Weg der Sünder [S. 145] tritt."2

2. Hiervon ist sowohl die Erzählung des Prodikos von Keos über die Tugend und das Laster3 abhängig als auch Pythagoras, der sich nicht scheut zu verbieten, "auf den Heerstraßen zu gehen",4 womit er anordnet, daß man den Meinungen der Masse nicht folgen dürfe, da sie verworren und widerspruchsvoll seien.5

3. Aristokritos aber erwähnt in dem ersten Buch seiner Schrift "Gegen die Ansichten des Herakleodoros" einen Brief mit folgendem Wortlaut: "Der Skythenkönig Atoias an das Volk von Byzanz. Schädigt meine Einkünfte nicht, damit nicht meine Pferde euer Wasser tinken!"6 Sinnbildlich kündigte der Barbar auf diese Weise den ihnen drohenden Krieg an.

4. Ähnlich läßt auch der Dichter Euphorion den Nestor sagen:
"Die wir noch nicht im Simoeis tränkten achaiische Stuten."7

5. Deshalb stellen auch die Ägypter vor den Tempeln die Sphinxbilder auf, um damit anzudeuten, daß die Lehre von Gott voller Rätsel und schwer verständlich sei, vielleicht aber auch um anzuzeigen, daß man die Gottheit lieben und fürchten muß,8 und zwar lieben, weil sie gegen die Frommen mild und gütig ist, fürchten aber, weil sie gegen die Gottlosen unerbittlich gerecht ist; denn die Sphinx weist auf das Bild eines wilden Tieres und auf das eines Menschen hin.

1: Vgl. Mt 7,13 f.; Lk 13,24.
2: Ps 1,1.
3: Vgl. Prodikos Fr. 2 Diels, Vorsokr. 5. Aufl. II 313, 4; Xenophon, Memor. II 1,21-34; Cic. De off. I 32,118.
4: Pythagoras, Symb. 14 Mullach FPG I p. 505.
5: Vgl. Philon, Quod. omn. prob. lib. 2.
6: Aristokritos Fr. 4 FHG IV p. 336.
7: Euphorion Fr. 75 Meineke.
8: Vgl. z.B. Dtn 10,22; 11,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger