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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
V. Kapitel

30.

1. Außerdem hat Pythagoras das, was Moses über die Gerechtigkeit gesagt hat, kurz in dem einen Wort zusammengefaßt, "man solle nicht über den Waagebalken hinausgehen",1 das heißt, man solle bei Verteilungen nicht gegen die Gleichheit verstoßen, vielmehr die [S. 144] Gerechtigkeit ehren,

2. "die den Freund mit Freunden stets
Und Staat mit Staaten, Kämpfer mit Mitkämpfern eint;
Denn Gleichheit ist es, was das Recht bei Menschen schafft;
Dem Mehr jedoch erhebt sich immer als ein Feind
Das Weniger, und schnell beginnt es bittern Streit",2
wie der Dichter sich so fein ausdrückt.

3. Deshalb sagt der Herr: "Nehmt mein Joch auf euch; denn es ist gut und drückt nicht."3 Und als sich seine Jünger über den Vorrang stritten, legt er ihnen zugleich mit der Mahnung zur Einfalt4 die Gleichheit ans Herz, indem er sagte, sie müßten wie die Kinder werden.5

4. Ebenso schreibt auch der Apostel, daß in Christus keiner Sklave oder Freier, Grieche oder Jude sei;6 denn neu ist die Schöpfung in Christus, die frei von Streitsucht und von Habgier und eine gerechte Gleichheit ist.

5. "Denn Neid bleibt außerhalb des göttlichen Reigens",7 ebenso wie auch Eifersucht8 und Traurigkeit. Infolgedessen verbieten auch die Geheimlehrer (die Mysten) "das Herz zu essen",9 womit sie lehren wollen, daß man nicht mit Schwermut und Jammern über die unerwünschten Vorfälle sein Herz bekümmern und sich in Gram verzehren soll. Denn unselig ist jedenfalls jener, von dem auch Homeros sagt, daß er einsam umherirre und sich in Gram verzehre.10

1: Pythagoras, Symb. 2 Mullach FPG I p. 504; vgl. Strom. II 79,2.
2: Euripides, Phoinissen 536-540.
3: Mt 11,29 f. Im Griechischen steht das gleiche Wort für Waagebalken und Joch.
4: Vgl. Paid. I 12,4.
5: Vgl. Mt 18,3.
6: Vgl. Gal 3,28.
7: Platon, Phaidros p. 247 A; vgl. Philon, Qod omn. prob. lib. 13.
8: Vgl. Gal 5,20 f.
9: Pythagoras, Symb. 4 Mullach FPG I p. 504.
10: Vgl. Hom. Il. 6,201 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger