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Athanasius (295-373) - Brief an Epiktet (Epistula ad Epictetum)

2.

Das schreibe ich, nachdem ich die von deiner Frömmigkeit mir übermittelten Schriften gelesen habe, von denen ich wünschte, sie möchten nicht geschrieben worden sein, damit keine Erinnerung daran auf die Nachwelt käme. Denn wer hat je solches gehört? Wer hat je solches gelehrt oder gelernt? „Denn von Sion wird das Gesetz Gottes, und das Wort des Herrn von Jerusalem ausgehen"1. Von wo aber sind diese Lehren ausgegangen? Welche Hölle hat die Behauptung ausgespieen, daß der Leib aus Maria mit der Gottheit des Logos wesensgleich sei; oder daß der Logos sich in Fleisch, Knochen, Haare und in den ganzen Körper verwandelt und seine eigene Natur geändert habe? Wer hat in der Kirche oder überhaupt unter Christen [S. 506] gehört, daß der Herr nur zum Schein und nicht in Wirklichkeit einen Leib getragen habe; oder wer ist in der Gottlosigkeit soweit gegangen, zu sagen und zu denken, die dem Vater wesensgleiche Gottheit selbst sei beschnitten und aus vollkommenem Zustand unvollkommen geworden, und das, was ans Kreuz geschlagen wurde, sei nicht der Leib, sondern die schöpferische Wesenheit der Weisheit selbst gewesen? Wer möchte, wenn er jemand äußern hört, der Logos habe sich nicht aus Maria, sondern aus seiner eigenen Wesenheit einen leidensfähigen Leib gebildet, einen solchen noch einen Christen nennen? Wer hat diesen gottlosen Frevel ersonnen und es sich nur in den Sinn kommen lassen, zu sagen, daß derjenige, der behauptet, der Leib des Herrn sei aus Maria, nicht mehr eine Dreiheit (τριάς), sondern eine Vierheit (τετράς) in der Gottheit denke? Als ob diejenigen, die so denken, damit behaupten wollten, das Fleisch, das der Heiland aus Maria angenommen habe, gehöre zur Wesenheit der Trinität! Woher haben ferner einige eine Gottlosigkeit, ähnlich den erwähnten Behauptungen, hervorgezerrt, indem sie sagen, der Leib des Logos sei nicht jünger als dessen Gottheit, sei vielmehr mit ihm durchaus gleich ewig, da er aus dem Wesen der Weisheit bestehe? Wie konnten es Leute, die sich Christen nennen, auch nur wagen, zu zweifeln, ob der Herr, der aus Maria hervorging, zwar dem Wesen und der Natur nach Gottes Sohn, dem Fleische nach aber aus dem Samen Davids, aus dem Fleische der heiligen Maria sei? Und welche Leute konnten so verwegen sein, zu behaupten, Christus, der dem Fleische nach gelitten hat und gekreuzigt worden ist, sei nicht der Herr und Heiland, Gott und Sohn des Vaters? Oder wie wollen jene noch Christen heißen, die behaupten, der Logos sei auf einen heiligen Menschen wie auf einen der Propheten herabgekommen, und sei nicht selbst Mensch geworden, indem er aus Maria seinen Leib nahm, vielmehr sei ein anderer Christus und ein anderer der Logos Gottes, der vor Maria und vor aller Ewigkeit Sohn des Vaters war? Oder wie können jene noch Christen sein, die sagen, ein anderer sei der Sohn und ein anderer der Logos Gottes?

1: Jes. 2, 3.

 

 

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Einleitung: Brief an Epiktetus
Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger