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Athanasius (295-373) - Brief an Epiktet (Epistula ad Epictetum)

5.

Allein, dem ist nicht so; das sei ferne! Denn „des Samens Abrahams nimmt er sich an", wie der Apostel sagt, „deshalb mußte er in allem den Brüdern gleichgestaltet werden"1 und einen Leib annehmen, der uns gleicht. Deshalb existiert also auch Maria wahrhaft, damit er aus ihr diesen Leib annehme und als seinen eigenen für uns darbringe. Auch sie hat Jesaias weissagend mit den Worten angedeutet: „Sieh, die Jungfrau"2. Gabriel aber ward zu ihr gesandt, nicht einfach zu einer Jungfrau, sondern „zu einer Jungfrau, die mit einem Manne verlobt war"3, um durch die Erwähnung des Bräutigams zu zeigen, daß Maria wahrhaft Mensch sei. Auch die Geburt erwähnt die Schrift und sagt: „Sie legte ihn in Windeln"4; auch die Brüste wurden selig gepriesen, die er gesogen hat5; auch ein Opfer wurde gebracht, wie wenn er durch seine Geburt den Mutterschoß geöffnet hätte6. Das alles waren Kennzeichen einer gebärenden Jungfrau. Auch Gabriel verkündete ihr die frohe Botschaft in bestimmter Weise, indem er nicht einfach sagte: das in dir Erzeugte, damit der Leib nicht für etwas gehalten würde, was von außen in sie eingeführt worden wäre, sondern: „aus dir"7, damit man glaube, daß das Erzeugte der Natur nach aus ihr sei; auch die Natur gibt das deutlich zu erkennen, da es unmöglich ist, daß eine Jungfrau, die nicht geboren hat, Milch habe, unmöglich auch, daß ein Leib mit Milch genährt und in Windeln gelegt werde, der nicht vorher in natürlicher Weise geboren wurde. [S. 510] Das ist auch der Leib, der am achten Tag beschnitten wurde; ihn hat Simeon in seine Arme genommen. Dieser wurde zum Knaben, wuchs, wurde zwölf Jahre alt8 und erreichte das dreißigste Jahr9. Denn nicht die Wesenheit des Logos selbst, wie einige vermutet haben, hat sich verwandelt und wurde beschnitten; sie ist ja unveränderlich und unwandelbar, da der Heiland selbst sagt: „Sehet mich, ich bin und verändere mich nicht"10, und Paulus schreibt: „Jesus Christus gestern und heute, derselbe auch in Ewigkeit"11. In dem Leib aber, der beschnitten und gehalten wurde, der aß, trank, müde ward, ans Holz genagelt wurde und litt, war der leidensunfähige und körperlose Logos Gottes. Dieser Leib wurde ins Grab gelegt, nachdem der Logos hingegangen war, um, wie Petrus sagt, auch „den Geistern im Gefängnis" zu predigen12.

1: Hebr. 2, 16.
2: Jes. 7. 14.
3: Luk. 1, 27.
4: Luk. 2, 7.
5: Luk. 11, 27.
6: Luk. 2, 23.
7: Luk. 1, 35
8: Luk. 2, 21-42.
9: Luk. 3, 23.
10: Mal. 3, 6.
11: Hebr. 13, 8.
12: 1 Petr. 3, 19.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Brief an Epiktetus
Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger