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Athanasius (295-373) - Brief an Epiktet (Epistula ad Epictetum)

4.

Ihr Toren, woher kam euch der Einfall, zu behaupten, der Leib sei der Gottheit des Logos wesensgleich? Denn damit wird man wohl treffend beginnen, auf daß, wenn dieser Punkt sich als unhaltbar herausstellt, alles andere sich ebenfalls so erweise. Aus den göttlichen Schriften läßt sich nun das nicht [S. 508] finden; denn dieselben sagen, daß Gott in einem menschlichen Leib gewesen sei. Aber auch die Väter, die in Nicäa versammelt waren, sagten, nicht der Leib, sondern der Sohn selbst sei dem Vater wesensgleich, und bekannten, der Schrift gemäß, dieser sei aus der Wesenheit des Vaters, der Leib aber aus Maria. Verwerft also entweder die Synode von Nicäa und bringt als Häretiker eure Lehre in Aufnahme oder denkt, wenn ihr Kinder der Väter sein wollt, nichts anderes als das, was sie geschrieben haben. Euere Torheit könnt ihr ja auch aus folgendem erkennen. Wenn der Logos mit dem Leibe, der seine Natur aus der Erde hat, wesensgleich ist, und wenn der Logos nach dem Bekenntnis der Väter mit dem Vater wesensgleich ist, so wird der Vater ebenfalls dem Leibe wesensgleich sein, der aus Erde geworden ist. Wie könnt ihr dann die Arianer noch tadeln, die den Sohn ein Geschöpf nennen, wenn ihr selbst behauptet, auch der Vater sei den Geschöpfen wesensgleich, und noch zu einer weiteren Gottlosigkeit fortschreitet, indem ihr behauptet, der Logos habe sich in Fleisch, Knochen, Haare, Nerven und in den ganzen Leib verwandelt und habe seine eigene Natur verändert? Denn es ist Zeit, daß ihr offen sagt, er sei aus Erde geworden; aus der Erde stammt ja die Natur der Knochen und des ganzen Leibes. Was ist das also für eine Tollheit, daß ihr euch selbst widersprecht? Denn wenn ihr die Wesensgleichheit des Logos mit dem Leibe behauptet, setzt ihr beide nebeneinander; aber mit der Behauptung, er habe sich in Fleisch verwandelt, dichtet ihr dem Logos selbst eine Veränderung an. Und wer wird euch ferner noch ertragen, wenn ihr das auch nur aussprecht? Denn mehr als jede Häresie seid ihr der Gottlosigkeit verfallen. Wenn der Logos nämlich dem Leibe wesensgleich ist, so ist Marias Erwähnung und Aufgabe überflüssig, da der Leib auch vor Maria von Ewigkeit her sein kann, wie ja der Logos selbst es ist, wenn anders er nach eurer Meinung dem Leibe wesensgleich ist. Wozu brauchte es dann aber der Ankunft des Logos, damit er entweder das ihm Wesensgleiche erzeugte oder seine eigene Natur änderte und Leib wurde? Denn die Gottheit nimmt nicht sich selbst [S. 509] an, um das ihr Wesensgleiche anzuziehen; der Logos, der die Sünden anderer sühnte, hat auch nicht gesündigt, daß er sich in einen Leib verwandeln, sich für sich selbst zum Opfer bringen und sich selbst hätte erlösen müssen.

 

 

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Einleitung: Brief an Epiktetus
Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger