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Athanasius (295-373) - Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (Epistulae ad Serapion)

Dritter Brief

1.

Du wirst dich vielleicht wundern, wenn du trotz deines Auftrages, den Brief über den Heiligen Geist zu kürzen und den Gegenstand desselben mit wenigen Worten zu erläutern, siehst, wie ich diesen Gegenstand verlasse und gegen jene schreibe, die wider den Sohn Gottes freveln und ihn ein Geschöpf nennen; aber ich bin überzeugt, daß du mich nicht tadeln wirst, wenn du den Grund erfährst, sondern daß es deine Frömmigkeit billigen wird, wenn du die Zweckmäßigkeit dieses Vorgehens ersiehst. Der Herr hat nämlich selbst gesagt: „Der Tröster wird nicht von sich selbst reden, sondern was er hört, wird er reden, weil er von dem Meinigen nehmen und euch verkünden wird"1. Der Herr gab ihn aus sich den Jüngern, indem er sie anhauchte2, und so goß ihn der Vater dem Schriftwort gemäß3 über alles Fleisch aus. Deshalb habe ich mit Recht zuerst über den Sohn Gottes gesprochen und geschrieben, damit wir durch die Erkenntnis des Sohnes auch die rechte Erkenntnis des Geistes gewinnen könnten. Denn dasselbe eigentümliche Verhältnis, in dem wir den Sohn zum Vater wissen, obwaltet, wie wir finden werden, auch zwischen dem Geist und dem Sohn. Und wie der Sohn spricht: „Alles, was der Vater hat, ist mein"4, so werden wir finden, daß dies alles durch den Sohn auch im Geiste ist. Und wie der Vater auf den Sohn hinwies mit den Worten: „Dieser ist mein geliebter Sohn, [S. 463] an dem ich mein Wohlgefallen habe"5, ebenso eignet der Geist dem Sohne. Denn „er sandte", sagt der Apostel, „den Geist seines Sohnes in unser Herz, der da ruft: Abba, Vater"6. Und was besonders bemerkenswert ist, wie der Sohn spricht: Was mein ist, das ist des Vaters; ebenso ist der Heilige Geist, der Eigentum des Sohnes genannt wurde, Eigentum des Vaters, Denn der Sohn selbst spricht: „Wenn der Tröster kommt, den ich euch vom Vater senden werde, den Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er von mir Zeugnis geben"7. Paulus aber schreibt: „Niemand kennt das (Wesen) des Menschen außer der Geist des Menschen, der in ihm wohnt; so kennt auch das (Wesen) Gottes niemand außer der Geist Gottes, der in ihm ist. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, um zu erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist"8. Und in der ganzen göttlichen Schrift wirst du finden, daß vom Heiligen Geiste gesagt wird, er sei des Sohnes und auch er sei des Vaters. Davon haben wir früher schon geschrieben. Wenn also der Sohn wegen seines eigentümlichen Verhältnisses zum Vater, und weil er die eigene Erzeugung der Wesenheit desselben ist, kein Geschöpf, sondern dem Vater wesensgleich ist, so ist wohl auch der Heilige Geist kein Geschöpf; gottlos ist vielmehr, wer dies angesichts des besonderen Verhältnisses behauptet, in dem der Geist zum Sohne steht, weil er aus letzterem allen gegeben wird, und weil das, was er hat, des Sohnes ist.

1: Joh. 16,13. 14.
2: Joh. 20,22.
3: Joel 2, 29.
4: Joh. 16,15.
5: Matth. 3,17.
6: Gal. 4,6.
7: Joh. 15,26.
8: 1 Kor. 2,11.12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger